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So vielfältig feiert die Musikschule Nürtingen 70 Jahre

Die Musik- und Jugendkunstschule Nürtingen hat mit 300 Mitwirkenden die Stadthalle K3N zum Klingen gebracht und das Publikum begeistert

Im Grande Finale brillieren Musicalensemble, Orchester, Lehrercombo, Schulchöre und die Solistin Kati Siffermann mit „Music“ von John Miles. Foto: Hans-Günther Driess

NÜRTINGEN. Schon beim Betreten der Stadthalle war spürbar, dass ein außergewöhnliches Ereignis bevorstand. Energie lag in der Luft, Kinder wirbelten durch die Gänge und konnten ihren Auftritt kaum erwarten. Vielfältige Musik ertönte aus allen Ecken und im Foyer dokumentierten interessante Gemälde mit unterschiedlichen Maltechniken die Arbeit der Jugendkunstschule.

Im voll besetzten Großen Saal des K3N eröffneten die Schulchöre der Roßdorfschule, der Braikeschule, der Ersbergschule, der Anna-Haag-Schule Neckarhausen und der Grundschule Reudern den Festakt zum 70-jährigen Bestehen der Musikschule und zum 35-jährigen Bestehen der Jugendkunstschule mit hellen Stimmen und sichtlicher Freude am Singen. Sie begeisterten das Publikum mit drei peppige Liedern – „Schön, dass Du da bist“, „Sing mit mir“ und „Komm, wir machen jetzt Musik“. Sauberer Chorklang, dazu passende Choreografien und nicht zuletzt die professionelle Begleitung durch eine Liveband der Musik- und Jugendkunstschule sorgten für einen gelungenen Auftakt des Abends.

Das Konzept, Kinder schon frühzeitig an Musik heranzuführen, ist stetiger Garant für den großen Zulauf und Erfolg der MJKS. Dies griff Schulleiter Albrecht Meincke in seiner Begrüßung auf. „Wir haben in den vergangenen Jahren die Kooperationen massiv ausgeweitet und dürfen aktuell rund 4000 Schülerinnen und Schüler mit 51 Lehrkräften unterrichten und fördern. Ich freue mich sehr, dass wir heute die Bandbreite unserer Musik und Kunst vorstellen können und die ganze Stadthalle zum Klingen bringen.“ Meincke dankte seinen Amtsvorgängern für die optimalen Voraussetzungen, die sie in Jahrzehnten geschaffen haben, vor allem Hans-Peter Bader, der von 1981 bis 2018 die Musikschule leitete.

Der Oberbürgermeister greift zur Bratsche

Kinder- und Jugendchöre aus fünf Schulen eröffneten das Konzert mit hellen Stimmen und sichtlicher Freude. Foto: Hans-Günther Driess

„Was für ein schöner Auftakt!“, schwärmte Oberbürgermeister Johannes Fridrich in seinem Grußwort in Bezug auf die Energie und Ausstrahlung der 110 singenden Chorkinder, die ihn spürbar begeistert haben. Viel Lob und Respekt zollte er der Schulleitung, der Geschäftsstelle und dem Kollegium für ihre Arbeit. „Die Musik- und Jugendkunstschule ist ein Riesengewinn für Nürtingen.“ Bekanntermaßen ist der OB ein Motivationsmotor für Kunst und Kultur seiner Stadt, aber dieses Mal hatte er eine ganz besondere Überraschung parat. Vor 35 Jahren habe er seine letzte Bratschenstunde absolviert, sich aber trotzdem entschlossen, heute dem besonderen Anlass gemäß sein Instrument zu entstauben. Dann legte er los und trug mit wohlklingendem warmen Bratschensound „Viel Glück und viel Segen“ vor. Nicht genug, er animierte und dirigierte anschließend das entflammte Publikum beim gemeinsamen Kanon-Singen. Der Schulleitung überreichte er einen Obstkorb mit den Worten „Ihr seid die Vitamine für die Nürtinger Kultur“.

Ein Streichorchester aus Lehrkräften und Schülern glänzte mit Volkstänzen aus Rumänien von Béla Bartók und in anspruchsvollen Sätzen aus der Suite für Streichorchester von Leoš Janáček durch großes Können, reine Intonation und ausdrucksvolle Gestaltung. Das 33-köpfige Gitarrenorchester beeindruckte in „Palladio“ von Karl Jenkins mit versierter Zupftechnik, exaktem Zusammenspiel und faszinierenden flirrenden Klängen, die durch Ukulele, Oktavgitarren und Bassgitarre bereichert wurden.

Synthese aus Theater, Kunst und Musik

In ihren Musicalaufführungen der letzten Jahrzehnte hat die MJKS mit der Verschmelzung von Theater, bildender Kunst, Musik und Bühnenbild Maßstäbe gesetzt. Dieser Hauch von „Gesamtkunstwerken“ durfte auch im Programm des Festakts nicht fehlen. „Puttin‘ on the Ritz“ und „The Pink Panther“ boten hier Gelegenheit, virtuose und jazzige Klänge der Lehrerband und kreative pantomimische Auftritte des Theaterspielclubs zu verbinden. Die zarte Stimmung von Mendelssohn-Bartholdys „Frühlingslied“ spiegelte Elena Benditskaia am Klavier im harmonischen Gleichklang mit den graziösen Tanzbewegungen des Theaterensembles.

Oberbürgermeister Johannes Fridrich an der Bratsche. Foto: Hans-Günther Driess

In ihrem Grußwort betonte die Präsidentin des Landesverbands der Musikschulen Baden-Württemberg, Marion Gentges, was man durch Musizieren übers Instrumentale hinaus lernen kann: Raum für Kreativität, Disziplin, Geduld und das Pflegen der Gemeinschaft. Die Landesjustizministerin lobte das hohe Niveau der Nürtinger Musikschule, dankte der Leitung und dem Kollegium fürs große Engagement und Oberbürgermeister Fridrich, dass er die Musikschule und Kultur als unverzichtbar und gesetzt einstuft.

Acht Hände am Klavier

Kaum zu glauben, dass mit Clara Langlois, Sanae Miki, Elena Benditskaia und Shin Hwang vier Personen mit acht Händen vor der Tastatur Platz fanden, um dem offenen Rachen des Flügels ein rauschendes Feuerwerk zu entlocken. Der Galopp-Marsch von Albert Lavignac gelang spritzig, aber auch witzig, wenn gelegentlich zwei Spielerinnen sich ein sehenswertes Tänzchen gönnten oder die noch spielenden Nebensitzer dirigierten.

Die Geschäftsführerin des Landesverbands Kunstschulen BW, Sabine Brandes gratulierte als letzte Rednerin zum runden Geburtstag und lobte die Nürtinger MJKS. Kultur sei die Hefe im Teig der Gesellschaft, die erst aufgehen müsse. In der Kunstschule bekomme man tolle Erfahrungen fürs Leben und fürs Entwickeln von Ideen. Es folgen Ausschnitte aus „Grease“ (John Travolta, Olivia Newton-John, 1971) und „Dancing Queen“ (Abba) mit dem Musicalensemble unter Begleitung der Lehrercombo. Nach kräftigem Applaus bahnte sich nun der Höhepunkt des Festakts an, als das Jugendsinfonieorchester auf der Bühne Platz nahm und die Schulchöre sich seitlich neben den vorderen Sitzreihen postierten. Der grandiose Festakt endete mit Standing Ovations und nicht enden wollendem Beifall.

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