Region
So wurde in den Fasnetshochburgen Wernau und Neuhausen gefeiert
In beiden Orten feierten die Narren bei den Straßenumzügen am Wochenende die fünfte Jahreszeit. Tausende Zuschauer, Hästräger und Musiker erfreuten sich am Fasnetsspektakel.
WERNAU/NEUHAUSEN. Seit dem frühen Vormittag füllen sich die Straßen in Wernau. Am Bahnhofsplatz stehen Cowboys, Prinzessinnen oder Einhörner. Mit jeder eintreffenden S-Bahn strömen mehr Verkleidete auf den Platz. Auch vor dem Vereinshaus Löwen, dem Zuhause der Wernauer Narren, herrscht reger Betrieb. Hästräger und Guggenmusiker aus dem ganzen Ländle und der Schweiz sind gekommen, um am Samstag die schwäbisch-alemannische Straßenfasnet zu feiern.
Zahlreich sind die Zuschauer erschienen und warten am Straßenrand auf den Umzug. „Die Sonne lacht. Der Wettergott meint es gut mit uns“, sagt Rita Zink, die Ehrenzunftmeisterin der Wernauer Narren. Gemeinsam mit Bürgermeisterin Christiane Krieger kommentiert sie das Geschehen und begrüßt die am Rathaus eintreffenden Gruppen. Knapp 70 Zünfte und Musikgruppen mit über 3000 Mitwirkenden nehmen am Umzug teil. Den Beginn machen die Wernauer Schützen. Mit ohrenbetäubenden Schüssen aus ihren Pistolen rütteln sie auch die letzten noch schläfrigen Gäste wach. Angeführt wird der Umzug von Büttel und Till, welche bereits am Vorabend das Wernauer Narrengericht abgehalten hatten.
In der Fasnetshochburg Wernau ist was geboten
Die Fasnetshochburg Wernau hat auch in diesem Jahr viel zu bieten. Guggenmusiker spielen in voller Lautstärke auf und laden zum Mitsingen und Mitschunkeln ein. Die Maskengruppen begeistern mit ihren wilden Verkleidungen und Showeinlagen die Zuschauer. Die Häs der Narren haben meist einen direkten Bezug zur örtlichen Folklore. „Das ist alles Handarbeit“, kommentiert Christiane Krieger die kunstvoll geschnitzten Masken und bunten Kleider. Für sie ist es die erste Wernauer Fasnet als Bürgermeisterin. Aber das ist kein Problem, denn Rita Zink klärt die Bürgermeisterin über alles auf. „Die waren schon so oft bei uns, da freuen wir uns natürlich“, kommentiert sie das Auftreten der Härtsfeldnarren aus Neresheim. Gemeinsam stimmen Krieger und Zink die Narrenrufe der einzelnen Gruppen an, die laut von den Zuschauern wiederholt werden.
Wilde Tiere, Sagengestalten, Teufel und Hexen ziehen durch Wernaus Straßen. „Die sehen schon arg gruselig aus“, sagt Zink. Wer nicht aufpasst, wird gepackt und bekommt Farbe ins Gesicht geschmiert oder eine Handvoll Konfetti in die Haare. Die Unglücklichen, die von den Narren „entführt“ werden, dürfen sich auf ein Bad in einem Hopfenbottich oder eine Rundfahrt mit der Schubkarre gefasst machen. Einige der Figuren sind sogar noch frecher. Beim Blick auf die Schuhe mancher Zuschauer fallen die fehlenden Schnürsenkel auf. Diese sind bei den Hästrägern eine beliebte Trophäe und werden meist dekorativ um das Handgelenk gebunden. Doch bei all dem Schabernack, dem Rütteln an den Absperrungen und dem Krach von Rätschen, Peitschen oder Schellen soll niemand zu Schaden kommen. „Hästräger gegen Gewalt“, heißt es auch auf einem großen Banner am Rathaus.
Die Zuschauer feiern ausgelassen mit. Lachende Gesichter, oftmals mit Schminke verziert, sind überall zu sehen. Die meisten nehmen das närrische Treiben mit Humor. „Es ist lustig, wir sind alle verkleidet und haben Spaß“, sagt ein Besucher.
Neuhausen ohne Fasnet ist für viele unvorstellbar
Auch in Neuhausen wird groß gefeiert. Nachdem der Narrenbund Neuhausen bereits am Vortag in Wernau mit zahlreichen Hästrägern vertreten war, sind sie am Sonntag selbst in der Gastgeberrolle gewesen. Zwischen den Häusern der Neuhausener Kirchstraße hängen bunte Wimpelketten. Am Schlossplatz und an den Straßen stehen die Leute dicht gedrängt. Neuhausen ohne Fasnet ist für viele hier unvorstellbar. Auch aus den Nachbargemeinden und dem Umland sind massenweise verkleidete Besucher gekommen. Dennoch läuft alles geregelt ab, die Ordner müssen kaum einschreiten.
Pünktlich um 13.33 Uhr beginnt der Umzug. Ronald Witt, Präsident des Narrenbunds Neuhausen, begrüßt die eintreffenden Gruppen kurz vor dem Schlossplatz. Vom leichten Regen lassen sich Narren und Besucher nicht abhalten. „Das macht uns gar nichts aus“, sagt Witt und ruft ein dreifaches „Auf die Pauke haut ’se – Bauze, Bauze“, den Narrenschlachtruf der Neuhausener. Sogar ein Jubiläum gibt es zu feiern. Die Rotenhäne von Neuhausen feiern ihr 60-jähriges Bestehen. Generell hat die Fasnet in Neuhausen eine lange Tradition. Die Figur des Neuhausener Clowns beispielsweise kam im 17. Jahrhundert durch Einwanderer aus Frankreich und Italien nach Neuhausen. Bereits vor über 100 Jahren fand die in Neuhausen nur als „Klon“ bekannte Figur Erwähnung in Zeitung und Vereinsaufzeichnungen.
Den Besuchern bietet sich auf der Straße ein wilder Anblick. Vom aufwendig gestalteten Festwagen werfen Neuhausener Prinzenpaar und Elferrat Süßigkeiten und Blumen. Hexen und Teufel vollführen Kunststücke und einige Gesichter unvorsichtiger Zuschauer werden mit Farbe beschmiert. Auch Tänzerinnen der Garden des Narrenbunds und des MGV Neuhausen laufen im Umzug mit. Von den Seiten johlen die Zuschauer die Narrenrufe, immer in der Hoffnung ein paar Süßigkeiten zu bekommen. Insgesamt sind es über 70 Zünfte, Musikgruppen und andere Vereine, die beim Umzug mitlaufen. Sie alle eint die Liebe zur Fasnet und zu den Narren, die an diesem Wochenende die Gemeinde fest in ihrer Hand haben.