WOLFSCHLUGEN. Der Kammerchor Schola Cantorum feierte sein 40‑jähriges Jubiläum mit einem reichhaltigen Programm in der Nürtinger Kreuzkirche und brillierte mit Qualität und Einfallsreichtum.
Der Dirigent Herbert Kampmann versorgte jahrzehntelang den Chor mit ausgewogener und interessanter Chorliteratur alter und neuer Meister, doch diesmal durften sich die Sänger selbst ihre eigenen Chor-Highlights vergangener Zeiten aussuchen und so entstand ein Sammelsurium an Liedern, zunächst ohne Zusammenhang. Kampmann verstand es allerdings geschickt, diese ganze Liederflut zu ordnen und ihr einen thematischen Hintergrund zu geben. Er trug das Ganze als eigen gedichtete Ballade vor (der Deutschlehrer in ihm lässt grüßen), in der ein junger Bursche seine Geliebte verliert, an sich zweifelt und nach langer Irrfahrt wieder zu sich selbst findet. Genial, wie man 20 zusammengewürfelte Lieder so verbinden kann. Es war ein Spaß, seiner Reimkunst zu folgen.
Der Kammerchor gab sich gut vorbereitet und stimmlich versiert an all die unterschiedlichen Interpretationen. Es war eine Herausforderung, denn jedes Lied war stilistisch anders. Der Chor sprang vom 16. Jahrhundert mit dem madrigalesken „Landsknecht-Ständchen“, das fein und gut phrasiert vorgetragen wurde, im nächsten Lied schnell ins 20. Jahrhundert zu Peppings hochemotionaler Ballade II, die der Chor souverän mit all seinen Tempuswechseln und permanent variierender Dynamik auf den Punkt brachte. Herrlich auch anzuschauen, wie Kampmann nach 40-jähriger Tätigkeit sein Dirigat und die Interaktion mit dem Chor auf ein so hohes Niveau bringen konnte.
Erwähnenswert ist natürlich die pfiffige und rhythmisch schmissige Version des Filmtitels „Mission impossible“, die eng am Original im 5/4-Takt mit herrlich anzuschauenden Percussioneffekten komponiert wurde. Ein akustischer und visueller Höhepunkt im ersten Teil. Einen Ruhepunkt gab es vor der Pause mit drei geistlichen Liedern des zeitgenössischen Komponisten Karl Jenkins. Der Chor phrasierte die eingängigen Melodien richtig ab und intonierte sauber die teils chromatischen Mittelphasen der Werke.
Nach der Pause begab man sich inhaltlich in die Selbstfindungsphase des erdachten Jünglings und betrat das Gebiet der Pop- und Jazzmusik. Hier sang Kampmann einmal Solo, einmal jazzte er am Klavier oder dirigierte und animierte das Publikum zum Mitmachen. Herrlich dabei die Version des Liedes „Big Bad World“ des weltberühmten Ensembles Real Group. Der Chor zeigte bei diesem rhythmisch und harmonisch ausgereiften Werk seine Klasse und hatte sichtlich Spaß bei der Interpretation. Auch das „Hajanga“ des Multitalents Jacob Collier war ein chorischer und harmonischer Höhepunkt. Hier interpretierte der Kammerchor das Werk in wechselnden Metren (schön vom Chor ausgearbeitet) und unvermittelt harmonischen Rückungen, die der Kammerchor problemlos intonierte. Den Abschluss bildeten zwei Effektstücke, die gesungen und in herrlichen Choreografien vorgetanzt wurden. Am Ende großer Applaus.