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Wollte ein 24-Jähriger eine Frau in Nürtingen umbringen und zerstückeln?

Vor dem Stuttgarter Landgericht muss sich ein Mann unter anderem wegen Vergewaltigung und versuchten Mordes verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht von einem unfassbar brutalen Tathergang aus.

Im August 2023 durchsuchte die Polizei das Fahrzeug des Verdächtigen auf dem Festgelände in Oberensingen. Foto: NZ-Archiv

STUTTGART/NÜRTINGEN. Unscheinbar, fast schüchtern, wirkt der Angeklagte mit der Brille und dem ordentlichen Kragen, der unter seinem Pullover herausschaut. Einen großen Notizblock hält er in seinen Händen, die mit Handschellen fixiert werden. Den vielen Menschen, die in den Zuschauerreihen des Gerichtssaals Platz genommen haben, schenkt er keine Beachtung. Kaum zu glauben, dass dieser Mann eine Frau vergewaltigt, fast getötet und anschließend geplant haben soll, ihre Leiche zu zersägen. Doch genau das wirft die Staatsanwaltschaft dem gebürtigen Göppinger vor.

Großeinsatz der Polizei in Oberensingen

Der Fall hatte im vergangenen August für viel Aufsehen gesorgt. Mit einem Großaufgebot hatte die Polizei nach dem Tatverdächtigen gesucht, nachdem eine Frau mit schweren Stichverletzungen in einer Wohngegend am Lerchenberg aufgefunden worden war. Nur wenige Stunden nach der Tat konnte der Verdächtige in Zizishausen festgenommen werden. Sein Auto wurde auf dem Festplatz in Oberensingen sichergestellt.

Das Opfer ist laut Anklageschrift die frühere beste Freundin der Ehefrau des Beschuldigten. Zweimal sei der Mann gegenüber der 26-Jährigen sexuell übergriffig geworden, dann habe sie sich ihrer besten Freundin anvertraut. Deren Ehemann habe die Vorwürfe bestritten, seine Frau habe ihm geglaubt und die Freundschaft zu der 26-Jährigen beendet.

Doch der Beschuldigte habe die Sache nicht auf sich sitzen lassen wollen und sei unangekündigt bei der 26-Jährigen in Nürtingen aufgetaucht, um sie dazu zu bringen, die Anschuldigungen zurückzunehmen. Als diese das nicht wollte, sei er in der Nacht zum 15. August 2023 in die Wohnung der Frau eingedrungen. In ihrem Schlafzimmer habe er die schlafende Frau angegriffen. Die Frau habe sich stark gewehrt, doch schließlich aufgegeben. „Gibst du jetzt Ruhe?“, soll der Angeklagte sie gefragt haben. Anschließend habe er ein Messer aus der Küche geholt und der Frau gedroht, sie, ihre Geschwister und die anderen Hausbewohner umzubringen. Dann habe er die Frau gefesselt und vergewaltigt. Auch habe er sie ausrauben wollen, doch als er weder Geldbeutel noch Sparschwein finden konnte, sei er wütend geworden und habe sein Opfer mit beiden Händen gewürgt. Anschließend sei er aus der Wohnung verschwunden, um sein Auto zu holen.

Hammer und Säge im Auto gefunden

Die Frau habe er danach ins Auto gebracht. Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass der Mann sie wegbringen wollte, um sie zu töten und ihre Leiche anschließend zu zersägen. Darauf ließen Utensilien wie Hammer, Müllbeutel und Säge schließen, die im Auto gefunden wurden.

Als die Frau versucht habe, aus dem Auto zu entkommen, habe ihr Peiniger sie eingefangen, auf die Rückbank gedrückt und zu ihr gesagt: „Jetzt stirbst du.“ Mit dem Messer habe er die linke Seite ihres Halses zunächst verfehlt, an der rechten Seite habe er ihr jedoch eine 13,5 Zentimeter lange und einen Zentimeter tiefe Schnittwunde zugefügt. Trotz ihrer schweren Verletzungen habe sich die Frau aus dem Auto befreien können und sei in Richtung ihrer Wohnung gelaufen. Dort habe sie ein Passant gegen 3 Uhr morgens schwer verletzt aufgefunden. Die Frau habe nur dank einer Notoperation überlebt.

Der Täter sei Richtung Oberensingen geflohen. Dort habe er sein Auto auf dem Festplatz abgestellt, um anschließend zu Fuß zu fliehen. Laut Polizeibericht konnte der Verdächtige mithilfe eines Polizeihubschraubers ausfindig gemacht werden.

Während der Verlesung des mutmaßlichen Tathergangs blickte der Angeklagte die Staatsanwältin unentwegt an, verzog aber keine Miene. Anders als die Menschen in den Besucherreihen, die die Brutalität der Tat sichtbar mitnahm. Nach der Anklageverlesung war der erste Prozesstag bereits beendet. Erste Zeugen sollen in zwei Wochen gehört werden.

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