Im Jemen sind Hunderttausende Bewohner der Stadt Tais wegen des Vormarsches der Huthi-Rebellen zunehmend von der Außenwelt abgeschnitten. Kämpfer der schiitischen Miliz versuchen seit Wochen, die Stadt vollständig zu umzingeln - möglicherweise mit dem Ziel, die Regierung und mit ihr verbündete Kämpfer zu vertreiben. Tais ist nach Sanaa und Aden die drittgrößte Stadt des Landes und war im seit zehn Jahren laufenden Bürgerkrieg immer wieder umkämpft.
Anwohner haben Mühe, sich mit dem Nötigsten zu versorgen. «Wir haben uns auf eine anstrengende Suche nach einer Gasflasche oder sogar Mehl und Wasser begeben», sagte eine dreifache Mutter der Nachrichtenagentur dpa. «Wir leben dauerhaft in Angst und Sorge.» Viele Dinge seien wegen der verschärften Blockade auf den Märkten nicht mehr zu finden. Ein anderer Anwohner sagte, auch Diesel und Wasser für den häuslichen Gebrauch seien kaum noch zu finden.
Einige Händler sollen Güter horten und die Lage damit noch verschärfen. Manche Geschäfte verkaufen Trinkwasser nur noch in Literflaschen und legen beim Verkauf auch Höchstmengen pro Familie fest. Die Knappheit hat Preise für Lebensmittel und Treibstoff nach oben getrieben.
Wegen anhaltender Gefechte sind viele Gebiete auch für humanitäre Helfer nicht mehr befahrbar und Straßen gesperrt. Das Welternährungsprogramm (WFP) teilte mit, rund 800.000 Menschen im Land könnten deshalb nicht mehr versorgt werden, darunter 600.000 in Tais, die auf Hilfe angewiesen seien.
Tais liegt zwischen dem zentralen Hochland und der Westküste am Roten Meer und gilt auch als Zugangspunkt zur Hafenstadt Aden und damit dem politischen Zentrum des Südens. Die Huthi blockierten in Tais ab 2015 wichtige Straßen an Eingängen zur Stadt und hielten Anwohner an Kontrollpunkten davon ab, sie zu verlassen. Die faktische Belagerung dauerte Jahre. 2024 wurden die Straßen teils geöffnet, doch im Zuge der neuen Huthi-Offensive ist Tais wieder eingekesselt. Die Huthi-Miliz ist ein Verbündeter des Irans.
Er habe schwierige und schmerzhafte Tage erlebt, sagte ein Mann namens Abdullah al-Hadsch der dpa. Er habe seit Jahrzehnten in Tais gelebt, sei aber aus Angst vor einer Huthi-Übernahme mit seiner Familie nach Aden geflohen. Die Fahrt habe 17 Stunden gedauert. In Aden hätten sie trotz Geldsorgen in einem teuren Hotel schlafen müssen. Er hoffe, dass der Jemen zurückkehren könne zu einem Zustand von «Frieden und Harmonie».
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