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Wendlinger Apotheker und Nürtinger Arzt berichten: Hier hakt es mit dem E-Rezept

Seit Anfang des Jahres erhalten Patienten ihre verschreibungspflichtigen Arzneimittel elektronisch. Das soll eine Erleichterung für Ärzte, Apotheken und Kunden sein. Doch noch läuft nicht alles rund, verraten Betroffene.

Das E-Rezept kann mit der eGK, per Papierausdruck, aber auch mit dem Smartphone eingelöst werden. Foto: pressmaster - stock.adobe.com

NÜRTINGEN/WENDLINGEN. Seit dem ersten Januar 2024 ersetzt das E-Rezept das rosafarbene Papier-Rezept. Versicherte erhalten verschreibungspflichtige Arzneimittel größtenteils nur noch elektronisch und können dieses mit ihrer elektronischen Gesundheitskarte (eGK), per App oder mittels Papierausdruck einlösen.

Für Dauerrezepte, etwa bei chronischen Erkrankungen, kann man sich den ständigen Gang zum Arzt dadurch fortan sparen. Auch der Praxisalltag soll laut Bundesregierung erleichtert werden. Händische Unterschriften und Wege entfallen, das Medikamentenmanagement werde verbessert, und den Apotheken erleichtere das Einlösen mit der eGK den Arbeitsalltag ebenfalls.

In der Praxis kann es noch zu Einschränkungen kommen

So viel zur Theorie. In der Praxis sehen die Erfahrungen nach etwas mehr als zwei Monaten allerdings anders aus. „Es gibt ganz verschiedene Problematiken, die da noch auftreten“, berichtet André Renz, der in Köngen und Wendlingen Apotheken betreibt. Ein Knackpunkt sei die Servererreichbarkeit. „Erst heute ist der bei uns wieder ausgefallen“, so Renz am Dienstag. Dann könne in der Apotheke das Rezept nicht eingelöst werden.

Auch E-Rezepte müssen vom Arzt elektronisch unterschrieben werden. Was auf den ersten Blick eine reine Formalie ist, stellt sich im Alltag als Zeitfresser heraus. Oft kommt es vor, dass Patienten direkt nach dem Arztbesuch in die Apotheke gehen, um die verschriebenen Medikamente abzuholen.

Oft seien Rezepte beim Abholen noch nicht signiert

„Viele Rezepte können wir dann aber nicht einlösen, weil sie in der Praxis noch nicht signiert wurden“, berichtet Renz. Der Patient muss am nächsten Tag wiederkommen. Grund dafür ist laut Renz, dass viele Ärzte die Rezepte in einer Art Stapelverarbeitung während der Mittagspause oder abends unterschreiben.

„Trotz Komfortsignatur dauert das Unterzeichnen des E-Rezepts zu lange“, sagt Dr. Jochen Maier, der in Nürtingen mit Kollegen eine Praxis betreibt und stellvertretender Vorsitzender der Nürtinger Ärzteschaft ist.

Das Unterschreiben sei zeitaufwendig

Will ein Arzt ein elektronisches Rezept unterschreiben, muss er zunächst seinen Heilberufsausweis in ein Kartenterminal an seinem Computer stecken und dann eine persönliche PIN eingeben. 250 Rezepte kann er daraufhin unterschreiben, bevor er den Vorgang wiederholen muss. Auch das klingt in der Theorie komfortabel. Im Alltag klappt das jedoch nicht so reibungslos, berichtet Maier.

„Wenn ein Patient bei mir in der Sprechstunde ist, ziehe ich es eigentlich vor, ein E-Rezept sofort zu unterschreiben“, sagt er. Das Unterschrift-Programm blockiere beim Betätigen allerdings etwa zwanzig bis dreißig Sekunden den Computer. Währenddessen könne er nichts anderes daran bewerkstelligen. „Ein Papierrezept ausdrucken und unterschreiben, das geht alles nebenher.“

Anfragen der Pflegeheime gehen nicht digital

Maier könne deswegen verstehen, dass einige Ärzte die Stapelverarbeitung vorziehen. „Aber es liegt nicht nur daran, dass Rezepte oft nicht sofort einlösbar sind.“ Auch in den Arztpraxen streike die Technik gelegentlich. „Wir hatten zwei Totalausfälle, weil es praxisintern Datenbankprobleme gab und wir hatten Störungen der Telematik, die zu Neustarts der Verbindung und Zeitproblemen führten“, sagt Maier.

Die Telematikinfrastruktur, also das Gesundheitsnetz, bringt ein weiteres Problem mit sich. Denn die Pflegeheime werden voraussichtlich erst ab dem 1. Juli 2025 verpflichtend daran angeschlossen sein. Deren Verordnungen lassen sich daher bislang oft nicht digital erledigen. Maier berichtet, wie die Praxis in so einem Fall aussieht: Das Heim fordert ein Rezept in der Praxis an. Eine Helferin stellt es dem Arzt in die Signierliste. Irgendwann erfolgt die Unterschrift. Erst dann kann es ausgedruckt und per Fax an das Heim weitergeleitet werden. Vorausgesetzt, dass die Helferin den Fall notiert hat. „Das kann natürlich nicht gut klappen“, kommentiert Maier.

Die Patienten begrüßen das E-Rezept

Sowohl Arzt Maier als auch Apotheker Renz sehen aber ebenso Positives im E-Rezept. „Ich hatte erst kürzlich den Fall, dass die Stärke eines Medikaments nicht richtig angegeben war“, berichtet Renz. „Da konnte ich schnell in der Praxis anrufen und bitten, dass das geändert wird.“ Früher musste man in diesem Fall das Rezept physisch zur Praxis und dann wieder zur Apotheke bringen.

Laut Maier werde das elektronische Rezept von den Patienten begrüßt. „Leider haben sie aber keine Ahnung, wie das alles geht. Wir müssen jedes Mal aufs Neue alles erklären“, sagt er. Er frage sich deswegen, warum die Aufklärung seitens der Krankenkassen so dürftig gewesen sei.

Was die AOK zum E-Rezept sagt

Die AOK als größte gesetzliche Krankenkasse des Landes biete ihren Versicherten eine große Auswahl an Aufklärungsmöglichkeiten, antwortet Petra Schneppe, Pressesprecherin der AOK Neckar-Fils. Sowohl persönliche Beratungsleistungen durch geschulte Mitarbeiter als auch ein umfassendes Informationsangebot auf verschiedenen Kanälen ständen zur Verfügung. „So können Informationen beispielsweise auf der Website, Social Media und im Versichertenmagazin nachgelesen werden.“

Wie bei jeder Neueinführung habe es beim E-Rezept Startschwierigkeiten und kleinere Störungen gegeben, so Schneppe weiter. Diese sei die AOK jedoch gemeinsam mit den Vertragspartnern zügig angegangen, um die Einschränkungen für die Versicherten möglichst gering zu halten. Die Krankenkasse arbeite intensiv daran, dass die Anwendung zu jedem Zeitpunkt reibungslos funktioniert. Die AOK begrüße die Einführung des E-Rezepts ausdrücklich.

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