Wissenschaft

Warum es gerade so brandgefährlich ist

Die lange Trockenheit erhöht das Waldbrandrisiko. Jan Ohmen/dpa

Flammen fressen sich in ungekanntem Ausmaß durch den Wald, Menschen müssen ihr Zuhause verlassen. Dass gerade jetzt das Risiko für Brände wie jenen in Nordrhein-Westfalen besonders hoch ist, liegt an einem ungünstigen Zusammenkommen mehrerer Ursachen. 

Die anhaltende extreme Dürre schafft besonders günstige Bedingungen für Brände. Bäume, Sträucher und Böden sind vielerorts zu trocken. Ist es – wie aktuell so oft – dann auch noch heiß, entsteht perfektes Feuerwetter. Es fehlt die Kühlung durch Verdunstung. Das Wetter allein führt noch nicht zum Waldbrand – dahinter stecken meist menschliche Ursachen. Lässt beispielsweise jemand in der Natur eine noch glühende Zigarettenkippe fallen und ausgedorrte Sträucher fangen Feuer, springen die Funken schnell über und können sich rasant ausbreiten und sich intensiv durch die Landschaft fressen. 

Der Deutsche Wetterdienst weist die Waldbrandgefahr in einem fünfstufigen Index aus. Klickt man auf die tagesaktuellen Karten, ist das Land zurzeit tiefrot eingefärbt: Derzeit werden für die meisten Teile Deutschland die obersten beiden Gefahrenstufen ausgewiesen. Im Osten des Landes soll die Gefahr am besonders heiß erwarteten Samstag sogar noch einmal höher liegen als am Freitag. 

Brände, die Tausende Menschen zwingen, ihre Häuser zu verlassen: Das kannte man in Deutschland bislang vor allem aus den Nachrichten klassischer Waldbrandregionen. «Wir kommen in Europa an unsere Grenzen. Wir beobachten Feuerverhalten, das wir aus dem kalifornischen Kontext kennen. Man sieht, dass die Kontrollschwelle öfter überschritten wird», erklärt der Feuermanagement-Experte Lindon Pronto, der auch Mitgründer einer Initiative namens Waldbrand-Klima-Resilienz ist, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. 

Dem Thünen-Institut für Waldökosysteme zufolge gibt es fast in ganz Deutschland – außer in Schleswig-Holstein – eine witterungsbedingte Zunahme der Waldbrandgefahr. Besonders hoch sei diese in Dürrejahren, die sich seit 2018 häufen. 

Waldbrände haben in Deutschland über die Jahre hinweg zugenommen. Federico Gambarini/dpa

Auch im vergangenen Jahr war die betroffene Fläche nicht klein: Der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) zufolge vernichteten 1.175 Brände rund 2.626 Hektar Waldfläche – eine Fläche so groß wie die Insel Norderney. Die verbrannte Fläche liegt damit um ein Vielfaches über dem langjährigen Mittel von 844 Hektar (1991 bis 2024). 

Das Thünen-Institut erklärt, die Waldbrandgefahr sei in den vergangenen 30 Jahren durch den Klimawandel immer weiter gestiegen. Durch höhere Temperaturen und längere Trockenperioden dürfte sich der Trend weiter verschärfen. 

Der Forstwissenschaftler Jürgen Bauhus von der Universität Freiburg weist darauf hin, dass die Tage mit hoher Waldbrandgefahr laut Deutschem Wetterdienst deutlich zunehmen. So hätten sich die Tage mit hoher Waldbrandgefahr im Mittel von sechs Tagen pro Jahr (in der Spanne 1961 bis 1990) auf 11,3 Tage im Jahr (im Zeitraum 1991 bis 2020) fast verdoppelt. «Dieser Trend spiegelt sich auch in einer hohen Anzahl an Waldbränden beziehungsweise einer großen Waldbrandfläche wider, die wir insbesondere in den vergangenen zehn Jahren beobachten konnten», betonte er vor einigen Wochen. 

Außerdem gibt es eine Art Teufelskreis: Das Risiko für Waldbrände steigt nicht nur mit dem Klimawandel, sondern Waldbrände heizen den Klimawandel auch weiter an. Denn: Durch die Brände wird dem Thünen-Institut zufolge unter anderem CO2 freigesetzt, das vorher als Kohlenstoff im Holz gespeichert war.

© dpa-infocom, dpa:260814-930-530165/1

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