Uwe Jirikovsky, Aichtal-Neuenhaus. Zum Artikel „Hangbewegung in Aichtal: Mühlgässle wird gesperrt“ vom 18. Juli.
Als ich den Artikel zum Mühlgässle in der NTZ beim Frühstück las, konnte ich nur den Kopf schütteln. Bei dem Satz „Ob die Straße in der Vergangenheit nach heutigen Standards ausgebaut wurde, lässt sich laut Verwaltung anhand vorhandener Unterlagen nicht eindeutig sagen“, musste ich unwillkürlich schmunzeln. Nach heutigen Standards? Dazu hätten die Verantwortlichen von damals hellsehen müssen.
Doch diese Formulierung lenkt vom eigentlichen Problem ab. Das Mühlgässle ist kein Einzelfall. Hallenbad, Campus Weiherbach, Straßen – überall diskutieren wir über Folgen, selten über Ursachen. Infrastruktur verschleißt nicht über Nacht. Risse entstehen nicht plötzlich. Der Zustand von Straßen, Gebäuden und technischen Anlagen entwickelt sich über Jahre, oft über Jahrzehnte. Deshalb frage ich mich inzwischen: Verfügt Aichtal überhaupt über ein systematisches Infrastruktur- und Asset-Management? Werden Zustände regelmäßig erfasst, Alterungsprozesse bewertet, Sanierungen langfristig geplant und finanziell vorbereitet? Oder reagieren wir erst, wenn aus kleinen Schäden millionenschwere Projekte geworden sind?
Genau darin sehe ich die eigentliche Aufgabe von Stadtbaumeister und Stadtkämmerer. Nicht nur verwalten, sondern vorsorgen. Nicht nur Haushalte aufstellen, sondern die langfristige Handlungsfähigkeit der Stadt sichern. Das Mühlgässle ist deshalb weit mehr als eine sanierungsbedürftige Straße. Es ist ein Anlass, über die Frage nachzudenken, wie Aichtal seine Infrastruktur künftig erhalten will. Denn gute Infrastruktur entsteht nicht erst, wenn der Bagger kommt – sondern lange vorher.
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