Leserbriefe

Ein dreister Vorschlag

Klaus Weiss, Nürtingen. Zum Artikel „Pflichtjahr für Rentner? Idee stößt auf Kritik“ vom 23. August.

Es erstaunt mich immer wieder, mit welcher Dreistigkeit sogenannte politische oder wirtschaftliche Experten Forderungen stellen. Aber Marcel Fratzscher‘s Vorschlag nach einem sozialen Jahr für Rentner schlägt dem Fass den Boden raus. Ich gehe im September nach mehr als 48 Jahren in den Ruhestand. Wenn Herr Fratzscher genauso lang arbeiten müsste, ist es fraglich, ob er mit 73 Jahren noch sein Jahr im Altenheim leisten möchte. Wenn in Deutschland endlich gerechterweise eine Lebensarbeitszeit, die derzeit im Schnitt unter 41 Jahren liegt, eingeführt würde, wäre es durchaus möglich, noch ein Sozialjahr zu leisten. Da aber solche Entscheidungen von Politikern, meist mit akademischen Hintergrund, getroffen werden, ist dies nahezu unmöglich. Darum lieber einen 70-jährigen Rentner verpflichten, als einem 19-jährigen Abiturienten seine mittlerweile zwei Jahre Australienurlaub zu streichen.

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