Nürtingen
Flirtkörbe im Edeka in Nürtingen: Wie reagieren Kunden auf die pinke Attraktion?
Seit circa vier Monaten gibt es Flirt-Einkaufskörbe beim E-Center Sigel in Nürtingen. Springen die Kunden auf diese Anregung zur Kommunikation an? Wir haben den Selbsttest gemacht.
NÜRTINGEN. In knalligfarbenem Pink samt einem kleinen schwarzen Herz mit der Aufschrift „Flirtkorb“ stehen die auffälligen Einkaufskörbe am Eingang des E-Centers Sigel in der Nürtinger Eichendorffstraße. Seit Beginn der Sommerzeit läuft dort diese Aktion, berichtet Marktleiterin Pera Rutonic.
Die Grundidee dahinter ist, dass Kunden miteinander ins Gespräch kommen sollen. Gemeint sind hauptsächlich Singles, die Lust haben, Menschen kennenzulernen. „Sie können damit auf sich aufmerksam machen“, sagt Rutonic.
Bislang reagierten die Kunden aber eher zurückhaltend auf die Körbe, berichtet sie. Es koste schließlich Überwindung, selbstbewusst durch den Laden zu schlendern und auf sich aufmerksam zu machen. Manche älteren Frauen hätten das Konzept auch schon missverstanden: Sie haben die Körbe nur genommen, weil sie ihnen farblich gefielen. „Sie wurden dann darauf angesprochen und haben gar nicht verstanden, worum es geht“, erzählt Pera Rutonic. Allgemein seien es Frauen, die sich die Körbe nähmen. Außerdem sei es für das Konzept wichtig, dass Kunden offen für Kommunikation sind. „Die Körbe sollen eine lockere Atmosphäre im Supermarkt schaffen“, erklärt Pera Rutonic.
Doch wie sieht die Realität aus? Sind die Menschen bereit, das Gespräch zu suchen? Oder ist das Konzept ein Misserfolg? NTZ-Praktikantin Laura Staiger, 20 Jahre alt, hat den Test gemacht.
Trotz Blickfang wenig Reaktion
An einem Freitagvormittag schnappe ich mir einen der Flirt-Körbe und mache mich auf den Weg durch die Supermarktgänge. Ein paar Minuten vergehen, in denen mir auffällt: Niemand sonst trägt einen solchen pinken Korb – was ich mir hätte denken können, denn am Eingang haben sie sich gestapelt. Beim Stöbern durchs Sortiment spüre ich teilweise die Blicke der Leute auf mir. Sie beäugen den Korb, manche bleiben stehen und versuchen die Aufschrift aus der Entfernung zu lesen. Ich fühle mich wie ins Rampenlicht gestellt. Es ist auffällig, dass die meisten Kunden ältere Frauen sind. Junge Männer sind kaum vor Ort; ich denke, das liegt vor allem an dem Zeitpunkt.
Auch in der Obst- und Gemüseabteilung, der Backwarenabteilung und der Drogerieabteilung werde ich nicht angesprochen. Nur eine Edeka-Mitarbeiterin meint zu mir: „Es ist schön, dass sich jemand traut, so einen Korb zu nehmen.“
In mir hat das Ganze eher ein mulmiges und einschüchterndes Gefühl ausgelöst. Man fällt sofort auf und zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Deshalb kostet es vermutlich die meisten viel Überwindung, dabei mitzumachen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass mehrere Kunden sich darauf einlassen. Bestimmt gibt es vereinzelt Menschen, die die Idee interessant und witzig finden. Es gibt aber sicher auch genug Kunden, die beim Einkaufen gar keine Lust auf Small Talk haben und eher nicht allzu viel Zeit im Supermarkt verbringen wollen. Dass dadurch Menschen mit anderen Ladenbesuchern ins Gespräch kommen oder neue Kontakte knüpfen können, kann ich mir an sich schon vorstellen: Wenn zufällig zwei Kunden mit denselben Interessen zu so einem Korb greifen, kann durchaus eine neue Bekanntschaft oder Freundschaft entstehen.
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