Wendlingen

Kommentar zur Stadtbücherei Wendlingen: Kahlschlag auf Raten?

Die Stadt Wendlingen setzt bei der Bücherei den Rotstift an. Bildung darf aber nicht zum freiwilligen Luxusgut werden, findet Redakteurin Gaby Kiedaisch.

Die Stadtbücherei Wendlingen. Foto: Philip Sandrock

WENDLINGEN. Die Entscheidung, die Öffnungszeiten der Stadtbücherei drastisch zu kürzen, schmerzt. Sie trifft eine Einrichtung, die weit mehr als ein reiner Buchverleih ist. Sie ist sozialer Treffpunkt, Bildungsort und ein Stück Lebensqualität für alle Generationen. Dass nun ausgerechnet hier der Rotstift angesetzt wird, hinterlässt einen faden Beigeschmack und ist ein bildungspolitischer Offenbarungseid. Wieder einmal zeigt sich: Wenn die Kassen leer sind, wird in Deutschland zuerst bei den Kleinsten und Klügsten gespart.

Dass die Bücherei rein rechtlich in den „Freiwilligkeitsbereich“ einer Kommune fällt, macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil: Es entlarvt eine fatale politische Prioritätensetzung. Eine Bücherei sollte kein Luxusgut einer Stadt sein. Sie ist der niederschwelligste Zugang zu Sprache, Kultur und Wissen, den wir haben – gerade für Kinder aus einkommensschwachen Familien.

Hier wird Lesekompetenz gefördert, hier entsteht Chancengleichheit. Diesen Ort nun ausgerechnet an Freitagen, Brückentagen sowie Samstagen in den Sommerferien zu schließen – also genau dann, wenn Familien und Schüler Zeit hätten – ist daher extrem kurzsichtig.

Doch so bitter dieser Schritt für die Bildung ist: Der lokalen Verwaltung vor Ort kann man nur bedingt einen Vorwurf machen. Unter den gegebenen Umständen handelt das Rathaus konsequent. Anstatt die verbleibenden Mitarbeiter durch Überlastung zu überfordern, zieht die Fachbereichsleitung die Notbremse. Das verbleibende Personal kann die Lücke nicht einfach auffangen. Weniger Personal bedeutet schlichtweg weniger Service.

Dass die Stadt den schwächsten Tag der Woche opfert und auf Kündigungen verzichtet, zeigt zumindest den Versuch, den Schaden für Angestellte und Büchereinutzer so gering wie möglich zu halten. Andererseits: Wer bei der Bildung den Rotstift ansetzt, spart am falschen Ende. Die Zeche für diese Haushaltskonsolidierung zahlen wir später doppelt durch schwindende Sprachkompetenz und Bildungsarmut.

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