Wendlingen
In Wendlingen starten die Sternsinger am 3. Januar 2025
Das Dreikönigssingen hat in diesem Jahr die Rechte von Kindern im Fokus. Mit der Aktion tragen die kleinen Könige und Königinnen die frohe Botschaft von Haus zu Haus und unterstützen mit der Sammlung benachteiligte Mädchen und Jungen in aller Welt.
WENDLINGEN. „Könige!“, ruft Karin Dieterle in den Saal. „Hört!“, kommt es aus über hundert Kehlen von dort wie aufs Stichwort zurück. Tatsächlich ist es ein ausgemachter Code, der immer dann eingesetzt wird, wenn der Geräuschpegel unter den Kindern höher wird, während jemand vom dreiköpfigen Orga-Team etwas für alle erklärt. Und gerade war wieder so ein Moment. Während die Aufmerksamkeit wieder hergestellt ist, informiert Karin Dieterle über den weiteren Ablauf des heutigen Treffens im katholischen Gemeindezentrum St. Georg. Es ist Proben- und Anprobentag. In wenigen Tagen werden 101 Sternsinger und junge Erwachsene in alle Wendlinger Stadtteile ausströmen, um den Segen und die frohe Botschaft im Rahmen der jährlichen Aktion Dreikönigssingen zu verkünden.
Kinder setzen sich für Kinder ein
In diesem Jahr ist das Leitwort „Erhebt Eure Stimme! Sternsingen für Kinderrechte“. Es ist die 67. Aktion des Dreikönigssingens. Mit dem Kreidezeichen „20*C+M+B+25“, Christus segne dieses Haus“, bringen die Sternsinger in Wendlingen den Segen vom 3. bis 5. Januar an die Türen und sammeln Spenden. Beispielregionen sind diesmal Kenia und Kolumbien. Für die Aktion wird für Projektmaßnahmen für benachteiligte und notleidende Kinder aber überall in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa gesammelt. Am 3. Januar ist die Aussendung der 17 Sternsinger Gruppen in Wendlingen.
Die Mädchen unter den Sternsingern sind dabei deutlich in der Überzahl. Von den 101 Kindern, mit jeweils vier und acht Personen in einer Gruppe, sind etwa 66 weiblich. Die Gruppe zwei besteht aus einer reinen Mädchengruppe. „Alles Königinnen“, sagt Theresa Reiser vom ehrenamtlichen Orga-Team. Die Zwölfjährigen sind alle befreundet und gehen auch teilweise in dieselbe siebte Klasse. Sophia Eisele ist das erste Mal mit von der Partie. Sie sei von den anderen gefragt worden, ob sie mitgehen wolle. Da von den Sternsingern neben den Sprüchen, die jeder auswendig aufsagt, auch einige Lieder gesungen werden, musste sie nicht lange überlegen. „Ich singe gerne“, sagt sie. Das gab den Ausschlag.
Jede Sternsinger-Gruppe hat einen eigenen Betreuer
Das erste Vortreffen ist schon eine Weile her. Das war im November. Aber die erste große Probe für die Lieder, die die Sternsinger vor den Häusern singen, ist heute. David Hansjosten studiert die Lieder mit den Kindern ein, darunter „Hoch am Himmel“ und „Gottes Segen blühe auf“. Jede der 17 Gruppen hat einen eigenen Betreuer. Das können erfahrene Sternsinger sein, also Kinder und Jugendliche mindestens ab der siebten Klasse, aber auch Erwachsene. „Davon könnten wir mehr haben“, sagt Theresa Reiser. Sie war selbst 20 Jahre lang Sternsinger. „Ich war auch auf der Straße“, sagt sie stolz. Jetzt gehört sie dem ehrenamtlichen Leitungsteam an, kurz Orga-Team genannt. Sie ist für Uschi Bangert nachgerückt, die Anfang dieses Jahres nach vielen Jahren im Ehrenamt aufgehört hat. Karin Dieterle und Daniela Jakob komplettieren das Orga-Team, das unter anderem für die Gruppeneinteilung, Gebietspläne, Essensbestellungen, Finanzen, Gewänder und Liedtexte zuständig ist.
Viele ehrenamtliche Helfer und Helferinnen sind für die Aktion notwendig
Überhaupt geht ohne eine stattliche Anzahl an weiteren ehrenamtlichen Helfern gar nichts: Mindestens 75 Personen, vorrangig Eltern, unterstützen auf unterschiedliche Art und Weise die Aktion. Dazu gehören Fahrdienste mit Privatautos, aber auch mit Bussen, das Trocknen von nass gewordenen Gewändern, das Sortieren von Süßigkeiten, die den Sternsingern gespendet werden, das Backen von Kuchen, das Betreuen und Zubereiten der Teepausen an den Nachmittagen für die Kinder, der Auf- und Abbau im Gemeindezentrum. Zu diesen Helfern gehören auch Leonie Dieterle und Tanja Ludwig. Sie sind seit 20 Jahren ehrenamtlich dabei und werden für ihre Teilnahme in diesem Jahr geehrt. Nicht zu vergessen sind diejenigen, die beim Kochen helfen.
Täglich wird frisch gekocht
Im „großen Wohnzimmer“, so wird das katholische Gemeindezentrum St. Georg in den drei Tagen der Sternsinger-Aktion genannt, ist täglicher Treffpunkt für das gemeinsame Mittagessen, das von Müttern in der Küche des Gemeindezentrums frisch gekocht wird. Nachmittags gibt es dort Tee zum Aufwärmen und Kuchen zur Stärkung. Die ehrenamtliche Leitung hat Küchenfee Annett Neumann-Häbe, die auch das Küchenteam koordiniert.
Die fünf Königinnen haben ihre Gewänder schon mal anprobiert und werden von Karin Dieterle auf die Bühne des Saals gebeten. Sie demonstrieren den anderen Sternsingern, wie der Ablauf vor den Häusern ist. Lieder singen, Sprüche aufsagen, das Datum an der Tür anbringen, das wahlweise mit Kreide oder mit einem Vordruck angebracht werden kann.
Warum sie Sternsinger geworden sind
Sofia Englisch mag die Atmosphäre und dass sie mit ihren Freundinnen gemeinsam anderen Menschen helfen kann. Deshalb will sie „für Kinder Spenden sammeln“. Charlotte Keintzel will „in den Ferien nicht nur zuhause rumsitzen“. „Man kann neue Freunde kennenlernen“, freut sie sich über diese besondere Gelegenheit. Und „viele Menschen freuen sich über die Sternsinger“, sagt Jana Sigler und ergänzt: „Es gibt aber auch Leute, die die Tür für Sternsinger nicht aufmachen.“ Als Beweis kramt Charlotte Keintzel ihr Smartphone hervor und zeigt ein Foto, das sie selbst gemacht hat. Auf einem Stück Papier steht an einer Haustüre geschrieben: „Bitte keine Sternsinger“. Darunter ist etwas kleiner zu lesen: „Wir waren da, Sie können den Zettel jetzt abhängen“. Vielleicht haben die Bewohner mit Religion nichts am Hut, vermuten die fünf Königinnen, und lassen sich dadurch ihre Motivation nicht verderben. Denn die meisten Menschen heißen die Sternsinger willkommen. Und es gebe auch solche Leute, die während der Sternsinger-Aktion im Urlaub sind und trotzdem spendeten. Diese gäben den Nachbarn ihre Spende, die von diesen dann mit der eigenen Spende den Sternsingern übergeben würde.