Kirchheim
Oldtimer-Fliegertreffen auf der Hahnweide in Kirchheim feiert Comeback
Die Hahnweide in Kirchheim wurde wieder zur Bühne für fliegende Geschichte: Mehr als 300 historische Maschinen aus ganz Europa waren gemeldet. Nach sechs Jahren Pause kehrte das Treffen zurück.
KIRCHHEIM. Ein tiefes Brummen liegt über der Hahnweide. Über dem Segelfluggelände zieht ein Flugzeug aus den 1930er-Jahren seine Bahnen, am Boden folgen ihm tausende Blicke. Einst konstruiert für eine andere Zeit, kehren die Maschinen in den Himmel der Teckregion zurück.
Zum 20. Mal wird Kirchheim zur Kulisse für ein Treffen fliegender Geschichte. Das Oldtimer-Fliegertreffen auf der Hahnweide zählt zu den größten ehrenamtlich organisierten Veranstaltungen seiner Art in Europa. Ausgerichtet wird es von der Fliegergruppe Wolf Hirth, die das Gelände seit Jahrzehnten betreibt. Erstmals fand das Treffen 1981 statt, seitdem im Rhythmus von zwei bis drei Jahren. Nach einer Unterbrechung von sechs Jahren, auch bedingt durch die Pandemie, hebt es nun wieder ab. Nach Angaben der Organisatoren kommen an diesem Wochenende mehr als 25.000 Besucherinnen und Besucher auf das Segelfluggelände unterhalb der Teck.
Von der Teck bis nach Spanien
Auf der Hahnweide reihen sich von Freitag bis Sonntag mehr als 300 Flugzeuge. Manche reisen von weit her an, aus England, Spanien oder der Schweiz, andere aus der Region, am Ende stehen sie dicht an dicht auf dem Rasen des Flugplatzes. Einige stammen noch aus der Pionierzeit, mit Holzrahmen und stoffbespannten Flügeln. Andere tragen den satten Klang von Motoren, die schon in den 1940er-Jahren über den Himmel donnerten. Mal gleitet ein Segler lautlos durch die Luft, mal zieht ein Warbird vorbei und lässt die Gespräche am Boden verstummen. Dazwischen rollen zweimotorige Passagiermaschinen über das Gras, so nah, dass sich jede Niete im Blech erkennen lässt. Besondere Blicke zieht die Blériot auf sich: filigran gebaut aus Holz und Draht, baugleich mit jener Maschine, in der Louis Blériot einst den Ärmelkanal überquerte. Wenn sie abhebt, hebt sich damit ein Stück Luftfahrtgeschichte vom Gras der Hahnweide.
Shows von früh bis spät
Das Programm läuft ohne Pause: Segler, Passagiermaschinen aus den 1930er-Jahren, Kunstflugstaffeln, Warbirds. Am Samstagabend beenden die Flying Bulls den Tag. Ihr Blanix-Duo fliegt in Formation, die Tragflächen mit Lichtern bestückt, bunter Rauch im Schlepptau.
Über dem Zaun blitzen Handydisplays neben den langen Objektiven der Profikameras, alle richten sich in den Himmel. Dahinter reihen sich Campingstühle aneinander, aufgestellt wie zur Parade. „Jetzt machen sie aber ‚ne Show“, sagt ein Besucher, während neben ihm Kinder an den Ärmeln ihrer Eltern zupfen, die am Imbissstand warten. Entlang der Wege reiht sich ein Stand an den nächsten: Getränke, Würstchen, Shirts und Buttons, Modellflieger und Souvenirs. Immer wieder gehen die Köpfe nach oben, wenn ein Motor aufbrüllt.
Mehr als Muskelkraft
Das Oldtimer-Fliegertreffen ist nicht nur ein logistisches Großprojekt, sondern auch ein Gemeinschaftswerk.180 Mitglieder hat die Fliegergruppe Wolf Hirth. Für ein Wochenende wie dieses reicht das nicht. „Hier hat jeder mindestens seine Frau, Kinder und den Nachbarn mitgebracht“, erzählt Tilo Holighaus, Geschäftsführer von Schempp-Hirth und Vorstandsmitglied der Fliegergruppe Wolf Hirth. Auf bis zu 1000 Helferinnen und Helfer schätzt er die Zahl. Auch Vereine aus Nürtingen, Stuttgart, Köngen und Nellingen packen mit an. „Alle unterstützen und helfen, wo sie können. Wir sind eng befreundet und sehen uns hier jedes Wochenende auf dem Platz, das bleibt nicht aus.“
Holighaus freut sich nicht nur über die Arbeit im Verein, sondern auch über den Zuspruch von außen. Schon Monate vor dem Treffen trudeln Rückmeldungen und Anfragen aus aller Welt ein, jetzt sind auch internationale Fachjournalisten vor Ort. Und in Kirchheim selbst steht die Bevölkerung hinter dem Spektakel. Oberbürgermeister Pascal Bader nennt die Stadt in seiner Ansprache einmal mehr „Fliegerstadt Kirchheim“. Holighaus schmunzelt: „Das ist natürlich einfach schön zu hören.“
Zwei Jahre liegt der Entschluss zurück, das Treffen neu zu starten, vor anderthalb Jahren beginnen die ersten größeren Arbeiten. In den vergangenen Wochen nehmen viele Vereinsmitglieder Urlaub, um morgens bis abends auf der Hahnweide zu arbeiten. „Das hat den Verein richtig zusammengeführt“, sagt Tilo Holighaus. Für ihn ist aber nicht allein die Logistik entscheidend, sondern die Atmosphäre: Begegnungen unter Freunden, oft seit Jahrzehnten, fast familiär. Und doch bleibt das Niveau hoch: Spitzenpiloten, Rekorde, lange Streckenflüge. Gemeinschaft und sportlicher Anspruch – beides gehört für ihn auf der Hahnweide zusammen.
Ritterschlag im Cockpit
Davi Held aus Günzburg kennt die Hahnweide seit vielen Jahren. Damals, noch als Zuschauerin, fasst sie hier den Wunsch, eines Tages selbst mit einem Oldtimer zu landen. Ein Traum, der in Erfüllung geht. Heute sitzt sie im Cockpit einer Kunstflugmaschine. „Für mich ist es wie ein Ritterschlag, hier fliegen zu dürfen“, sagt sie. Was sie am meisten schätzt: die Atmosphäre. „Es ist professionell und gleichzeitig idyllisch. Man kennt sich, man grüßt sich, viele sehe ich hier seit Jahren. Die Stimmung ist sehr herzlich.“