Wirtschaft

Firmensterben so ausgeprägt wie seit fast 20 Jahren nicht

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform sammelt regelmäßig Zahlen zu Firmenpleiten und Unternehmensschließungen. (Symbolbild) Martin Schutt/dpa

Teure Energie, Fachkräftemangel, fehlende Nachfolge: 187.744 Unternehmen in Deutschland haben im vergangenen Jahr aufgegeben und damit so viele wie seit fast 20 Jahren nicht. Verglichen mit dem Vorjahr erhöhte sich die Zahl um knapp zehn Prozent, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform und das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim in ihrer jährlichen gemeinsamen Analyse feststellen. 

Die Zahlen der Vorjahre wurden auf erweiterter Basis neu berechnet. Mehr Unternehmensschließungen bundesweit verzeichnete die Zeitreihe zuletzt im Jahr 2007 mit fast 208.000. 2025 gab es den zweiten Anstieg in Folge.

«Die Krisendynamik frisst sich mittlerweile durch die gesamte Breite der Wirtschaft», sagt der Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch. «Anders als in früheren Jahren beenden nun auch eigentlich gesunde Firmen ihre Geschäftstätigkeit.»

In fast allen Branchen stiegen der Analyse zufolge binnen Jahresfrist die Schließungszahlen - besonders stark im Gastgewerbe: 2025 machten etwa 15.000 Gaststätten und Beherbergungsunternehmen dicht, 15 Prozent mehr als 2024. 

Hohe Kosten und fehlendes Personal zwingen Gastwirte zum Aufgeben. (Symbolbild) Moritz Frankenberg/dpa

«Der im Vergleich zu anderen Branchen niedrigere Mehrwertsteuersatz, den die Bundesregierung zur Unterstützung des Gastgewerbes eingeführt hat, konnte offenbar die prekäre Situation in dieser Branche nicht abmildern», heißt es in der Analyse. Seit dem 1. Januar 2026 gilt in der Gastronomie in Deutschland ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent auf Speisen.

Im Gesundheitswesen setzte sich die seit etwa zehn Jahren zu beobachtende Negativentwicklung fort: Die Zahl der Schließungen in diesem Bereich ist mit knapp 11.000 mittlerweile etwa doppelt so hoch wie im Jahr 2008. Allein knapp 5.500 Arztpraxen und damit fast ein Viertel (23 Prozent) mehr als 2024 schlossen im vergangenen Jahr - häufig, weil Ärztinnen und Ärzte den Ruhestand antreten und niemanden finden, der ihre Praxis fortführt.

In der Industrie traf es etwa 11.000 Betriebe und damit zehn Prozent mehr als vor Jahresfrist. Creditreform-Experte Hantzsch hatte jüngst mit Blick auf steigende Insolvenzzahlen von einer «Krisenzange» gesprochen, die die deutsche Wirtschaft «von zwei Seiten packt und schädigt»: einerseits geopolitische Verwerfungen wie der Iran-Krieg oder die US-Zölle, andererseits hohe Energiepreise und viel Bürokratie im Inland.

Steigende Energiepreise wegen des Krieges im Nahen Osten bremsen den Aufschwung in Deutschland aus. (Illustration) Bernd Thissen/dpa

ZEW-Forscherin Sandra Gottschalk weist allerdings darauf hin, dass gerade einmal 13 Prozent der fast 190.000 erfassten Schließungen im vergangenen Jahr auf ein Insolvenzverfahren zurückgingen. Die Mehrzahl der Geschäftsaufgaben erfolge nahezu geräuschlos. 

«Immer mehr Betriebe schließen, weil Firmeninhaber in den Ruhestand gehen und keinen Nachfolger finden. Fast ein Drittel aller freiwilligen Schließungen erfolgt mittlerweile aus Altersgründen - deutlich mehr als noch vor 10 oder 15 Jahren», erläutert Gottschalk.

© dpa-infocom, dpa:260818-930-545433/1

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