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Krebspatientin aus Tischardt: Unheilbar krank – und trotzdem voller Zuversicht

Therese Maly ist an Lymphdrüsenkrebs erkrankt. Doch ihr ungebetener „Mitbewohner“ hat sie stärker gemacht. „Ich lebe mein Leben“, sagt die 65-Jährige, die sich ihren Optimismus bewahrt hat und anderen Betroffenen Mut machen will.

Therese Maly ist unheilbar an Krebs erkrankt, trotzdem blickt sie positiv auf das Leben. „Ich war nicht immer so“, sagt sie. Foto: Kai Müller

FRICKENHAUSEN-TISCHARDT. Therese Maly hat gelernt mit ihrem „Mitbewohner“ zu leben. So nennt sie ihre Krebserkrankung fast liebevoll. Der bei ihr festgestellte Lymphdrüsenkrebs, Fachleute sprechen von B-Zell-Lymphom, ist nicht heilbar. Und doch lässt sich die 65-Jährige davon nicht unterkriegen. Nicht nur das, sie scheint vor Optimismus nur so zu strahlen. Das ist ihren behandelnden Ärzten in Tübingen aufgefallen und sie haben Maly dazu animiert, mit ihrer Lokalzeitung Kontakt aufzunehmen. Das hat sie auch getan. „Früher hatte ich Angst vor vielen Sachen“, sagt sie. Die Krankheit habe sie wachsen lassen. „Nicht, dass ich angeben will“, sagt Maly. Sie ist niemand, der sich in den Vordergrund drängt. „Jetzt bin ich eine andere Person und glücklich“, ergänzt die Krebspatientin.

Zehn Kilo abgenommen

Davon war sie am 7. März 2024 weit entfernt. „Ich habe mich damals richtig kaputt gefühlt“, sagt Maly. Sie ergänzt: „Ich hatte zehn Kilo abgenommen.“ Der eine oder andere habe sich Sorgen um sie gemacht. Maly war viele Jahre lang im ambulanten Pflegedienst tätig gewesen, bevor sie dann in die Mittagsbetreuung an der Grundschule Raidwangen wechselte. Maly ging schließlich zu ihrer Hausärztin Alwina Ries in Nürtingen. Diese ordnete eine Computertomografie (CT) an. „Meine Milz sah wie ein zerlöcherter Käse aus“, erinnert sich die Tischardterin. Ihre Hausärztin habe sie wenige Tage später zur Kernspintomografie (MRT) nach Metzingen geschickt. Eigentlich hätte sie nach dem Termin eine Woche auf die Ergebnisse warten sollen: „Doch meine Ärztin hat mich gleich am Nachmittag angerufen.“ Sie solle umgehend ein paar Dinge einpacken und nach Tübingen. Im Nachhinein ist sie ihrer Hausärztin immer noch dankbar, dass diese so schnell reagiert hat: „Das lief alles einwandfrei. Wir haben ein tolles Gesundheitssystem“, sagt Maly.

Die Familie als Kraftquelle

Die Diagnose traf sie schließlich mit voller Wucht: Lymphdrüsenkrebs, der im Bauchraum, im Becken und in der Milz gestreut hat. Und zwar nicht die aggressive Variante, sondern die schleichende, die gefährlichere, die eben nicht heilbar ist. „Da sind natürlich die Tränen geflossen“, sagt Maly. Doch, wo viel Schatten ist, ist eben auch immer Licht. Dieses Licht machte, um im Bild zu bleiben, ein junger Arzt in Tübingen wieder ein bisschen heller: Lennart Haland. Er hatte ihr bei der Aufnahme Blut abgenommen. „Was machen wir denn jetzt?“, hat sie ihn gefragt. Seine Antwort: „Es wird kein Spaziergang werden, aber wir helfen Ihnen.“ Das habe ihr Kraft gegeben, erinnert sich Maly.

Während der Chemo-Therapie sind Therese Maly die Haare ausgefallen. Doch das Lächeln hat sie auch damals nicht verloren. Foto: privat

Dann gibt es noch die andere große Kraftquelle, ihre Familie. „So wie ich jetzt bin, war ich damals nicht. Ich war nicht mutig“, sagt Maly. Die mittlerweile vier Enkel Charlotte, Noah, Jonas und Paula haben ihr viel Kraft gegeben. Aber auch ihr Mann Helmut, mit dem sie seit 44 Jahren verheiratet ist. Und natürlich die Töchter Marion und Kerstin sowie die Schwiegersöhne Frederik und Michi. Da waren die Nachbarn oder die Schwägerin, die ihr in der schwierigsten Phase immer wieder Mut machte. Oder der katholische Pfarrer Gerald Warmuth, der sie ebenfalls besuchte. „Er hat mit mir gebetet“, sagt sie. Es ist ein Netz, in dem sich Maly wunderbar geborgen fühlt.

Sie genießt jeden Tag

Nach der Chemo hat sie ihre Haare verloren. Mit dem Verlust hat sie sich nicht groß aufgehalten: „Ich hatte unterschiedlich farbige Hauben getragen“, sagt Maly. Es gibt ein Bild von ihr aus dieser Zeit, auf dem sie direkt in die Kamera schaut. Es ist kein angestrengtes Lächeln, sondern ein Lächeln, das von innen heraus strahlt. Die Haare sind längst wieder da. „Sie sind heute viel welliger“, sagt die Tischardterin. Qi-Gong und Yoga macht Maly mittlerweile. „Ich lebe mein Leben“, sagt sie. Sie genieße jeden Tag: In der Nürtinger Vesperkirche habe sie jüngst ausgeholfen und Staunen ausgelöst. Manchmal fragt sie sich selbst: „Habe ich überhaupt Krebs?“ Doch an der Diagnose gibt es leider keinen Zweifel.

Alle acht Wochen ist sie zur Immuntherapie in der Uniklinik in Tübingen. „Ich hab’ mich dort immer wohlgefühlt“, sagt die vierfache Oma. Die Therapie schlägt bei ihr gut an. „Das wird individuell eingestellt“, sagt Maly. Und falls diese Therapie nicht mehr funktioniere? „Es gibt immer noch weitere Möglichkeiten“, sagt Maly. Und da ist es wieder, dieses Lächeln. Ärzte und Pflegepersonal seien oft überrascht, dass sie bei ihren Terminen in der Klinik ergänzend zur Therapie gar nichts benötige. „Nicht jeder hat so ein Glück“, sagt sie aber auch. Sie hoffe, dass sie „noch 90 Jahre alt“ werde. Hoffentlich hat da ihr „Mitbewohner“ gut zugehört.

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