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Gemeinderat gibt Startschuss für Umbau

Ganztagesschule jetzt greifbarer denn je: Wendlinger Gemeinderat steht zur Ganztagesschule auch ohne IZBB-Fördermittel

WENDLINGEN. Hat die Ganztagesschule in Wendlingen doch noch eine Zukunft? Nach dem Schrecken auf angeblich „verschenkte Fördergelder“ scheint dem neuesten Beschluss durch den Gemeinderat zufolge, die Ganztagesschule so greifbar wie nie zuvor. Schulleiter wie Elternvertreter sind nach der Podiumsdiskussion, zu der die Lokale Agenda im Rahmen ihrer Gesprächsrunde „Stadt Aktuell“ am Mittwochabend eingeladen hatte, zuversichtlich, dass die Ganztagesschule an der Ludwig-Uhland-Schule und an der Anne-Frank-Schule jetzt zügig umgesetzt werden kann. Bürgermeister Ziegler hatte den brandaktuellen Beschluss aus nichtöffentlicher Sitzung vor Lehrerschaft und Eltern bekannt gegeben.

Statt im Treff im Keim, wohin „Stadt Aktuell“ gewohnt einlädt, wechselte die Gesprächsrunde an den Ort des Geschehens, die Ludwig-Uhland-Schule, auch um den Zuhörern Gelegenheit zu bieten, sich einen Eindruck vor Ort zu machen.

Horst W. Bantel, der die Gesprächsrunde moderierte, machte bereits bei der Begrüßung der rund 100 Zuhörer neugierig auf das, was Bürgermeisters Ziegler im Verlauf des Abends an Neuigkeiten aus dem Gemeinderat mitbringen würde. Dabei kam bei den Betroffenen wie beim Publikum erstmals das Gefühl auf, dass es Gemeinderat und Verwaltung ernst meinen mit der Umsetzung zur Ganztagesschule. Nach der Pleite mit der IZBB-Förderung keimte erstmals wieder so etwas wie Hoffnung, dass die Ganztagesschule für Wendlingen doch nicht gestorben ist.

Damit jeder sich ein Bild machen konnte, worum es an diesem Abend geht, stellte Ulrich Renz die Konzeption für die Ganztagesschule an der Ludwig-Uhland-Schule und der Anne-Frank-Schule in Kürze vor. Dabei ging der Rektor der Ludwig-Uhland-Schule auf Grundsätzliches zur Ganztagesschule ein wie die familiären und gesellschaftlichen Veränderungen, und die kulturelle Vielfalt, aber auch das geplante Angebot, auf Kooperationen oder gemeinsames Schulcurriculum. An der Ludwig-Uhland-Schule beträgt der Ausländeranteil rund 30 Prozent, an der Anne-Frank-Schule ist er gegenwärtig bei über 50 Prozent. Die Ganztagesschule sei eine Chance für Schüler, die benachteiligt seien, um sie weiterzubringen, sagte er.

Auf große Zustimmung fiel das Konzept der Ganztagesschule bei den Vertretern auf dem Podium. Annette Kontner, vom Staatlichen Schulamt, zeigte sich sehr davon angetan: „Für Wendlingen eine gute Sache.“ Begrüßt wurde das Konzept auch von Ingrid Stetter, Stadträtin der CDU. Es sei allerdings falsch, dass die Ludwig-Uhland-Schule dem Gemeinderat egal sei, wie ihr immer wieder zu Ohren komme. Wegen der geplanten Ganztagesschule sei an der Schule in den letzten Jahren nur das allernotwendigste gemacht worden: „Zweimal damit anzufangen, wäre hinausgeschmissenes Geld gewesen.“ Schlüssig wirkt das Konzept der Ganztagesschule auch auf Dr. Gabriele Fitzner, Fraktionsvorsitzende der SPD. Die Freien Wähler tragen die Konzeption inhaltlich mit, sagte ihr Fraktionschef Werner Kinkelin, und er hofft, dass es entsprechend umgesetzt werden kann. Viel Engagement steckt im Konzept der Schule für Marianne Erdrich-Sommer (Vorsitzende der Grünen) drin, selbst Berufsschullehrerin, und viel Vertrauen in die Lehrerschaft der Ludwig-Uhland-Schule setzt. Als letzte in der Runde sprach Elternbeiratsvorsitzende Heike Knab. Sie appellierte an den Gemeinderat und die Stadtverwaltung, nun die Voraussetzungen für die Schule zu schaffen, damit auch die zusätzlichen Lehrerstunden genutzt werden können. Knab: „Die Lehrer sind bereit, das Konzept umzusetzen.“

In einer zweiten Runde der Podiumsdiskussion ging es dann ans Eingemachte: Was hatte der Gemeinderat am Dienstag noch kurz vor Mitternacht beschlossen? Darauf waren alle gespannt.

Bürgermeister Frank Ziegler dankte zunächst Ulrich Renz und Heribert Wolf für das Konzept. Dann ging er nochmals auf den Vorwurf der „verschenkten Gelder“ im Zusammenhang der IZBB-Förderung ein. Bislang habe kein Schulträger einen positiven Bescheid bekommen, sagte er. Nach dem Windhundprinzip das Geld zu verteilen, sei seiner Ansicht nach unlogisch, da nach den Vorstellungen des Bundes Brennpunktschulen bevorzugt werden sollten. Ein Großteil habe das Land jedoch an private Schulen und Gymnasien verteilt.

In diesem Zusammenhang ist von tragender Bedeutung, dass der Gemeinderat auch dann an seinem Grundsatzbeschluss zur Einrichtung der Ganztagesschule aus dem Jahr 2002 festhalten will, auch wenn die IZBB-Förderung wegfällt, das war einer der Beschlüsse, den der Gemeinderat am Dienstag hinter verschlossenen Türen nach dreistündiger Diskussion fasste. Das erstaunte am Mittwoch dann doch die Zuhörerschaft, weil sich jeder fragte, wo die Stadt die Gelder dafür auftreiben will, angesichts der angespannten Haushaltslage. Zum einen hofft die Stadt nun, dass das Förderprogramm vom Bund aufgestockt wird oder das Land ein neues auflegen wird. Darum bemühen sich die kommunalen Spitzenverbände. Zum anderen hat die Stadt seit dem Grundsatzbeschluss Jahr für Jahr Gelder für die Ganztagesschule in den Haushalt eingestellt - noch bevor es eine IZBB-Förderung gegeben hat. Nach den Äußerungen von Bürgermeister Ziegler und Stadtkämmerer Volker Ilg stehen für den Ausbau zur Ganztagesschule mehr als 2,8 Millionen Euro bereit - so viel wie nach den bisherigen Planungen benötigt werden. Was im Stadtsäckel allerdings fehlt, sind die Gelder für die Folgekosten, die eine Auslagerung der Musikschule in ein eventuell neues Gebäude (Stadthaus) bringen würde.

Nach den bisherigen Planungen hat die Schule einen Raumbedarf von insgesamt 745 Quadratmetern. Dieser kann durch die Auslagerung schulfremder Nutzer - wie die Musikschule, das DRK und die Grundschulförderklasse - durch den frei werdenden Platz in der Schule verwirklicht werden. Es fehlen lediglich rund 40 Quadratmeter. Demnach wäre auch kein weiterer Anbau für die Ganztagesschule notwendig. Der zweite Beschluss des Gemeinderats wird noch ergänzt durch den Zusatz, dass das den bisherigen Planungen zugrunde liegende Raumprogramm zu optimieren sei. Wie das aussehen soll, darüber muss noch diskutiert werden.

Als letztes bekannte sich der Gemeinderat dazu, so Bürgermeister Ziegler in der Podiumsdiskussion, die Lindenschule weiter als Grundschule zu erhalten.

„Wir sehen viel Licht am dunklen Horizont“, war das Fazit von Heribert Wolf, Rektor der Anne-Frank-Schule, auf die drei neu gefassten Beschlüsse des Gemeinderats. Zuversichtlich zeigte sich auch Ulrich Renz, und hoffte, dass die Lehrerschaft nun auch ins Planungsboot hineingenommen werde. An die Umsetzung sollte nun zügig herangegangen werden.

Erste Gespräche zwischen den Schulleitern der beiden Schulen und der Stadt wird es bereits Anfang Mai dazu geben. „Die Ganztagesschule hat für uns erste Priorität“, bekannte sich Bürgermeister Ziegler.

Konkreteres erfuhr die Zuhörerschaft an diesem Abend nun auch über die Zeitschiene, bis wann die Ganztagesschule verwirklicht werden soll. Wenig Hoffnung machte Werner Kinkelin auf September 2006, was früher einmal anvisiert gewesen war. Für realistischer hält er 2007, aber auch 2008 sei durchaus möglich.

Fragt sich nur, wohin die Musikschule ausgelagert wird und das DRK. Das soll auf der Klausurtagung am 4. Juni geklärt werden. Wogen die Emotionen während der Diskussion angesichts des brisanten Themas bisweilen doch recht hoch, so regte sich am Ende der Veranstaltung auch in der Elternschaft ein gewisses Vertrauen auf die Ankündigungen. Geklärt wissen wollte eine Zuhörerin, bis wann die zusätzlich genehmigten Deputate für die Ganztagesschule abberufen werden müssen. Annette Kontner vom Staatlichen Schulamt konnte beruhigen: von der zeitlichen Schiene dürfte es nach ihrer Meinung keine Probleme mehr geben, da sich die Stadt mit ihren jetzt gefassten Beschlüssen klar zur Schule bekannt habe.

In der Gesprächsrunde „Stadt Aktuell“ wartete Bürgermeister Ziegler mit einer Überraschung auf: Die Ganztagesschule soll nun zügig an der Ludwig-Uhland-Schule umgesetzt werden.

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