Wendlingen
Zwischen Neuffen und Wendlingen bieten nur drei Apotheken den Corona-Schnelltest an
Lediglich die Kastell-Apotheke, die Apotheke Horch und die Aichtal-Apotheke bieten den Service an – Mit Aufwand verbunden
Wer erinnert sich nicht an die Schlangen, die sich wegen der Corona-Tests im Frühjahr vor dem Testzentrum am Oberensinger Festplatz bildeten? Bis auf die B 313 standen die Testwilligen in ihren Autos. Nun, gut neun Monate später, sind wir in einer anderen Welt. Getestet werden kann jetzt auch in Apotheken und beim Zahnarzt.
WENDLINGEN. Corona-Schnelltests: Bislang durften die nur von medizinischem Fachpersonal gemacht werden. Nicht umsonst startete das Seniorenzentrum Taläcker noch vor Weihnachten einen Hilferuf, um genau dieses Fachpersonal zu finden. Gemeldet hat sich eine Person, über die Nicola Philipps von der Betreibergesellschaft Die Zieglerschen sehr froh ist. Und zack, sind wir schon wieder einen Schritt weiter. Testen dürfen nämlich seit Kurzem auch Apotheker. Eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes, noch vor Weihnachten verabschiedet, macht dies möglich.
Indes, es gibt im Verbreitungsgebiet der Wendlinger und Nürtinger Zeitung gar nicht so viele Apotheken, welche dies anbieten. Eigentlich nur drei: die Aichtal-Apotheke in Aich, demnächst die Nürtinger Apotheke Horch und die Kastell-Apotheke im Wendlinger Gewerbegebiet Wert.
Als deren Inhaber André-Philipp Renz von den Plänen der Bundesregierung hörte, das Testangebot auszuweiten, gab es für ihn kein langes Überlegen. Angefangen hat er um die Weihnachtszeit. Und hatte so kurz vor den Feiertagen auch richtig viel zu tun, denn viele wollten natürlich das Fest mit der Familie feiern und sichergehen, dass das auch gefahrlos möglich ist. Doch der Beweggrund für Renz, die Tests anzubieten, ist eigentlich ein anderer. Er will den Menschen Sicherheit geben, die ihre Angehörigen in Pflegeheimen besuchen wollen. Dort wird zwar auch getestet, aber jeder Test, der dort nicht gemacht werden muss, entlastet natürlich das Pflegepersonal. Interessant könnte das Angebot aber auch für Geschäftsreisende, Rückkehrer aus Risikogebieten sein. Zudem, man erinnert sich an Weihnachten, ist es sinnvoll, sich vor Familienbesuchen testen zu lassen.
Kunden zu testen ist nicht ganz ohne Aufwand. So muss der Apotheker einen Vollschutzanzug tragen. Und nach jedem Kunden werden in dem Testraum die Kontaktflächen desinfiziert. „Der Abstrich für den Schnelltest an sich dauert nur wenige Minuten. Das Ergebnis liegt innerhalb von etwa 15 Minuten vor“, versichert Renz. Eingesetzt würden geprüfte Schnelltests.
Die getesteten Personen erhalten in allen drei Apotheken im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung dann eine schriftliche Bestätigung des Test-Ergebnisses. Dieses wird gleich vor Ort ausgehändigt oder, wenn der Kunde nicht warten kann oder will, auch per E-Mail verschickt. Die schriftliche Bestätigung enthält neben den persönlichen Daten des Getesteten auch Datum und Uhrzeit des Tests, denn der ist nur 48 Stunden gültig. Wer danach einen Besuch bei Verwandten im Pflegeheim macht, sollte das Testergebnis also mit sich führen.
Apotheke Horch: Bald Tests als Drive-through-Variante
Den Test in der Apotheke gibt es natürlich nicht umsonst. Die Kosten sind von Apotheke zu Apotheke unterschiedlich. In den Kosten enthalten sind neben dem Test auch eine Beratung, die Auswertung und der Aufwand, den der Apotheker hat – beispielsweise auch mit der Dokumentation. Die kann dann aufwendig werden, sollte ein Kunde positiv getestet werden.
Dann muss der Apotheker nicht nur das Gesundheitsamt informieren. Der Kunde wird zudem in ein Abstrichzentrum geschickt, wo ein PCR-Test vorgenommen wird. „Das PCR-Ergebnis liegt binnen weniger Stunden vor und wird wiederum dem Gesundheitsamt mitgeteilt, das dann bei zum Beispiel positiv bestätigtem Ergebnis die Quarantäne anordnet“, erklärt Renz. Ein positiver Befund kam bei ihm jedoch bisher noch nicht vor.
Um Wartezeiten zu vermeiden, ist eine vorherige Anmeldung für den Schnelltest erforderlich. Das geht telefonisch, per E-Mail oder auch persönlich vor Ort. Für den Test in der Kastell-Apotheke kann man sich auch in der Römerapotheke in Köngen oder in der Grünen Apotheke in Wendlingen anmelden. „Getestet wird jedoch nur in der Kastell-Apotheke“, sagt Renz, der nur dort eigens einen Raum bereithält.
Auch in Aichtal gibt es in der Aichtal-Apotheke eine Testmöglichkeit. Das Verfahren dort ist das gleiche wie in der Kastell-Apotheke. Zudem plant Vanessa Schaal, Inhaberin der Nürtinger Apotheke Horch, bis in etwa zwei Wochen eine Drive-through-Variante, ähnlich der Vorgehensweise, die am Corona-Abstrich-Zentrum (CAZ) am Oberensinger Festplatz angewandt wurde. Hier können also Testwillige in ihrem Auto in den Hof der Apotheke fahren und ohne auszusteigen durch das geöffnete Fenster einen Abstrich nehmen lassen. Das bietet allen Beteiligten maximale Sicherheit.
Alle anderen von uns kontaktierten Apotheker, vom Neuffener Tal bis ins Neckartal, haben sich entschieden, die Abstriche nicht anzubieten. Es fehlt ihnen meist an geeigneten separaten Räumen, denn das Ladenlokal bietet nicht die notwendigen hygienischen Bedingungen. Auch die personellen Ressourcen sind nicht überall üppig. Argumente, die der Apothekerverband Baden-Württemberg von vielen Mitgliedern hört. Und die man dort auch nachvollziehen kann. Die geringe Zahl von Apotheken, die den Test hier anbieten, spiegelt die Situation in ganz Baden-Württemberg wider. „Von den 2350 Apotheken im Land haben sich etwa 60 bisher dazu entschlossen, den Test anzubieten“, sagt Verbands-Pressesprecher Frank Eickmann.
Übrigens, die Hygienemaßnahmen zeigen durchaus Erfolg. Durch das Tragen der Masken, das vermehrte Händewaschen und die Verwendung von Desinfektionsmitteln, die Einhaltung der Abstandsregeln, aber natürlich auch wegen der vielen Menschen im Homeoffice ist den Apothekern zufolge die Nachfrage nach Hustensaft und Nasenspray in diesem Winter merklich geringer – die ganz große Erkältungswelle blieb bisher aus.