Leserbriefe

Mehr Respekt gefordert

Gerhard Haller, Nürtingen.

Mit großem Befremden beobachte ich in jüngster Zeit die Debatten zwischen den Generationen. Es entsteht vermehrt der Eindruck, dass viele Vertreter der sogenannten Generation Z mit einer beunruhigenden Arroganz auf die älteren Generationen herabblicken – auf eine Generation, die Deutschland unter harten Bedingungen aufgebaut und zu wirtschaftlichem Wohlstand geführt hat. Während die ältere Generation mit einer 40-Stunden-Woche, Überstunden und persönlichem Verzicht das Fundament unseres Wohlstands goss, dominieren heute ganz andere Prioritäten.

Kaum von der Universität oder aus der Ausbildung entlassen, fordern viele Vertreter der Gen Z bereits eine Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich, Homeoffice-Garantien und eine strikte Work-Life-Balance. Es ist völlig legitim, Arbeitswelten zu hinterfragen. Unglaubwürdig wird es jedoch, wenn maximale Ansprüche an einen Wohlstand gestellt werden, zu dem man selbst noch kaum einen eigenen Beitrag geleistet hat. Besonders bitter stößt dabei auf, wie in den sozialen Medien mit der Lebensleistung der Älteren umgegangen wird. Unter Hashtags wie „#OkBoomer“ oder in viralen TikTok-Videos werden die Großeltern- und Elterngenerationen pauschal als rückschrittlich verhöhnt. Die Erarbeitung unseres Wohlstands wird dort oft auf vermeintliches Glück oder günstige Umstände reduziert, während der tatsächliche Fleiß und der Verzicht der Aufbaugenerationen schlicht ausgeblendet werden.

Ein Generationenvertrag funktioniert jedoch nicht als Einbahnstraße. Die Jugend darf zu Recht eine sichere Zukunft einfordern – sie muss aber auch den Respekt und die Anerkennung für diejenigen aufbringen, die diese Zukunft überhaupt erst finanziell und strukturell ermöglicht haben. Wohlstand ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis harter Arbeit. Das sollte sich die Gen Z wieder öfter vor Augen führen.

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