Kai Hansen, Nürtingen. Zum Artikel „Risiko darf für Stadt nicht grenzenlos sein“ vom 11. Januar. Michael Maile hat dazu aufgerufen, offen und besonnen die Gestaltung und Nutzung des Neckarufers im Gemeinderat zu beraten. Möglichkeiten sollen erst auf der Basis belastbarer Zahlen entschieden werden. Dem möchte ich mich anschließen.
Jetzt haben im Vorfeld der kommenden Sitzung die Stadträte Hiller und Kunzmann daraufhin etwas in Frage gestellt, was gar nicht in Frage steht: Es gibt fraglos niemanden, der zehn Millionen Euro ausgeben will für die Kunstschule und ein „begrenzt attraktives Künstlercafé“. Diese in den Raum gestellte Summe ist fragwürdig und übertrieben. Der bestellte Gutachter konnte nicht einmal die Frage beantworten, welchen Kubikmeterpreis für umbauten Raum er zugrundegelegt hat. Für den zu hoch angesetzten Baustandard gab es keine Alternativrechnung. Ein einfacher Standard tut es nämlich auch. Die dann am Neckar konzentrierten soziokulturellen Bildungsträger stellen auch nicht „eine Konkurrenz zur Stadthalle“ dar. Die Zielgruppen und die Nutzung sind zu verschieden.
Klar ist also bisher nur, dass jede Menge Vorurteile verbreitet werden und wenig Wertschätzung und Sachbezogenheit vorherrscht.
Man kann nur hoffen, dass der Gemeinderat dem mit Gründlichkeit und Ruhe begegnet. Was soll bitte in der Sache Sinnvolles für Nürtingen herauskommen, wenn die Rhetorik kaum verhehlen kann, dass es darum geht, zu obsiegen und einen Gegner oder eine Gegnerin in die Pfanne zu hauen? Das größte Risiko für Nürtingen besteht doch in dem hartleibigen und dünkelhaften Zwist am oberen Ende, denn dieser verhindert die nötige Verbindung von Sinn und Maß.
Und hoffentlich wird in Nürtingen auch der Sport pfleglich behandelt, die Kinder, die Integration neuer Bürger, das Soziale. Aber Stadtentwicklung bedeutet auch, dass Studenten gerne in Nürtingen wohnen und leben wollen. Ebenso sollte die seit Jahrzehnten ehrenamtlich betriebene Soziokultur, die Jugendarbeit, die künstlerische Bildung eine Heimat haben in Nürtingen. Als Basis muss klargestellt werden, worauf es für Nürtingen und am Neckar ankommen soll, dann bestimmen weder Architekten-Skizzen (fünf Millionen mit Anbauten und Hochwasserschutz) noch politische Schreckens-Summen.
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