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Kirchheimer Chefarzt berichtet über Fortschritte bei Migräne-Therapie

Migräne zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen – und zugleich zu den meist unterschätzten. Für Betroffene bedeutet sie weit mehr als gelegentliche Kopfschmerzen: Die Attacken können Stunden bis mehrere Tage anhalten und gehen häufig mit Übelkeit, Erbrechen sowie einer starken Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen oder Gerüchen einher. Viele Patientinnen und Patienten sind während einer Attacke kaum arbeits- oder alltagsfähig.

KIRCHHEIM. „Migräne ist keine Befindlichkeitsstörung, sondern eine ernst zu nehmende Erkrankung des Gehirns“, sagt Dr. Uwe Mauz, Chefarzt der Klinik für Neurologie an der medius KLINIK KIRCHHEIM. Ursache sind komplexe Veränderungen in der Reizverarbeitung und Schmerzsteuerung des Nervensystems. Dadurch entstehen die typischen, oft wiederkehrenden Schmerzattacken.

Typisch ist ein pulsierender, meist einseitiger Kopfschmerz. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen tritt zusätzlich eine sogenannte Aura auf – etwa in Form von Sehstörungen, Flimmern vor den Augen, Sprachproblemen oder Kribbelgefühlen in Armen und Beinen. Auslöser können individuell sehr unterschiedlich sein: Stress, Schlafmangel, hormonelle Schwankungen, Wetterveränderungen, unregelmäßige Mahlzeiten oder bestimmte Nahrungsmittel zählen zu den häufigsten Triggern.

Moderne Therapien eröffnen neue Möglichkeiten

Während Migräne lange Zeit vor allem mit klassischen Schmerzmitteln oder sogenannten Triptanen behandelt wurde, hat sich die Therapie in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Neue Medikamente greifen gezielt in die biologischen Mechanismen der Erkrankung ein. Besonders bedeutsam sind sogenannte CGRP-Antikörper. Sie können die Zahl der Migränetage pro Monat spürbar senken und Attacken oft deutlich abschwächen.

„Wir erleben derzeit einen echten Wandel in der Migränetherapie“, erklärt Dr. Uwe Mauz. „Diese modernen Behandlungsansätze ermöglichen es uns, vielen Patientinnen und Patienten deutlich besser zu helfen als noch vor wenigen Jahren.“

Neben diesen Antikörpertherapien stehen inzwischen auch moderne Medikamente in Tablettenform zur Verfügung, sogenannte Gepante. Sie blockieren gezielt den Botenstoff CGRP, der an der Entstehung von Migräne beteiligt ist.

Gepante können sowohl zur Behandlung akuter Attacken als auch zur Vorbeugung eingesetzt werden und bieten insbesondere dann neue Chancen, wenn bisherige Therapien nicht ausreichend geholfen haben oder nicht vertragen wurden. Studien zeigen, dass sie Migräneattacken wirksam lindern und dabei oft gut verträglich sind.

Auch nichtmedikamentöse Verfahren gewinnen an Bedeutung. Dazu gehören beispielsweise spezielle Neuromodulationsverfahren, bei denen bestimmte Nerven elektrisch oder magnetisch stimuliert werden.

Zudem werden sogenannte „Migräne-Brillen“ mit speziellen Filtergläsern untersucht, die die Lichtempfindlichkeit vieler Betroffener reduzieren sollen. Erste Studien zeigen hier vielversprechende Ergebnisse, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit ausgeprägter Photophobie. Allerdings handelt es sich bislang nicht um eine reguläre Kassenleistung.

Individuelle Behandlung bleibt entscheidend

Welche Therapie sinnvoll ist, hängt immer vom individuellen Verlauf ab. Unterschieden wird unter anderem zwischen episodischer Migräne und chronischer Migräne. Von einer chronischen Form spricht man, wenn an mindestens 15 Tagen pro Monat Kopfschmerzen bestehen.

Neben Medikamenten spielen Lebensstilfaktoren weiterhin eine wichtige Rolle. Regelmäßiger Schlaf, ausreichend Bewegung, feste Mahlzeiten, Stressreduktion und ein strukturierter Tagesablauf können helfen, Attacken zu reduzieren. Auch Entspannungsverfahren, Ausdauersport oder Verhaltenstherapie können sinnvoll sein.

Hilfreich ist zudem ein Kopfschmerztagebuch. Es unterstützt dabei, persönliche Auslöser zu erkennen, die Häufigkeit der Beschwerden zu dokumentieren und die Therapie besser anzupassen.

Frühzeitig abklären lassen

Trotz aller Fortschritte bleibt Migräne für viele Menschen eine unsichtbare Belastung – im Beruf ebenso wie im Privatleben. Hinzu kommt, dass Betroffene ihre Beschwerden häufig über Jahre bagatellisieren oder ausschließlich mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln behandeln. Werden diese zu häufig eingenommen, können zusätzliche Kopfschmerzen entstehen.

„Wer wiederkehrende starke Kopfschmerzen hat, sollte das hausärztlich oder neurologisch abklären lassen“, rät Dr. Uwe Mauz. „Je früher wir behandeln, desto besser sind die Chancen, die Migräne langfristig in den Griff zu bekommen.“

Die therapeutischen Möglichkeiten haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. Für viele Betroffene gibt es heute wirksamere und individuellere Hilfe als je zuvor.

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