Leserbriefe

Mal angenommen, es brennt

Christoph Röcker, Nürtingen. Zur Sitzung des Gemeinderats am 06.10.2026

Interessant war das, was vermutlich nicht so im Protokoll stehen wird: Die verstörend vagen Ausflüchte der Stadtverwaltung bei den von Stadtrat Färber gestellten Fragen zu Verzögerungen bei der Beschaffung eines Anhängers für die Feuerwehr und der Reparatur der Rettungssäge. Denn irgendwie scheint Anfang Oktober kein Geld mehr für die geplante Ausrüstung der Feuerwehr da zu sein. Und bei 500 Euro für die Reparatur defekter Ausrüstung klemmt es auch irgendwo. Damit ist natürlich nicht behauptet, dass irgendwer irgendwen anweisen würde, irgendwas lieber nicht so genau niederzuschreiben. Das ist gar nicht nötig. Aus der Organisationssoziologie wissen wir, dass es in jeder Organisationskultur informelle Erwartungsstrukturen gibt, und jeder weiß, dass man sich unbeliebt machen kann, wenn man festhält, worüber andere nicht so gerne reden. Ist die Idee von Gemeinschaft nicht die, dass Menschen zusammen bewältigen, was alleine nicht zu bewältigen ist? Eigentlich muss jedem klar sein, dass es nichts gibt, was diese Idee so unmittelbar verkörpert, wie die Freiwillige Feuerwehr einer Gemeinde. Und niemand will im Ernstfall darauf warten, bis irgendwann Ersatz für defektes Rettungsgerät aus Wendlingen herbeigeschafft ist. Da verwundert es schon, wenn der Oberbürgermeister bei der Suche nach Antworten die Frage aufwirft, ob bei der im Ausbildungsbetrieb beschädigten Rettungssäge vielleicht ein Haftpflichtfall vorliegen könnte. Das muss unser Interesse wecken. Weil das, was heute als Verwaltungsposse erscheinen mag, bereits morgen zum entscheidenden Kausalfaktor für den Eintritt katastrophaler Ereignisse werden kann, die dann danach zu beurteilen sind, ob deren Eintritt durch erwartbares Verwaltungshandeln hätte verhindert werden können. Im Gegensatz zu Fehlgriffen bei der Ausbildung von Feuer-wehrleuten geht es dann wirklich um Haftungsfragen. So bleibt nur zu hoffen, dass die Freiwilligen der Nürtinger Feuerwehr noch genügend Enthusiasmus haben, um solche ernüchternden Ausflüchte auszuhalten.

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