NTZ+ Logo Wendlingen

Eine Schatzkiste mit vielen Talenten

Die Nürtingerin Karin Ecker ist die neue Rektorin am Wendlinger Robert-Bosch-Gymnasium

Mit Goethe auf ihrem Schreibtisch fest im Blick leitet Karin Ecker seit Anfang des Schuljahres das Gymnasium in Wendlingen. gki

WENDLINGEN. Schüler haben heute viele Möglichkeiten sich zu entwickeln. Ein gutes Beispiel dafür ist das Weihnachtsvideo auf der Homepage des Robert-Bosch-Gymnasiums. Da wünschen gemeinsam Schüler und Lehrer frohe Weihnachten auf eine Art wie man es im Schulalltag selten sieht. Beim Hit „All I Want for Christmas Is You“ von Mariah Carey macht auch die Schulleitung keinen Rückzieher. Es kann sogar auf Youtube hochgeladen werden, die Video-AG machte den Clip möglich. Geht man da nicht gerne in die Schule?

„Ich bin sehr gerne zur Schule gegangen.“ Ein Geständnis, das man heutzutage selten genug hört. Für eine Schulleiterin – nicht ungewöhnlich, mag man denken, und doch ist für die studierte Deutsch- und Chemielehrerin nicht alles beruflich so gelaufen, wie ursprünglich von ihr anvisiert. Das Schicksal des Einstellungsstopps für Lehrer teilt Karin Ecker mit vielen anderen Lehrern von damals. Und dennoch hat sich im Laufe der Jahre alles zum Besten gefügt. Eine Erkenntnis, die die Mutter einer inzwischen erwachsenen Tochter, jungen Frauen in ähnlicher Situation, gerne auf den Weg geben will: nie sein Ziel aus den Augen zu verlieren.

Seit fünfeinhalb Monaten leitet die Oberstudiendirektorin nun das Robert-Bosch-Gymnasium. Und hat es nach eigenem Bekunden „nicht bereut, nach Wendlingen gekommen zu sein“. „Ich bin freundlich aufgenommen worden und bin auf ein sehr motiviertes junges Lehrerteam gestoßen.“ 735 Schüler hat das Robert-Bosch-Gymnasium derzeit.

Die gebürtige Mannheimerin hat in Schwetzingen das Gymnasium besucht und in Stuttgart Deutsch und Chemie studiert. Nach ihrem Referendariat in Stockach, Singen und Rottweil, machte sie noch eine Zusatzausbildung für Deutsch als Fremdsprache und lehrte zwölf Jahre ausländische Führungskräfte von Dax-Unternehmen Deutsch in Frankfurt. Durch einen Umzug nach Huntsville im US-Bundesstaat Alabama, wo ihr Mann bei der NASA arbeitete, kam es, dass sie ein Jahr an einem Forschungslabor der Universität tätig war. Auf diese Erfahrungen will Karin Ecker heute nicht mehr verzichten. Sie haben ihr Leben bereichert. Davon kann sie heute einiges an ihre Schüler weitergeben.

Eine Anfrage beim Oberschulamt war erfolgreich

Auf Eigeninitiative hin bewarb sie sich dann vor 16 Jahren für den Schuldienst, und hatte in kürzester Zeit ihre erste Stelle. Seit 2001 unterrichtete die Kurpfälzerin Deutsch am Gymnasium in der Glemsaue in Ditzingen, danach war Karin Ecker acht Jahre am Schlossgymnasium in Kirchheim tätig, wo sie als Lehrerin sowie Abteilungsleiterin für Schul- und Qualitätsentwicklung arbeitete. Schon hier war ihr das Schulmanagement nicht fremd.

Lehrerin ist ihr Traumberuf. Schon immer. Das hat schon damit begonnen, als ihr Vater eine große Schiefertafel im Kinderzimmer an der Wand anbringen ließ. Er hatte ebenfalls diesen Traum, konnte ihn aber nicht verwirklichen. Sie selbst bezeichnet sich als „Schultür-Fetischistin“ und lacht dabei. Es sei diese besondere Atmosphäre, die man schon beim Betreten der Schule wahrnehme. Ein eigenständiges Reich für Schüler und Lehrer mit einer ganz eigenen Komplexität, strahlt sie übers ganze Gesicht, während sie das sagt. Schule sei wie „eine Schatzkiste“, mit einem geballten Potenzial an vielen unterschiedlichen Talenten. „Man muss sich umschauen, was für Schätze zu heben sind“, so die neue Rektorin. Und es könnten sich schöne Beziehungen zwischen Schüler und Lehrer entwickeln im besten Sinne, die für die Schüler motivierend sein könnten fürs ganze berufliche Leben. „Das ist faszinierend.“

Neben ihren Aufgaben als Schulleiterin und als Prüfungsvorsitzende in den Fächern Deutsch und Chemie für das Staatsexamen unterrichtet sie am Robert-Bosch-Gymnasium das Fach Deutsch. Für mehr reiche es nicht. Trotzdem habe sie schon viele Begegnungen mit den Schülern gehabt, habe alle Klassen besucht, die SMV und andere Einrichtungen wie die Streitschlichter oder die Sanitäter. Noch nicht ausgewertet ist eine Umfrage, die die Rektorin unter den „Fachleuten“ in Sachen Schule, wie sie die Schüler nennt, gestartet hat, und darin von ihnen wissen möchte, was sie gut an der Schule finden und was verbesserungswürdig ist. Angesprochen worden sei sie von Schülern auf das ausgelaufene EU-Projekt „kostenloses Schulobst“. Hier hofft sie beim Förderverein der Schule auf offene Ohren zu stoßen, um daran wieder anknüpfen zu können.

Sorgen bereiten Karin Ecker die unverbindliche Grundschulempfehlung, auch wenn diese künftig bei der Anmeldung wieder vorgelegt werden muss. Letztlich entscheiden die Eltern trotzdem, welche weiterführende Schule ihr Kind besuchen soll. Eine verbindliche Beratung hält Karin Ecker, die in Nürtingen mit ihrem Mann wohnt, deshalb für sinnvoll. Denn ein Kind das wegen schlechter Noten vom Gymnasium wieder müsse, habe es anschließend viel schwerer. Dabei böte das deutsche Schulsystem so viele Möglichkeiten, auf anderen Wegen die Hochschulreife zu erlangen. Sie sagt: „Wir sind eine leistungsorientierte Schule, und sind dazu da, Schüler studierfähig zu machen.“ Deshalb ist ihr Credo: „Sowohl fördern als auch fordern.“ Schule müsse genauso auf Leistung schauen. „Kinder wollen gefordert werden, das sind wir ihnen schuldig“, davon ist sie fest überzeugt. Und da sind wir wieder bei der Schatzsuche angelangt. Seit drei Jahren nutzt das Gymnasium deshalb die Möglichkeit der Begabtenförderung.

„Lehrer haben mehr Wertschätzung verdient“

Nicht glücklich ist Karin Ecker über den Ruf der Lehrer. Zu Unrecht, meint sie, würden sie als faul bezeichnet, weil sie nachmittags frei und alle paar Wochen Ferien hätten – davon könne nicht die Rede sein. Selbst mancher Politiker habe hier eine falsche Vorstellung, wenn er wie jüngst Präsenzpflicht an der Schule fordere. In den dicht gedrängten Lehrerzimmern wie es sie überall im Land gibt, hätten die Lehrer kaum Platz für ihre eigenen Unterlagen. Vorbereitungen des Unterrichts und Korrekturen von Arbeiten, um nur einige Beispiele zu nennen, gehören deshalb für Lehrer zu den „Hausaufgaben“. „Lehrer haben mehr Wertschätzung verdient.“

Um Wertschätzung geht es auch bei „Jugend debattiert“. Dafür will sich Karin Ecker auch an ihrer neuen Schule stark machen. Während ihrer Kirchheimer Zeit haben viele Gymnasiasten von diesem bundesweiten Schülerwettbewerb zur sprachlichen und politischen Bildung schon profitiert. Diese Möglichkeit sollen nun auch die Wendlinger Schüler erhalten.

Wie das Schulzentrum Am Berg sich künftig weiter entwickeln könne, das ist nur ein Thema, das die Rektorin angehen möchte. Mit ihrer Kollegin von der Realschule ist sie da einig, dass dies nur gemeinsam geschehen könne. Deshalb ist ein regelmäßiger Runder Tisch geplant. Genauso will sie sich mit den anderen Schulen wie Grundschule, Förderschule und Gemeinschaftsschule zum Wohle der Schüler abstimmen. Karin Ecker ist voller Tatendrang und Ideen.

Lehrer als Traumberuf? Von ihrer damaligen Abschlussklasse im Gymnasium haben 16 von 25 Schüler den Lehrerberuf ergriffen. – Davon sollte es mehr geben.

Zur Startseite