Leserbriefe

Kritik an Hermann

Friedhelm Horn, Rotenburg. Zum Artikel „Mehr Demokratie statt Abschreckung“ vom 17. Oktober.

Der Bericht gibt die Positionen von Herrn Hermann sachlich korrekt wieder, unterschlägt aber völlig die nachfolgende Diskussion, in der diese Positionen, unter anderem von mir, heftig kritisiert wurden. Hermann`s Ausführungen bestanden aus friedenspolitischen Allgemeinplätzen, die jeder vernünftige Mensch nur unterschreiben kann, enthielten aber nicht einmal im Ansatz konkrete Vorschläge für eine andere Politik bezüglich der Krisen dieser Welt und speziell des Ukraine-Krieges. Sein Votum für die Beendigung der deutschen Waffenhilfe für die Ukraine aber ist keine Friedenspolitik, sondern Appeasement-Politik, die den Aggressor belohnt und schon einmal in die Katastrophe geführt hat.

Auch wenn Herr Hermann in Putin den Verantwortlichen für diesen Krieg sah, in seinen historischen Ausführungen machte er die Nato letztendlich für diesen Krieg verantwortlich. Er wiederholte das Märchen, dass Gorbatschow 1990 versprochen wurde, die Nato nicht nach Osten auszuweiten. Eine solche Zusage gab es nicht, konnte es gar nicht geben, da zu diesem Zeitpunkt die osteuropäischen Staaten entweder noch Mitglieder des Warschauer Paktes, Gegenbündnis der Nato, waren oder sogar noch Teil des sowjetischen Staates (zum Beispiel die baltischen Staaten).

Der Warschauer Pakt wurde am 1. Juli 1991, die Sowjetunion am 26. Dezember 1991 aufgelöst. Herr Hermann verschwieg auch, dass die Nato mit Russland am 27. Mai 1997 die Nato-Russland-Akte abgeschlossen hatte, mit dem Ziel, den Frieden in Europa dauerhaft zu sichern. In den Jahren 1999/2000 vollzog sich dann die Nato-Ostererweiterung, die sogar Überlegungen enthielt, Russland zum Partner der Nato zu machen. Den Überfall Russlands auf die Ukraine mit der Nato-Osterweiterung vor 22 Jahren zu erklären, ist Geschichtsfälschung und pure russische Propaganda. „Wer den Frieden will, muss den Frieden vorbereiten“ – diese Forderung blieb an diesem Abend nebulös und nichtssagend. Hinweise auf die Ostpolitik Willy Brandts und die deutsch-französische Freundschaft waren historisch gesehen, deplatziert.

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