Wirtschaft

Allianz: Deutschland und die Welt verpassen Klimaziele

Ein Kohlekraftwerk in der westchinesischen Provinz Gansu. Die Volksrepublik ist mit einem Anteil von etwa 30 Prozent weltgrößter Emittent von Treibhausgasen. (Symbolbild) Johannes Neudecker/dpa

Sowohl die Welt insgesamt als auch Deutschland und Europa werden nach Berechnungen der Allianz das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 verfehlen. Bei derzeitigem Tempo könnte der Planet im Jahr 2064 klimaneutral sein, die EU insgesamt 2057 und Deutschland 2051, wie es in der Studie heißt. Das Ziel, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, ist demnach praktisch unerreichbar. Unter den deutschsprachigen Ländern ist demnach die Schweiz am weitesten fortgeschritten, gefolgt von Deutschland und Österreich.

Die Ökonomen des Münchner Dax-Konzerns veröffentlichten ihren «Green Transition Tracker» zum zweiten Mal. Grundlage sind Daten zur Energieerzeugung aus den 64 Staaten, die den Großteil der weltweiten Treibhausgasemissionen verursachen. Weltweit größter Treibhausgas-Emittent bleibt laut Allianz mit großem Abstand China: Die Volksrepublik allein bläst demnach 30 Prozent des weltweiten Ausstoßes in die Atmosphäre, gefolgt von den USA mit elf Prozent. 

Den ersten Platz belegt das kleine Luxemburg, die Schweiz liegt auf Rang acht, Deutschland auf dem zwölften Platz und Österreich an 19. Stelle. Die EU ist dem «Transition Tracker» zufolge mit einem Anteil von sechs Prozent nach wie vor führend bei der Reduktion der CO2-Emissionen, doch hat sich das Tempo verlangsamt. Auch Deutschland schreitet laut Studie nicht schnell genug voran, um die Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen. Das regierungsamtliche Zieldatum 2045 ist in der Studie nicht erwähnt. 

Obwohl der Klimaschutz in vielen Ländern noch nie politische Priorität war und die USA unter Präsident Donald Trump von den Klimazielen abgerückt sind, macht der Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle der Studie zufolge durchaus Fortschritte: 56 der 64 Staaten haben ihre Emissionen demnach weiter reduziert. 

2025 markierte demnach einen wichtigen Wendepunkt: Bei der weltweiten Stromerzeugung war der Anteil der erneuerbaren Energien mit 33,5 Prozent erstmals höher als derjenige der Kohle (33,2 Prozent). Ein Treiber des Umstiegs in diesem Jahr ist demnach weniger die Klimapolitik als ein schlichter ökonomischer Anreiz: Der durch den Iran-Krieg verursachte Anstieg der Öl- und Gaspreise führt demnach einerseits zu Einsparungen beim fossilen Energieverbrauch und andererseits zu vermehrtem Absatz von Elektroautos und Solaranlagen. In diesem Jahr könnten die CO2-Emissionen demnach sogar ganz leicht um 0,5 Prozent zurückgehen. Schlusslichter in der Tabelle sind Aserbaidschan und der Iran. In beiden Ländern hat sich bisher laut Studie beim Klimaschutz nichts Messbares getan.

Die Allianz betreibt wie andere große Versicherungskonzerne eigene volkswirtschaftliche Untersuchungen. Die Branche hat ganz unabhängig von politischen Überzeugungen ein Eigeninteresse am Klimaschutz: Die Schadenbilanzen der Unternehmen zeigen, dass steigende Durchschnittstemperaturen mit steigenden Naturkatastrophenschäden durch Unwetter und Überschwemmungen einhergehen - nicht linear von Jahr zu Jahr, aber im langfristigen Trend.

© dpa-infocom, dpa:261105-930-947509/1

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