Leserbriefe

Kanzler zeigt immer wieder Schwächen

Maike Pfuderer, Stuttgart. Zum Leserbrief „Kanzlerschaft muss halten“ vom 17. Oktober.

Der Leserbrief zeigt bereits zu Beginn die ewig gestrige Welt des Schreibers. Gewählt wurde in drei Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland. Die einstige DDR hatte nach 1952 keine föderale Länderstruktur mehr und kannte weder freie Wahlen noch Demokratie. Bei Demokratie und Geschichtskenntnis scheint auch der Leserbriefschreiber eklatante Lücken zu haben. Ich habe keineswegs den Anspruch, hier zu dozieren. Aber es kann nicht alles stehen bleiben, was der Schreiber für die schlichte Wahrheit hält. Vieles ist schlicht, aber nicht zwingend wahr. Dass die Kanzlerschaft eines Mannes halten muss, der täglich unter Beweis stellt, dass er vielleicht manches kann, auch einen Privatjet fliegen, aber eben nicht regieren, ist keineswegs ausgemacht. Die CDU ging einst andere Wege, vertraute Frau Merkel und nicht dem Ehrgeizling aus dem Sauerland. Die von Hiemer behauptete FDJ-Kaderfunktion der einstigen Kanzlerin ist übrigens nicht belegt. Ihre FDJ-Mitgliedschaft dagegen schon. Der Kanzler zeigt immer wieder Schwächen im Umgang mit dem Grundgesetz. Erschreckend für einen Juristen. Über tarifliche Arbeitszeiten und Entgelte verhandeln die Tarifpartner, deren Autonomie das Grundgesetz schützt. Eine Stunde unbezahlte Mehrarbeit, also 36 statt 35 Stunden, entspricht übrigens einer Senkung des Stundenlohns um 2,78 Prozent. Darüber entscheidet weder ein Kanzler allein noch ein Mann aus der schwäbischen Provinz an seinem Lebensabend. Es gäbe noch viel zu sagen. Ich belasse es bei diesem Schluss: Demokratie muss einiges aushalten, aber nicht alles dulden. Geschichtsklitterung, sei sie Unwissen oder blanker Polemik geschuldet, verdient Widerspruch – ebenso wie die Vorstellung einer rechtsextremen Partei an den Hebeln der Macht oder die Behauptung, ein Kanzler, dessen Fähigkeiten kaum auszuhalten sind, sei unverzichtbar.

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