Das Wasserwerk, die Abwasserentsorgung und das Freibad treiben Wendlingens Pro-Kopf-Verschuldung in die Höhe
WENDLINGEN. Wenn Wendlingens Gemeinderat morgen Abend den Haushalt für das Jahr 2005 „festklopft“, geht es um die stolze Summe von bald 26 Millionen Euro. Bestandteil eines jeden Haushaltsplanes sind immer auch die Wirtschaftspläne der Eigenbetriebe einer Kommune. In Wendlingen sind dies drei Eigenbetriebe: das Wasserwerk, die Abwasserentsorgung und das Freibad. Die Zahlen dieser Wirtschaftspläne sind interessant vor allem auch im Blick darauf, dass diese den Schuldenstand pro Kopf gewaltig zum Explodieren bringen. Beträgt dieser Schuldenstand aufgrund der Daten des Verwaltungs- und Vermögenshaushaltes 2005 gerade mal 66 Euro pro Einwohner, erhöht sich dieser Betrag mit den Eigenbetrieben kurzerhand auf 1069 Euro. Die Dienste der Eigenbetriebe allerdings sind schier unverzichtbar.
Beschäftigt sind in den drei Eigenbetrieben der Stadt Wendlingen übrigens elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie teilen sich insgesamt 7,33 Stellen. Die Stellen verteilen sich auf die Eigenbetriebe wie folgt: Wasserwerk 3,7 Stellen, Abwasserentsorgung 1,13 Stellen und Freibad 2,5 Stellen.
Der Eigenbetrieb Wasserwerk weist in seinem Erfolgsplan auf der Ertragsseite 1,5 Millionen Euro und auf seiner Aufwandseite 1,39 Millionen Euro auf. Der Vermögensplan umfasst in den Einnahmen und Ausgaben 745 000 Euro. Beim Blick auf die Erträge im Erfolgsplan fällt der Wasserzins mit einer Summe von 1 386 200 Euro auf. Dieser Summe liegt ein für 2005 geschätzter Gesamtverbrauch an Wasser von 730 000 Kubikmetern zu Grunde.
Bei den Ausgaben im Erfolgsplan des Wasserwerkes fällt der Aufwand für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und der für bezogene Waren in Höhe von 260 900 Euro auf. Für den Bezug von Fremdwasser, damit ist das Wasser der Bodenseewasserversorgung gemeint, fallen 167 400 Euro an.
Für den so genannten „Wasserpfennig“ muss im Jahr 2005 die Summe von 24 500 Euro aufgebracht werden. Der Wasserpfennig wurde 1988 zum Schutz des Grundwassers im Land eingeführt. Er wird auf den Verbrauch von öffentlichem Wasser erhoben und kostet derzeit 5,1 Cent pro Kubikmeter Wasser. Jährlich bringt dieser Wasserpfennig 80 Millionen Euro in die Landeskasse.
Kosten fallen im Eigenbetrieb Wasserwerk allerdings auch an für den Betrieb der Hochbehälter und Pumpstationen. Hier sind 36 500 Euro eingestellt. Die laufende Kontrolle der Qualität des Trinkwassers macht laufende Wasseruntersuchungen notwendig. Die kosten übers Jahr verteilt 12 000 Euro.
Trotz der mit rund 250 000 Euro recht hohen Schuldzinsen des Wasserwerks schließt der Erfolgsplan im Jahr 2005 mit einem Gewinn von 110 000 Euro ab.
Im Vermögensplan tauchen die für 2005 geplanten Sanierungsmaßnahmen detailliert auf. 40 000 Euro sind an Investitionen im Hochbehälter Eschle geplant. Neue beziehungsweise der Austausch von Wasserleitungen in der Kirchheimer Straße, dem Finkenweg, der Steigäckerstraße, der Hauptstraße und im Durchstich der Bismarckstraße sind geplant und mit 337 000 Euro veranschlagt. Um all das zu schultern, sind im Wirtschaftsjahr 2005 neue Kredite in Höhe von 275 000 Euro vorgesehen.
Kosten für Abwasserentsorgung
Der Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Abwasserentsorgung weist auf der Ertragsseite des Erfolgsplans 2,2 Millionen Euro und auf der Aufwandseite 2,29 Millionen Euro auf. Der Vermögensplan zeigt 1,6 Millionen an. Der Gesamtbetrag der vorgesehenen Kreditaufnahmen beträgt 1,03 Millionen Euro. Der Zins für Fremddarlehen wird im Jahr 2005 die stolze Summe von 550 000 Euro ausmachen.
Die vom Eigenbetrieb geschätzte Abwassermenge wird für das laufende Jahr auf 695 000 Kubikmeter festgesetzt. Bei einer Abwassergebühr von 2,25 Euro pro Kubikmeter beschert dies eine Einnahme an Abwassergebühr von 1,563 Millionen Euro. Und dieses Geld wird auch dringend gebraucht. Werden doch allein die Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe mit 418 000 Euro veranschlagt. Für die Kanalsanierung nach der Eigenkontrollverordnung, für den Austausch und den Neubau von Kanälen sieht der Finanzplan 2005 eine Summe von bald 700 000 Euro vor. Das Wirtschaftsjahr 2005 schließt bei der Abwasserentsorgung vermutlich mit einem Defizit von rund 90 000 Euro ab.
Verluste beim Freibadbetrieb
Verluste im Eigenbetrieb Freibad sind normal. Auch für 2005 wird von einem Jahresverlust von voraussichtlich 340 000 Euro ausgegangen. Der gesamte Freibadbetrieb verursacht im Erfolgsplan einen Aufwand von 655 000 Euro. Dem stehen Erträge von 320 000 Euro gegenüber.
Die Erlöse, die der Eigenbetrieb Freibad erzielen wird, sind schnell aufgelistet: Benutzungsgebühren, also Eintrittsgelder, in Höhe von 305 200 Euro, sonstige Umsatzerlöse 700 Euro, Wohnungsmiete 4600 Euro und Pachtzins Kiosk 9500 Euro. Dieser Gesamtsumme von 320 000 Euro stehen Ausgaben von 655 000 Euro gegenüber.
Allein die Kosten für Wasser und Abwasser werden mit 61 200 Euro veranschlagt. Die Kosten für Strom liegen bei 52 000 Euro. Gut beraten war die Stadt, die Solaranlagen im Freibad zu erweitern, um hier die Kosenreduzierungen weiter voranzutreiben. Hinzu kommen die Ausgaben für die Gerätschaften, für Schutzkleidung, für Gebäudeunterhaltung und nicht zuletzt die Löhne für die Freibad-Mitarbeiter. Das Ende vom Lied ist ein Verlust von voraussichtlich 335 000 Euro für den Freibadbetreiber, die Stadt Wendlingen.
Wünschen mag man angesichts dieses Zuschussbetriebs vor allem viele sonnige Tage, damit sich die Prognosen der Besucherzahlen auch verwirklichen lassen. Diese Zahlen können nämlich ganz schön schwanken, wie eine Statistik der Freibadverwaltung aufzeigt. 1994 beispielsweise zählte das Freibad Wendlingen insgesamt 214 003 Besucher. Ganz schlecht muss das Wetter 1996 gewesen sein, „nur“ 119 145 Gäste fanden den Weg ins Freibad. Der Rekord-Sommer 2003 schlug mit 215 485 Besuchern zu Buche und im vergangenen Jahr waren es 152 096 Badegäste.
Das Wendlinger Freibad ist einer von drei wirtschaftlich selbständig geführten Eigenbetrieben der Stadt. sel