Wendlingen

Kommentar zum Bauprojekt in Bodelshofen: Wenn es nach Stillstand riecht

Bezahlbarer Wohnraum braucht klare Entscheidungen – und Verwaltungen, die vorhandene Spielräume auch nutzen, meint Redakteur Philip Sandrock. Lesen Sie auch den Artikel „Hofgut Bodelshofen: Drei Jahre nach dem Brand fehlt die Baugenehmigung“.

Der Käferholzweg in Bodelshofen. Foto: NTZ-Archiv

WENDLINGEN. Bezahlbarer Wohnraum wird dringend benötigt. In Bodelshofen gab es dafür einen konkreten Vorschlag: Nach dem Brand einer Maschinenhalle wollten die Eigentümer des historischen Hofguts dort unter anderem sieben Wohnungen schaffen. Nach Angaben des Bauherrn auch sozialen Wohnraum. Seit Jahren kommt das Vorhaben jedoch nicht voran.

Natürlich muss das Baurecht eingehalten werden. Der geltende Bebauungsplan stammt aus dem Jahr 1972, mögliche Geruchsbelastungen durch die benachbarte Pferdehaltung müssen geprüft werden. Aber ein kategorisches Denken in Ausschlussgründen hilft nicht weiter. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hat 2024 in einem ähnlichen Fall klargestellt, dass selbst deutlich erhöhte Geruchswerte Wohnbebauung neben Landwirtschaft nicht automatisch ausschließen. Entscheidend sind Ortsüblichkeit, historische Prägung und der konkrete Einzelfall.

Rund um die Stallungen leben seit Jahrhunderten Menschen. Erst seit den 1970er-Jahren grenzt ein Bebauungsplan Hof und Häuser voneinander ab. Und gerade steht dieser Plan vor einer Neufassung. Gerade in solchen Gemengelagen braucht es Entscheidungen, die Spielräume ausloten, statt sie vorsorglich kleinzureden.

Leider ist das kein Wendlinger Problem. Immer wieder entsteht der Eindruck, dass in Verwaltungen die Angst vor einer falschen Entscheidung größer ist als der Wille, vorhandene Spielräume zu nutzen. Es scheint das Credo zu gelten: lieber gar nicht entscheiden als falsch zu liegen. Wer so verwaltet, minimiert vielleicht das eigene Risiko – aber eben auch die Chance, dass etwas vorangeht.

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