Regine Erb, Ehrenamtliche Vizepräsidentin im Schwäbischen Albverein, Neuffen. Zum Artikel „Steinmeier greift zum Lappen bei Alb-Besuch“ vom 22. Mai.
Der erste deutschlandweite Ehrentag zum Geburtstag unseres Grundgesetzes sollte zeigen, was Demokratie im Alltag bedeutet: Menschen, die sich freiwillig engagieren, Verantwortung übernehmen und unsere Gesellschaft zusammenhalten.
Genau dafür war auch der Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Biosphärengebiet Schwäbische Alb gedacht. Ehrenamtliche sollten von ihrem Engagement erzählen – authentisch, nahbar und aus eigener Erfahrung.
Umso mehr hat mich irritiert, dass bei vielen Stationen nicht die Ehrenamtlichen, sondern Amtsträger im Mittelpunkt standen. Bürgermeister ergriffen das Wort, ein offener Brief bestimmte die Berichterstattung, und auch an anderen Stationen waren Bürgermeister, Landrat und weitere Vertreter der Verwaltung besonders präsent – vor Ort wie später in den Medien.
Besonders nachdenklich machte mich die Titelseite des Neuffener Anzeigers. Zu sehen waren zwei Bürgermeister, ein Landrat und ein Regierungspräsident. Doch wo waren die Menschen, denen dieser Tag eigentlich gewidmet war?
Natürlich gehören Politik und Verwaltung zu solchen Besuchen dazu. Niemand stellt das infrage. Aber ein Ehrentag für das Ehrenamt wäre auch eine Gelegenheit gewesen, bewusst Raum zu schaffen für diejenigen, die ihre Zeit, ihre Ideen und ihre Energie unentgeltlich für andere einsetzen.
Die Menschen, die Vereine tragen, Naturschutz leben, Veranstaltungen organisieren, Senioren begleiten oder soziale Verantwortung übernehmen, brauchen vor allem eines: Sichtbarkeit und Wertschätzung.
Demokratie lebt nicht davon, dass immer dieselben sprechen. Demokratie lebt davon, dass Bürgerinnen und Bürger gehört werden.
Vielleicht wäre genau das die wichtigste Botschaft dieses Ehrentags gewesen.
Leserbriefe | 12.06.2026 - 05:00
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Leserbriefe | 12.06.2026 - 05:00
Bürokratie bremst Bürger aus
Sven Rahlfs, Frickenhausen. Zum Artikel „Bürokratie bremst den Neuffener Freibad-Förderverein“ vom 30. Mai.
Mit großem Unmut habe ich den Bericht über die bürokratischen Blockaden beim Förderverein Höhenfreibad Neuffen gelesen. Als langjährig im ...