Nürtingen
An der Unterführung in Nürtingen wird rund um die Uhr mit Hochdruck gearbeitet
Laut Projektleiter Alexander van Siltenburg sind die Arbeiten an der Bahnunterführung im Zeitplan. Am Mittwoch ging es ans Einheben der 70 und 110 Tonnen schweren Deckel.
NÜRTINGEN. Seit vergangener Woche ragt ein riesiger Kran neben der Bahnunterführung am Nagelhaus in den Himmel. An der Neuffener Straße gibt es auf Höhe der Baustelle kein Durchkommen. Nachts sind rotierende gelbe Lichter auf Baufahrzeugen weithin sichtbar. „Wir arbeiten 24 Stunden, damit wir innerhalb von zehn Tagen fertig sind“, sagte der Projektleiter von DB Infra GO, Alexander van Siltenburg, bei einem Pressegespräch. Man sei im Zeitplan. Am Montag, 23. März, sollen ab 4.30 Uhr am Nürtinger Bahnhof wieder Züge rollen. Das ist derzeit ein Ding der Unmöglichkeit. An Gleis 3 fehlen in einem Abschnitt die Schienen. Eine Weiche liegt auf dem Bahnsteig, das Gleisbett ist ausgekoffert. „Hier war eine Schlammstelle. Die bessern wir mit aus. Die Bauleute arbeiten in unserem Schatten“, sagte van Siltenburg.
Der Raupenkran kann bis zu 600 Tonnen heben
An der eigentlichen Baustelle, die täglich viele Interessierte an die Absperrgitter lockt, klafft ein großes Loch im Boden, wo sonst die Gleise verlaufen. Noch mussten am Mittwochnachmittag die Metallstäbe, die als Bewehrung für die 18 Bohrpfähle dienen und die einen Meter weit aus zwei niedrigen Betonmauern ragten, angepasst werden. Darüber schwebte bereits der erste große, 70 Tonnen schwere, Deckel für die Unterführung. „Gegen 16.30 Uhr hatten wir ihn draufgesetzt“, sagte van Siltenburg später am Telefon. Am Abend sollte der noch größere, 110 Tonnen schwere Deckel, daneben eingehoben werden. An den Haken genommen von dem Raupenkran, der bis zu 600 Tonnen heben kann, einen 60 Meter langen Ausleger hat und den Alexander van Siltenburg als „krass“ bezeichnete. Gefertigt habe die Deutsche Bahn den zweiteiligen Überbau für die Unterführung bereits im August 2025 auf der Baustellenfläche hinter der Pizzeria „Hoagies“, so der Projektleiter.
Die Bauarbeiten laufen reibungslos
Alexander van Siltenburg spricht von einer nicht ganz einfachen Baustelle: „Die große Herausforderung war der Aufbau des Krans auf engem Raum.“ Die vorbereitete Rampe musste vergangenen Donnerstag mehrfach abgeflacht werden, damit der Tieflader hinauffahren und der Kran auf dem eingeschotterten Parkplatz aufgebaut werden konnte. Dank einer sehr guten Abstimmung mit der Stadt liefen die Bauarbeiten seither reibungslos. Die Anwohner habe die Bahn auch wegen der nächtlichen Arbeiten vorab online informiert. Auch das sei gut gelaufen. „Von 100 Leuten haben nur fünf das Angebot angenommen, für die Zeit in ein Hotel zu gehen.“
Notwendig sei der Neubau der Personenunterführung, weil das bisherige Bauwerk in die Jahre gekommen sei. „Es wurde 1934 errichtet und in den 1970er-Jahren ertüchtigt“, so van Siltenburg. Er gehe davon aus, dass die neue Unterführung eine Lebensdauer von mindestens 100 Jahren habe. Maximal lasteten bei Loks rund 25 Tonnen pro Meter auf dem Bauwerk.
Auch in den nächsten Tagen werde mit Hochdruck auf der Baustelle gearbeitet. Die Krater in der Erde müssten zugeschüttet und die Aussparungen mit Beton gefüllt werden, sagte van Siltenburg. Abschließend gehe es an den Aufbau des Gleisbetts. Insgesamt seien auf der Baustelle eine Handvoll Firmen mit rund 50 Leuten zugange. Die vier Meter breite und 19 Meter lange Unterführung selbst bleibe für den Innenausbau noch bis Ende Juli gesperrt. Die Kosten für das Gesamtprojekt beziffert ein Bahnsprecher auf 3,5 Millionen Euro.