Gesprächsabend mit Pfarrer Magino stieß auf großes Interesse: 40 Jahre nach dem Vaticanum II und 20 Jahre nach der Diözesansynode
WENDLINGEN. In die Trauer um den Tod des Papstes hat sich eine Diskussion um den weiteren Fortgang in der katholischen Kirche entspannt. Vor allem Fragen zur Rolle der Frau in der Kirche, zum Zölibat, zur Liturgie, aber auch zur Ökumene beschäftigen die Gläubigen. Große Hoffnungen werden deshalb in den neuen Papst gesetzt, der ab Montag von den Kardinälen gewählt wird. Ob er wie Johannes XXIII. vor über 40 Jahren für eine Überraschung sorgt, muss sich zeigen. Denn Papst Johannes XXIII. galt als so genannter Übergangspapst; und vor einer ähnlichen Situation stehen wir angesichts der über 25-jährigen Amtszeit von Johannes Paul II. heute. Was keiner Johannes XXIII. zugetraut hatte: Er erkannte, dass sich die Kirche den Menschen öffnen muss. Aus diesem Grund rief er das Zweite Vatikanische Konzil aus, das eine Wendung zu vielen Fragen in der bis dahin verstaubten Kirchengeschichte darstellt. Angesichts der aktuellen Ereignisse sprach am Donnerstag Pfarrer Paul Magino über „40 Jahre nach dem Vaticanum II und 20 Jahre nach der Diözesansynode Rottenburg-Stuttgart“. Von dem Angebot, anschließend darüber zu diskutieren, machten die Zuhörer im katholischen Gemeindezentrum Sankt Georg regen Gebrauch.
Eingeladen zu diesem Gesprächsabend hatten der Katholische Deutsche Frauenbund und die Kolpingsfamilie. In ihrem Namen begrüßte Irmgard Straub die rund 55 Teilnehmer im Kolumbansaal des Gemeindezentrums.
Pfarrer Paul Magino kann aus erster Hand von der Diözesansynode in den Jahren 1985/86 berichten, gehörte er doch zu den wenigen, die dabei waren. Magino leitete damals die Kommission für Jugendarbeit. Die Diözesansynode hatte die Aufgabe, das Konzil sozusagen auf die Ausgestaltung in den Kirchengemeinden herunterzubrechen.
Dazwischen, zehn Jahre vorher, hatte es die Würzburger Synode gegeben, auf der das Vatikanische Konzil auf deutsche Verhältnisse „übersetzt“ wurde.
Betrachtet man die großen Zeitabstände zwischen dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der Würzburger Synode beziehungsweise der Diözesansynode von Rottenburg-Stuttgart, so wird dies durch die folgende Aussage verständlich: Es wird behauptet, dass es 50 Jahre dauere, bis ein Konzil bei den Menschen ankomme, machte Pfarrer Magino bei seinen Ausführungen verständlich.
Johannes XXIII. jedenfalls schien zunächst ein Papst des alten Schlages zu sein, der sich noch mit Papstkrone und Sänfte den Gläubigen zeigte. Theologisch galt er als äußerst konservativ. Seine Wandlung überraschte deshalb alle. Nach dem Motto: Wenn wir das Fenster zu den Menschen nicht aufmachen, dann verkennen wir unsere Aufgabe, rief er das Zweite Vatikanische Konzil aus. Bei der Kurie traf er damit allerdings auf wenig Gegenliebe, da sie dafür die Zeit nicht für reif hielt. Bei der ersten Vollversammlung zum Konzil war es dann auch gleich zum Eklat gekommen, nachdem sich Teilnehmer gegen die von der Kurie entworfenen Schemata wehrten, da sie sich zu Recht in ihrem Mitbestimmungsrecht behindert sahen. Dann starb auch noch der Papst während des Konzils. Der neue, Paul VI., setzte jedoch das Vorhaben seines Vorgängers fort und brachte einen neuen Akzent hinein.
Erstmals seit der Reformation, so Pfarrer Paul Magino, habe die katholische Kirche andere Kirchen nicht als Feind betrachtet, sondern sie habe mit dem Konzil die Einheit mit den anderen gesucht. So ist auch der Gaststatus von Glaubensvertretern des Judentums und des Islams zu verstehen. Damit wurde das erste Mal eine Versöhnung mit dem Judentum angestrebt. „Ab diesem Zeitpunkt war die katholische Kirche wieder Weltkirche“, wertete Pfarrer Magino diese Wendung, die mehr als eine Geste gewesen ist. Mit dem Vatikanischen Konzil überprüfte die Kirche ihre Beziehungen nach außen hin, die Ökumene. Dabei spielte auch die Haltung der Kirche gegenüber dem Pluralismus eine Rolle, wie zum Beispiel zur Religionsfreiheit.
Ein Novum war ebenso ihre Bewertung der Reformation. Mit dem Konzil anerkannte die Kirche die Reformation als wichtiges religiöses Ereignis.
Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil änderte sich auch das Verhältnis zu den Gläubigen an der Basis. Der Gedanke „Volk Gottes“ wurde wieder entdeckt, führt Magino aus, was aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass die Kirche an ihren hierarchischen Strukturen weiter festhielt. Bis heute hat dies Auswirkungen auf die Liturgie. Den Priestern und Bischöfen bleibt überlassen, ob sie in der Volkssprache oder auf Lateinisch den Gottesdienst zelebrieren.
So viel die katholische Kirche mit dem Vaticanum II neue Werte, Bedeutungen, Qualitäten und Beziehungen aufzeigt und ihr Selbstverständnis als Kirche in der Welt überprüfte, so gibt es Themen, die das Konzil nicht schaffte. Nicht behandelt wurde zum Beispiel die Frage der Geburtenkontrolle, ebenso wenig das Zölibat, aber auch die römische Kurie blieb außen vor, der ihrerseits eine Reform gut täte.
Betrachtet man heute das Verhältnis vor allem jüngerer Menschen zur Kirche, so liegt darin laut Pfarrer Magino eine große Herausforderung. Zwar gibt es viele, die auf religiöser Suche seien, aber die kaum ihr Heil in der Kirche suchten. Für Pfarrer Paul Magino stellt sich deshalb die Frage: Wie können wir junge Menschen für unsere Botschaft erreichen?
Was in der Ökumene mit der evangelischen Kirche längst gelungen und weit fortgeschritten ist, so gilt es laut Magino das Miteinander auch mit nicht-christlichen Kirchen anzugehen.
Bei dem Gedanken der Einbindung und Aufnahme hat Pfarrer Magino besonders die Aussiedler im Blick, die oft entwurzelt von der Heimat sind und für die die Kirchengemeinde der erste Halt in der neuen Heimat sein könnte.
In der anschließenden Diskussion hatten Zuhörer Gelegenheit, auch zur anstehenden Papstwahl Fragen zu stellen, aber ebenso ihr Verständnis von Kirche aufzuzeigen. Dabei wurde die Frage nach Diakoninnen in der Kirche aufgeworfen. Kaum einer weiß, dass das Thema Diakonat der Frau bereits auf der Würzburger Synode in den 70er Jahren angesprochen wurde. Mit Zustimmung des Bischofs sei damals ein Votum nach Rom geschickt worden. Bis heute hat Rom keine Antwort darauf gegeben.
Nachgefragt wurde auch die Mitarbeit so genannter Laien in der Diözese. Angesichts des zunehmenden Priestermangels eine bedeutende Frage in den Kirchengemeinden. Rottenburg-Stuttgart ist eine der wenigen Diözesen, wo Pastoralreferenten in der Eucharistiefeier predigen dürfen. Das ist nicht in allen Diözesen eine Selbstverständlichkeit. Auch aus Rom gibt es bereits Zeichen, dies wieder zu untersagen.
Die spannende Frage bleibt sowieso, wie die Kirche am besten auf die Menschen zugeht, um sie für den Glauben zu gewinnen. Einige Ansätze wurden an diesem Abend aufgezeigt, auch auf bestehende Gruppen in der Kirchengemeinde verwiesen wie den Krabbelgottesdienst, den offenen Familientreff oder den Kindergottesdienst, aber auch auf den Jugendchor von St. Kolumban. - Wichtige Strukturen, die eine lebendige Kirchengemeinde ausmachen.
Große Zustimmung fand die Anregung, solche Diskussionsrunden öfters zu praktizieren.
Pfarrer Paul Magino leitete eine Kommission bei der Diözesansynode vor 20 Jahren. gki
Wendlingen | 15.04.2005 - 12:00
Gisela Jäckle bringt Steine zum Sprechen
Galerie der Stadt Wendlingen zeigt bis zum 29. Mai Skulpturen, Installationen und Bilder unter dem Titel „Zeit ohne Sein“
WENDLINGEN. Wieder einmal ist es dem Galerieverein Wendlingen gelungen, eine ganz besondere Ausstellung in die städtische ...
Region | 15.04.2005 - 12:00
Klinikum unterstützt Zentrum in Serbien
Klinikum unterstützt Zentrum in Serbien
Dieser Tage wurde in der Röntgenabteilung des Krankenhauses Kirchheim ein Mammografiegerät ausgesondert (Restwert 5000 Euro), das jetzt auf die Reise nach Serbien geht. Das zehn Jahre alte Gerät musste hier ...