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Stadt Nürtingen will gegen Ameisenplage vorgehen

Im Gebiet Kirchheimer Vorstadt wurde ein Vorkommen der Großen Drüsenameise entdeckt, die Superkolonien bilden kann. Im Sommer beginnt die Bekämpfung.

Die Stadt Nürtingen will in der Kirchheimer Vorstadt Ameisen bekämpfen. Foto: Madadi Adel/Adobe Stock

NÜRTINGEN. Die Tapinoma Magnum, die Große Drüsenameise, ist auch in Nürtingen angekommen. Gefürchtet wird sie, weil sie sogenannte Superkolonien bildet, die andernorts bereits erhebliche Schäden an Infrastruktureinrichtungen verursacht haben. Aber auch für Privatleute kann sie zur Plage werden, wenn sie auf Nahrungssuche in Gebäude eindringt. In der Kirchheimer Vorstadt wurde sie nachgewiesen, bestätigt der Nürtinger Umweltbeauftragte Jochen Hildenbrand. Im Sommer soll sie bekämpft werden, Anfang Februar gibt es dazu eine Informationsveranstaltung.

Ursprünglich, so Hildenbrand, stammt die Ameisenart aus dem Mittelmeerraum. Im Rheintal komme sie bereits seit einigen Jahren vor, und sie breite sich zunehmend aus. Sie baut ihre Nester gerne in sandigen Böden und untergräbt dabei zum Beispiel Funk- und Stromkabel, die dann nicht mehr vor Schäden geschützt sind. Auch auf Spielplätzen könne sie Sand wegschaffen, es sei schon zu Einbrüchen gekommen. So hatte zum Beispiel die Stadt Wörth am Rhein massive Probleme und startete die Bekämpfung.

Merkmale der Drüsenameisen

„Wir hatten das in Nürtingen nicht erwartet“, bekennt Hildenbrand. Als im Sommer aber dann ein Vorkommen in Tübingen bekannt wurde, gab es auch in Nürtingen häufiger Anrufe von besorgten Bürgern. „Wir sind jedem Hinweis nachgegangen, doch der Verdacht hat sich nicht bestätigt“, sagt Hildenbrand. Die Drüsenameise sei kaum zu unterscheiden von der heimischen schwarzen Wegameise. Ein Merkmal aber sei, dass sie eher in verzweigten und auch nebeneinander verlaufenden Ameisenstraßen unterwegs sei. Hildenbrand nennt ein weiteres Zeichen: „Der Name kommt nicht von daher, dass die Ameise besonders groß ist, eher im Gegenteil.“ Einige Individuen in einer Ameisenstraße seien jedoch größer als andere, je nach ihrer Aufgabe. Das sei bei der heimischen Art nicht der Fall. Auch soll eine zerdrückte Ameise nach Buttersäure oder Schweiß riechen, also eher übel. Zumindest Hildenbrand will darauf aber nicht vertrauen: „Für mich riecht das nicht schlecht, eher nach Orange.“ Außerdem sei ein Geruch nur etwa bei sieben von zehn Individuen festzustellen. Sicherheit gebe letztlich eine Untersuchung unter dem Mikroskop.

Das Naturkundemuseum ist die Meldestelle

Nach Tübingen meldete auch die Stadt Esslingen ein großes Vorkommen an einer mit Sand angeböschten Lärmschutzwand im Stadtteil Sirnau. Der Tapinoma-Fund in Nürtingens Kirchheimer Vorstadt ist einem Zufall zu verdanken. „Eine Mitarbeiterin des naturkundlichen Rosensteinmuseums, das auch die Meldestelle für Vorkommen ist, wohnt dort“, so Hildenbrand. Er vermutet nach einem ersten Augenschein noch kein allzu großes Vorkommen. „Wir haben eher lehmige Böden“, nennt er als Grund.

Die Ameise stamme zwar aus dem Mittelmeerraum, doch seien die Kriterien zur Bekämpfung einer invasiven Art im Sinne des Naturschutzgesetzes nicht erfüllt, so Hildenbrand. Dennoch will die Stadt aktiv werden, das sei auch Oberbürgermeister Fridrich ein Anliegen gewesen, sagt der Umweltschutzbeauftragte.

Er hat sich schlau gemacht bei einem Workshop, zu dem sein Kollege bei der Stadt Wörth eingeladen hatte. „Es waren 80 Teilnehmer aus 70 Kommunen da“, so Hildenbrand. Auch Kammerjäger hätten ihre Erfahrungen weitergegeben. Wörth rückt den Ameisen mit heißem Wasserdampf zu Leibe, auch die Stadt Esslingen habe sich dafür entschieden. Hildenbrand will einen anderen Weg gehen. Es handle sich zwar um Superkolonien, die Millionen von Individuen haben könnten, jedoch verteilt auf viele miteinander verbundene Nester. Sie alle zu lokalisieren, sei nicht einfach. Entkäme ein Teil nach der Bekämpfung, flüchte dieser sich in die anderen Nester. Das unterscheide die Drüsenameise von heimischen Kolonien, die sich gegenseitig abgrenzen und sogar bekriegen. „Ist ein Nest dann noch unter dem Asphalt, kommen wir gar nicht ran.“ Außerdem sei der Aufwand mit Dampf groß, müsste der Einsatz doch während des gesamten Sommers einmal wöchentlich wiederholt werden.

Stadt lädt zu Informationsveranstaltung ein

Die Stadt wird einen Kammerjäger beauftragen, ist aber auch auf die Hilfe der Gebäudeeigentümer in dem betroffenen Gebiet angewiesen, die bereits angeschrieben worden seien. „Wir bekämpfen im öffentlichen Raum bis zur Gebäudevorderfront“, so Hildenbrand. Dazu wird ein Kammerjäger beauftragt, da in der Öffentlichkeit ausgebrachte Mittel nur von Fachleuten verwendet werden dürfen. Am Haus selbst können Anwohner handelsübliche Mittel einsetzen. Wie die Bekämpfung durch die Stadt aussehen wird und was Betroffene selbst tun können, darüber informiert die Stadt bei einer öffentlichen Veranstaltung am Donnerstag, 5. Februar, im Kleinen Saal der Stadthalle K3N.

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