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Bodelshofen ­ ein Sonderweg in der Geschichte

Wechselnde Besitzverhältnisse in der zweitkleinsten Kirchengemeinde Württembergs - 1933 nach Wendlingen eingemeindet

WENDLINGEN-BODELSHOFEN. Für viele ist Bodelshofen etwas Besonderes: Die Jakobuskirche, die Zwischenstation für viele Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela war, und die wechselvollen Besitzverhältnisse zeichnen die bis heute zweitkleinste Kirchengemeinde Württembergs als ein geschichtsträchtiges Kleinod aus, das seinen besonderen Charme bis heute bewahrt hat.

Zu den Verehrerinnen des Weilers, der seit 1933 Stadtteil von Wendlingen ist, gehört Renate Treuherz. Die Lehrerin für Deutsch, Ethik und Geschichte am Ludwig-Uhland-Gymnasium in Kirchheim beschäftigt sich auch in ihrer Freizeit mit der Historie. Bodelshofen gibt hierfür genügend Belege aus der Vergangenheit, die ihr Interesse geweckt haben. Auf Einladung des Schwäbischen Heimatbunds, Regionalgruppe Kirchheim, führte sie am vergangenen Mittwoch eine 45-köpfige Personengruppe durch die wechselhafte Geschichte Bodelshofens.

Bereits in der Jungsteinzeit wurde der heutige Weiler von Menschen besiedelt. Obwohl die einzige planmäßige Ausgrabung im Stadtteil Unterboihingen in den 1960ern gemacht wurde, ist die größte jungsteinzeitliche Siedlung der Stadt Wendlingen in Bodelshofen zu finden. Verschiedene Fundplätze mit Waffen, Hausgeräten, Grundmauern von Häusern belegen dies. Alleine 208 solcher Funde gehen auf Baumaßnahmen zurück, die zwischen 1970 bis 1972 in zwei Baugruben gefunden wurden.

Auf Mauern aus Keltenzeit erbaut

Heute glaubt man, dass dort, wo sich die Jakobuskirche befindet, früher ein keltisches Heiligtum gethront hat. Zu dieser Erkenntnis kommen Experten, weil eine künstliche Wasserader in der Mitte der Kirche und quer durch das Kirchenschiff geflossen ist. Von den Kelten weiß man, dass sie auch Wasser an bestimmte Stellen unter der Erde geführt haben. Auf so eine Wasserader ist man bei Renovierungsarbeiten im Jahr 1964 gestoßen. Renate Treuherz ist auch überzeugt davon, dass die Kirche, die auf das Jahr 1105 zurückgehen soll - erste urkundliche Erwähnungen reichen bis 1268 zurück - auf den ursprünglichen Mauern aus der Keltenzeit errichtet worden ist.

Während die Gemeinden Wendlingen und Unterboihingen früher zu den Grafen von Aichelberg gehörten, hatten in Bodelshofen die Herzöge von der Teck das Sagen. Mit der Reformationszeit wurden die Spuren der früheren katholischen Kirche verwischt. Bei der Generalsanierung der Kirche im Jahre 1964, bei der die Kirche entwässert und meterhoch umgraben wurde, kam beim Abschlagen des Putzes Seccomalerei zutage. „Im Gegensatz zum Fresco eine Wandmalerei, die auf trockenem Putz ausgeführt wird“, erläuterte Renate Treuherz. Sofort taten sich Ähnlichkeiten auf mit der Kirche in Schwieberdingen. Daraus schloss man, dass das Secco zwischen 1420 und 1430 entstanden sein muss. Es stellt sich für Treuherz die Frage, wer Interesse an so einer Ausschmückung der Kirche gehabt haben könnte. Die Geschichtslehrerin: „Die Herren von Wernau haben den Weiler gekauft, um hier einen würdigen Ort für sich zu finden.“ Der Historiker Dr. Gerhard Hergenröder komme allerdings zu einem anderen Schluss: danach wollten sie eine angemessene Begräbnisstätte für sich gestalten.

Von Stockhausens Glasfenster

Nicht nur der Passionszyklus mit seinen einzelnen Stationen bis zur Kreuzigung ziert den Kirchenraum, auch die vier Glasfenster sind eine besondere Bereicherung: Sie stammen von dem renommierten Künstler Hans-Gottfried von Stockhausen. „Die Kirche zeigt die Entwicklung seines Lebenswerks auf“, wies Renate Treuherz bei der Führung durch die Jakobuskirche hin. Von Stockhausen hat sich mit seinen Werken zwischen den Jahren 1953 bis 1998 in dem Kirchlein verewigt.

Auf dem Weg nach Santiago

Die Jakobuskirche von Bodelshofen gehörte zu den Pilgerstationen im Mittelalter, die in jüngster Zeit wieder entdeckt wurden. Das Muschel-Stern-Symbol weist an der Straße auf die Besonderheit. Anhand von Funden, die bei Ausgrabungen gemacht wurden, konnte rekonstruiert werden, dass Bodelshofen eine Station auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela gewesen ist. - „Eine der größten Wallfahrtsbewegungen des Abendlandes“, erläuterte Renate Treuherz, die vergleichbar mit Rom und Jerusalem sei. Die Pilgergruppen sammelten sich hier oder suchten hier eine Nachtstätte auf ihrem weiten Weg nach Spanien.

Wechselvoll sind die Besitzverhältnisse von Bodelshofen. Schriftlich festgehalten ist als Eigentümer das Dominikanerinnenkloster von Kirchheim, das den Hof 1292 erworben hat. Gleiches geschah 1451, als die Nonnen den Weiler an die Herren von Wernau übergaben, jedoch nicht den Klosterhof.

Schloss wird abgebrochen

Mit dem Verkauf Wendlingens an Württemberg im Jahr 1545 zog sich Wolf Heinrich von Wernau nach Bodelshofen zurück. Bestandteil des Verkaufvertrages war eine neue Residenz, die sich Wolf Heinrich auf Kosten von Herzog Ulrich in Bodelshofen errichten ließ. Hierbei handelte es sich um das Schloss im Kirchheimer Tiergarten, das abgebrochen und in Bodelshofen wieder aufgebaut wurde. Doch eine lange Lebensdauer war dem Schloss nicht vergönnt: Franz Gottlieb von Palm ließ es 1744 teilweise abbrechen, nachdem er es vier Jahre vorher mit dem Hofgut erworben hatte. Der Bankier von Palm hatte Größeres vor: ein Residenzschloss mit einer weitläufigen Gartenanlage. Doch dazu kam es nicht, nachdem der Adlige kurze Zeit später verstarb. In der damaligen Zeit war auch Steinbach und das Stadtpalais in Esslingen in den Besitz von Palms gekommen.

Mit der Heirat Berthold Schillings von Cannstatt mit Apollonia, einer Schwester von Wolf Heinrich von Wernau, kam Bodelshofen 1550 in den Besitz Württembergs. Abermals änderten sich die Besitzverhältnisse im Jahre 1616, als Bodelshofen an das Herzogtum Württemberg verkauft wurde. Damit wurde eine jahrhundertealte Klausel aufgehoben, nämlich dass Bodelshofen katholisch bleibt. „Damit wurde die Reformation in dem Weiler eingeführt“, erklärte die Führerin ihren Zuhörern. Protest blieb von den damals 40 Einwohnern nicht aus, die sich gegen die Zwangskonvertierung zunächst zur Wehr setzten.

Noch ein paar Mal wechselten die Besitzverhältnisse des kleinen Weilers, bis Gudrun von Massenbach, die Mutter des heutigen Gutsbesitzers Heiko Freiherr von Massenbach, das Gut im Jahre 1947 erbte.

Bodelshofen hatte lange Zeit einen Sonderstatus: seit 1829 wurde es gegen den Willen Wendlingens Teilgemeinde mit einigen Sonderrechten. So konnten sich die Bodelshofer auf ein eigenes Bürgerrecht berufen oder hatten einen eigenen Ortsvorsteher. Endgültig wurde der Weiler mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 nach Wendlingen eingemeindet. Seither ist er der kleinste Wendlinger Stadtteil.

Regelmäßig wandeln Interessierte auf geschichtsträchtigen Spuren. Der Schwäbische Heimatbund, Regionalgruppe Kirchheim, war diesmal in Bodelshofen. gki

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