Leserbriefe

Nutzung statt Rückbau

Heinz Vogel, Oberboihingen. Zum Artikel „Kommt ein Zug zwischen Flughafen und Ulm?“ vom 22. April.

Es ist erfreulich, dass sich Herr Gastel Gedanken über die Nutzung der vorhandenen Schieneninfrastruktur im Bereich S21–Wendlingen–Ulm macht. Bedauerlich ist jedoch, dass darunter das Erfolgsmodell „RE200 Wendlingen–Ulm“ leiden könnte, das bereits seit Längerem die im Text als „unnötig“ bezeichnete Güterzuganbindung nutzt – ebenso wie derzeit zahlreiche ICE-Verbindungen.

Zwar verkehren dort keine Güterzüge, doch diente diese Begründung ursprünglich als Kalkulationstrick, um die Anbindung überhaupt zu rechtfertigen. Offiziell wollte man nicht eingestehen, dass es sich im Kern um eine Ausweichstrecke handelt – für den Fall, dass auf den Fildern, im Fildertunnel oder am neuen Hauptbahnhof nicht alles wie geplant funktioniert. Genau dieser Fall ist nun eingetreten – und nun zeigt sich der Nutzen dieser Strecke.

Die Große Wendlinger Kurve wurde aus Kostengründen zunächst aus der Planung gestrichen und erst dank des Appells von Heiner Geißler im Rahmen der Schlichtung wieder aufgenommen. Es wirkt geradezu absurd, nur auf einer Seite eine Einfahrt in eine Autobahn für beide Fahrtrichtungen vorzusehen. Die Planer der 1990er-Jahre hatten zudem einen Turmbahnhof in Wendlingen am Knotenpunkt von Neubaustrecke und Neckar-Alb-Bahn vorgesehen – nicht ohne Grund. Damit wären zahlreiche Probleme gelöst worden: die S-Bahn-Anbindung, komfortable Umsteigemöglichkeiten und Verbindungen in alle vier Richtungen – selbst in der nun länger andauernden Phase provisorischer Lösungen.

Der Pfaffensteigtunnel wird gebaut, die Panoramabahn bleibt vorerst erhalten, und der Kopfbahnhof ist noch lange nicht Geschichte. Vielleicht heißt es am Ende doch wieder: „Thank you for travelling with Deutsche Bahn“. Dank gebührt jedenfalls Herrn Gastel, der sich erkennbar darum bemüht, bereits vorhandene Infrastruktur sinnvoll zu nutzen – bevor ungenutzte Tunnel zur Heimat von Fledermäusen werden und wir am Ende ein weiteres Kapitel wie bei der Hermann-Hesse-Bahn erleben.

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