Frickenhausen
Landesmeisterschaft in Frickenhausen: Mini-Seifenkisten rasen um den Titel
In den USA ist das Pinewood Derby ein Renner. Auch hierzulande gibt es Fans zum Beispiel an der Gemeinschaftsschule in Frickenhausen. Am Sonntag wurde die Aula der Schule zur Rennbahn.
FRICKENHAUSEN. Die Ampel springt auf Grün. Und schon schießen die beiden Mini-Fahrzeuge am Sonntagnachmittag quer durch die Aula der Gemeinschaftsschule (GMS) in Frickenhausen. Dort hat der Seifenkistenverband Baden-Württemberg seine Rennbahn aufgebaut. 30 Starter sind gemeldet bei der ersten Landesmeisterschaft der Mini-Seifenkisten und lassen ihre Holzautos über die Piste sausen. „Das war eigentlich als Beschäftigung für die Wintermonate gedacht“, sagt Tobias Werner, Vorsitzender des Seifenkistenverbands.
In Amerika ein Dauerbrenner
In den USA erfreut sich das sogenannte Pinewood Derby seit dem Jahr 1953 großer Beliebtheit. Mehr als 53 Millionen Fahrzeuge sind seitdem in Amerika über diverse Rennstrecken gesaust. Da besteht natürlich hierzulande noch Nachholbedarf. Lehrer Francesco Mandracchia war sofort fasziniert von dieser Art von Rennen. Einige Schülerinnen und Schüler waren sofort dabei und haben in der GMS-Werkstatt an ihren Boliden gefeilt, bis sie eine möglichst aerodynamische Form hatten. Mitmachen kann jeder. Ein typischer Bausatz besteht aus einem Kiefernholzblock, vier Rädern und vier Achsen.
Autos dürfen nur 142 Gramm schwer sein
Schon traditionell veranstaltet die GMS ihr Seifenkistenrennen im September. Der Kontakt zum Verband ist eng und so wurde man dann auch Austragungsort der ersten Landesmeisterschaft der Mini-Seifenkisten. Auch Uwe Wenk, Sozialarbeiter an der Paulinenpflege in Winnenden (Rems-Murr-Kreis), ist gekommen. Er hat selbst mit angehenden Schreinern eine solche Rennbahn gebaut und ist damit immer wieder zu Gast an Schulen oder auch bei Festen im Rems-Murr-Kreis. „Das ist wie eine Explosion, wenn die Wägelchen über die Bahn sausen“, sagt er lachend. In Amerika verwende man sogar Kartuschen aus Sahnesprühdosen, um das Auto noch schneller zu machen. „Da braucht man dann eine Zeitlupe“, sagt Wenk.
Die Holzautos, die an diesem Tag an den Start gehen, sehen ganz unterschiedlich aus. Auch Marco und Jonathan sind dabei, mit einem roten und einem blauen Flitzer. Die Zusatzgewichte sind bei den beiden Holzfahrzeugen ganz unterschiedlich angeordnet. „Jedes Fahrzeug darf nur 142 Gramm schwer sein“, sagt Marco. Deswegen steht neben der Anmeldeliste auch eine Waage. Aus einem Holzblock habe man erst die Form des Wagens ausgesägt, dann das Holz geschliffen und es schließlich grundiert und lackiert, erzählt Jonathan.
Green Card für Ben
Ben sitzt normalerweise in großen Seifenkisten. Doch als er von der Landesmeisterschaft der Mini-Seifenkisten gehört hatte, war er sofort Feuer und Flamme. Er geht aufs Hölderlin-Gymnasium, doch GMS-Lehrer Mandracchia hat ihm einen Holzbausatz besorgt. Eine Woche zuvor hatte es bereits eine Schülermeisterschaft an der GMS gegeben. Darüber haben sich einige Teilnehmer qualifiziert. Aber auch der Verband hat einige „Rennfahrer“ gemeldet. Und Ben? „Der hat eine Green Card bekommen“, sagt Mandracchia lachend. Der Spaß soll schließlich bei diesem Wettbewerb nicht zu kurz kommen. „Eine Woche habe ich für das Holzauto gebraucht“, erzählt Ben. Der Einsatz hat sich gelohnt: Am Ende wird Ben Dritter. Es gibt viele knappe Rennen an diesem Tag, manches Holzauto schafft es auch nicht über die Ziellinie. Aber das ist gar nicht schlimm. Spaß haben alle an diesem Nachmittag. Und wer mit einem Auto nicht weiterkommt, der kann ja vielleicht beim nächsten Rennen mit einem neuen an den Start gehen.
Nach mehreren Stunden stehen am Nachmittag schließlich die Sieger fest. Luca Falk hat am Ende die Nase vorn und ist folglich auch Landesmeister. Auf Platz zwei landet Pascal Flade (beide GMS). Auf Platz drei folgt Ben Schiessel vom Hölderlin-Gymnasium. Und Vierter wird Hannes Pfister, ebenfalls von der GMS. Doch auch die anderen hatten sichtlich Spaß an der Veranstaltung. Lehrer Mandracchia freut sich über das große Interesse. „Ich hätte nie gedacht, dass das so viel Spannung bei Kindern erzeugt“, sagt er lachend.
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