Nürtingen
Wer vermietet Airbnb-Appartments in Nürtingen?
Die Vermietung von Wohnungen als Ferienunterkünfte ist mancherorts ein Politikum. In Nürtingen sind die Zimmer und Appartements eine Ergänzung des touristischen Angebotes. Wer vermietet Zimmer und wer sind die Gäste?
NÜRTINGEN. Das Geschäftsmodell Airbnb ist weltweit beliebt. Egal wo, ein Airbnb findet sich überall. Manche vermieten die eigene Wohnung weiter, wenn sie selbst auf Reisen sind, für andere ist es Zuverdienst oder Lebensunterhalt, Wohnungen an Reisende zu vermieten. Das hat auch Schattenseiten. Wenn Wohnungen bei Airbnb eingestellt werden, stehen sie dem Mietmarkt nicht mehr zur Verfügung. In manchen Städten wurde deshalb ein Zweckentfremdungsverbot erlassen, mit durchwachsenem Erfolg.
Erst am Montag kippte die Stadt Esslingen das Zweckentfremdungsverbot, was vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und vom Mieterbund scharf kritisiert wurde. Im Kreis Esslingen werden etwa 300 Wohnungen auf Airbnb angeboten. Die touristisch attraktive Innenstadt von Esslingen bildet dabei einen Schwerpunkt. Nach Auffassung des DGB ist das Zweckentfremdungsverbot ein wichtiges Instrument, um die Wohnungen wieder dem Mietmarkt zuzuführen. Die Esslinger Stadtverwaltung führt an, sie habe das Verbot nie angewandt und wolle es deshalb abschaffen.
Zusätzliche Übernachtungsangebote machen die Stadt attraktiver
In Nürtingen werden etwa 30 Appartements auf Airbnb angeboten. Im Jahr 2023 debattierte der Gemeinderat über ein Zweckentfremdungsverbot, bei dem es um Leerstände und Ferienwohnungen ging. Damals waren laut einem Bericht unserer Zeitung etwa zehn Ferienwohnungen gelistet. Zu dem Zweckentfremdungsverbot kam es nie, es wurde zum letzten Mal im Mai 2025 abgelehnt. Die Pressestelle der Stadt schreibt auf Anfrage, dass es grundsätzlich positiv zu beurteilen sei, wenn zusätzliche Übernachtungsangebote die touristische Attraktivität der Stadt stärken und unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. „Nach aktueller Einschätzung stellt die Umwandlung von Wohnraum in Ferienunterkünfte in Nürtingen derzeit noch kein strukturelles Problem dar“, so Pressesprecher Clint Metzger. Aufwand und Ergebnis eines Zweckentfremdungsverbotes seien geprüft worden und würden in keinem Verhältnis zueinander stehen. Besonders die Prüfungen seien sehr aufwendig. Vielmehr setzt die Stadt auf Projekte wie „Tür-Öffner“, um leer stehende Wohnungen zu aktivieren.
Eine Konkurrenz zu den Hotels seien die Ferienwohnungen nicht, da es um unterschiedliche Bedürfnisse unterschiedlicher Zielgruppen gehe. Einige der Airbnb-Vermieter haben auch Hotelzimmer im Angebot.
Die Airbnb-Landschaft in Nürtingen ist vielfältig
Wie sieht das Angebot in Nürtingen aus, wer sind die Vermieter und was sind ihre Beweggründe? Wer mietet die Wohnungen und wie hoch ist der Aufwand? Wir haben zehn Airbnb-Anbieter angeschrieben und ganz unterschiedliche Antworten erhalten.
Annette Ruckdeschel kam 2016 auf die Idee, Zimmer auf Airbnb anzubieten, als eine Freundin aus Freiburg ein Kinderzimmer vermietete. Sie stellte selbst ein Kinderzimmer auf das Portal, um einen Internatsaufenthalt zu refinanzieren. Inzwischen sind es drei Zimmer geworden, deren Vermietung sich lohne. Sie sind so angeordnet, dass die Privatsphäre gewahrt bleibt, so die Vermieterin. Die Anmeldung auf Airbnb sei sehr einfach, man werde vom Programm hindurchgeführt. Die Gäste seien oft Menschen, die berufsbegleitend einen Master-Studiengang an der Nürtinger Hochschule besuchen, Kunsttherapeuten, die gerade ihre Zulassungsprüfung absolvieren, Berufsschüler, Dozenten oder Leute, die in Nürtingen Verwandte besuchen.
Nora Dörfler und Krist Domgjoni sind gewerbliche Anbieter, die ihre drei Appartements und drei Zimmer in der Nürtinger Altstadt nicht nur auf Airbnb, sondern auch auf anderen Portalen anbieten. Bevor sie ihre Altstadt-Pension im August 2024 eröffneten, sei das Haus einmal kernsaniert worden. Die Gäste können selbst einchecken mithilfe einer codierten Schlüsselbox. „Wir haben überwiegend gute Erfahrungen gemacht“, sagt Nora Dörfler, die die Vermietungen verwaltet. Manchmal hält sich ein Gast nicht ans Rauchverbot und einmal gab es eine schlechte Bewertung, weil die Gastgeber die Glocken der Stadtkirche nicht abstellen konnten.
Beschwerde wegen der Glocken der Stadtkirche
Um die Sauberkeit kümmert sich eine Mitarbeiterin, wenn die Gäste wechseln, die meisten bleiben mehrere Tage bis zu einem Monat. Viele sind Radtouristen, andere sind auf Geschäftsreise, wollen auf die Messe oder besuchen Verwandte. „Wir haben schon Stammgäste, die aus Norddeutschland kommen und hier ihre Kinder besuchen.“
Dörfler und Domgjoni betreiben auch die Kristallbar, wodurch sich Synergieeffekte ergeben. Bei Veranstaltungen im Lokal kann man gleich eine Übernachtungsmöglichkeit anbieten und die Übernachtungsgäste kommen auf ein Getränk in die Bar.
Dagmar Prassel vermietet seit einem Jahr eine kleine Wohnung in der Heller-Villa. Für sie ist entscheidend, dass sie schnell Zugriff auf die Räume hat, falls eine Pflegeperson für einen Angehörigen gebraucht wird. Sie lebt selbst in dem Haus und findet es wichtig, sich die Gäste aussuchen zu können. Prassel betreibt auch noch ein Hotel, womit es nahe lag, Gäste zu beherbergen. Manche Airbnb-Vermieter hätten Angst vor Dauermietern, die die Wohnung kaputtwohnen. So komme man alle paar Tage hinein und könne sich vom Zustand überzeugen. Mit Airbnb fühlt sie sich sicher. Man könne jemanden, der sich nicht benimmt, sogar weltweit sperren. „Ich schaue mir die Bewertungen an, da geht man als Gastgeber kein großes Risiko ein.“ Die meisten Mieter hätten einen geschäftlichen Hintergrund. Die Nachfrage sei derzeit nicht so groß: „Wenn die Wirtschaft nicht läuft, leidet auch die Hotellerie“, so Prassel.
Gastgeber wollen Zugriff auf die Wohnung behalten
Ein anderer Gastgeber vermietet eine Altbauwohnung, der er den Namen „Wolke zehn“ gegeben hat. Auch er gibt an, dass ihm wichtig ist, den Zugriff auf die Wohnung nicht zu verlieren, um sie den erwachsenen Kindern oder anderen Besuchern überlassen zu können. Seit 30 Jahren sei die Wohnung nicht regulär vermietet gewesen, sondern nur Familienangehörigen überlassen worden. Der anfängliche Aufwand mit Einrichtung, Anleitungen, der Anmeldung bei Airbnb und die Erstellung einer kleinen Homepage sei nicht unerheblich gewesen, danach überschaubar. „Ich würde sagen – soweit ich das beurteilen kann – machen die meisten Gäste Urlaub oder sind privat unterwegs auf Familienbesuch, oder sie benötigen eine Ausweichunterkunft wegen eines Wasserschadens zu Hause, einer Verzögerung der Baufertigstellung oder Renovierung“, schreibt er.
Dieter Vetter schreibt: „Airbnb ist ein Portal, das für diese Wohnung interessant ist.“ Das Angebot sei derzeit groß, weshalb eine Vermietung nicht einfach sei. Vorher sei die Wohnung selbst genutzt worden. Die Größe der Wohnung lasse nur Zeiträume von mehr als drei Tagen zu, da eine Reinigung drei Stunden benötige. Die Gäste würden teilweise wegen der Arbeit, teilweise aus Urlaubsgründen kommen. Der Aufwand, die Wohnung vermietungsfertig zu machen, sei am Anfang schon recht groß gewesen. Außerdem müsse immer eine Ansprechperson verfügbar sein, falls etwas nicht funktioniert.