Netzwelt

«BigBrotherAwards» an Großnutzer von US-Technik vergeben

Die Datenbrille von Meta und Ray-Ban ist umstritten, weil man mit ihr Videoaufnahmen erstellen kann. (Symbolbild) Christoph Dernbach/dpa

Der Verein Digitalcourage hat in diesem Jahr seine «BigBrotherAwards» vor allem an Großnutzer und Vertriebspartner von großen US-Tech-Konzernen vergeben. Mit dem Datenschutz-Negativpreis rügt die Bürgerrechtsorganisation Akteure aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, die aus ihrer Sicht besonders nachlässig oder bedenklich mit Daten und Privatsphäre umgehen. Zu den diesjährigen Preisträgern zählen die Optikerketten Fielmann und Apollo, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), die Evangelische Kirche sowie die Europäische Kommission. 

In der Kategorie Zivilgesellschaft zeichnete der Verein die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) aus. Die Initiatoren werfen dem Landeskirchenamt vor, Kirchengemeinden per IT-Gesetz zur Nutzung von Microsoft-Diensten wie Microsoft 365 zu verpflichten. Damit würden sensible Daten über das Engagement und die Seelsorge von Mitgliedern in die Cloud eines US-Konzerns verlagert, statt auf datenschutzkonforme Alternativen zu setzen, so die Kritik. 

In der Kategorie Technik rügte Digitalcourage die Optikerketten Fielmann und Apollo Optik für den Vertrieb von Smart Glasses wie den kamerabestückten Modellen von Meta. Aus Sicht der Datenschützer erleichterten solche Brillen heimliche Bild- und Tonaufnahmen im öffentlichen Raum und bedrohten die Privatsphäre von Passanten. Die Optiker und der US-Konzern Meta hatten die Vorwürfe bereits im Vorfeld zurückgewiesen. Die Datenbrille mache mit einem deutlich erkennbaren Lichtsignal darauf aufmerksam, wenn eine Videoaufnahme vorgenommen werde. 

In der Kategorie Behörden und Verwaltung ging der Negativpreis an Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Anlass ist die geplante Nutzung der Steuer-Identifikationsnummer als behördenübergreifendes Kennzeichen im Rahmen der Registermodernisierung. Nach Ansicht des Vereins droht damit die Entstehung umfassender Persönlichkeitsprofile über verschiedene Verwaltungsbereiche hinweg. 

Weitere Auszeichnungen gingen an die EU-Kommission für geplante Neuregelungen im Gesetzespaket «Digitaler Omnibus» sowie präventiv an die Deutsche Telekom wegen einer möglichen Verschmelzung mit der US-Tochter T-Mobile US. Dadurch würden Datenschutzstandards ausgehöhlt. Ein Firmensprecher erklärte, Spekulationen in den Medien zu einer «geplanten Fusion» begleiteten die Telekom zwar schon eine Weile. «Aber einen Preis, der auf solchen unbestätigten Gerüchten beruht, werden wir weder annehmen noch kommentieren.» 

Rena Tangens, Sprecherin von Digitalcourage, verteidigte die diesjährige Auswahl gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: «Einige Preisträger sind exemplarisch gewählt - wir wollen damit ein Thema für die Öffentlichkeit greifbar machen. In diesem Jahr vergeben wir auch präventive BigBrotherAwards, bei denen wir vor Entwicklungen warnen, bevor ein Schaden entstanden ist. Denn wir wollen nicht erst klagen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Mit den BigBrotherAwards wollen wir Bewusstsein wecken, Debatten anstoßen und etwas bewirken.» 

Die «Big Brother Awards» werden seit dem Jahr 2000 in Deutschland verliehen. Die Vorwürfe der Aktivisten stoßen bei den Betroffenen regelmäßig auf Widerspruch, da Unternehmen und Behörden betonen, die bestehenden Datenschutzgesetze strikt zu beachten.

© dpa-infocom, dpa:260925-930-745663/1

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