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Pendler leiden unter dem Bahnchaos mit überfüllten Zügen

Bauarbeiten, reduzierte Taktung sorgen dafür, dass weniger Züge auf der Strecke unterwegs sind. Nun kommen auch noch die Folgen einer beschädigten Oberleitung hinzu.

Bahnfahrer auf der Strecke zwischen Tübingen und Stuttgart sind derzeit besonders gebeutelt, denn sie müssen ihre Fahrt in überfüllten Waggons oft stehend ertragen. Foto: Sylvia Gierlichs

WENDLINGEN. Wer derzeit mit der Bahn zwischen Tübingen und Stuttgart unterwegs ist, braucht starke Nerven. Statt der Metropolexpresse 12 und 18 fährt derzeit nur der MEX 12. Der RE6, der nicht überall hält, ist ebenfalls nicht mehr unterwegs. Die Züge, die fahren, sind dafür heillos überfüllt. Denn es fahren nur noch Kurzzüge.

Wer beispielsweise am Montagnachmittag von Stuttgart nach Nürtingen wollte, fand schon am Hauptbahnhof der Landeshauptstadt keinen Sitzplatz mehr, denn es kamen auf die Anzahl der Sitzplätze gut und gerne die doppelte Anzahl Pendler. Obwohl sich die Fahrgäste bei sommerlichen Temperaturen in den Gängen unangenehm nahekamen, drängten sich immer mehr Menschen in den Zug. Die Situation wurde jedoch noch schlimmer, als in Cannstatt und Esslingen etliche weitere Pendler in die Waggons drängten.

Nur ein Wagen für den Berufsverkehr

Am Mittwochmorgen, kurz vor 8 Uhr, erreichte uns dann die Zuschrift eines Lesers, der ähnliches auf dem Weg nach Stuttgart erlebte. „Dass auf der Strecke Tübingen-Stuttgart wegen Bauarbeiten Züge momentan nur stündlich fahren, ist ärgerlich, aber muss wohl sein“, räumte er zwar ein. Dass dann aber auf ebendieser Strecke für die verbleibenden wenigen Züge im morgendlichen Berufsverkehr nur ein ganzer Wagen eingesetzt wird, machte ihn einfach ärgerlich. Denn dadurch sammelte das Züglein an jeder Station ordentlich Verspätung auf, bis „alle Sardinen in die Dose passen“.

Ein anderer Fahrgast machte uns darauf aufmerksam, dass er bereits mehrfach beobachten konnte, dass es in den überfüllten Zügen nicht für alle Mitfahrer die Gelegenheit gibt, sich festzuhalten. „Bei schnellen Fahrtbewegungen kamen manche stark ins Straucheln“, schreibt er uns. Darüber möchte ich darauf aufmerksam machen, dass beispielsweise Rollstuhlfahrer aufgrund des begrenzten Platzangebotes keine Zustiegsmöglichkeit mehr haben. „Da ich selbst längere Zeit auf einen Rollstuhl angewiesen war, kann ich diesen Sachverhalt gut einschätzen“, sagt er.

Und in der Tat sind auf der Strecke Tübingen-Stuttgart derzeit viele Baustellen. Unter anderem an den Bahnhöfen in Reutlingen und Oberboihingen. Dort werden gerade die Bahnsteige an Gleis 2 erneuert, sodass für Züge in beide Richtungen nur ein Gleis zur Verfügung steht. Für die Mitarbeiter der DB, die diese baustellenbedingten Fahrpläne erstellen, ist es eine Herkulesaufgabe, so zu planen, dass alle Fahrgäste trotz Einschränkungen sicher ans Ziel kommen. Indes, warum bei ohnehin ausgedünntem Fahrplan nur Kurzzüge unterwegs sind, erschließt sich den Fahrgästen nicht. Wir fragten bei der Deutschen Bahn nach, wie es zu dieser für Bahnkunden herausfordernden Situation kommen konnte.

Instandsetzung der beschädigten Züge dauert noch an

„Es ist in letzter Zeit vermehrt zu Beschädigungen an den Stromabnehmern gekommen. Uns war lange unerklärlich, wie es zu diesen Beschädigungen kommen konnte“, erklärte ein Bahnsprecher. Dann allerdings fand man heraus, dass eine beschädigte Oberleitung der Grund ist. Die Leitung wurde zwar mittlerweile repariert. Ganz so schnell geht es allerdings bei der Instandsetzung der Züge nicht.

Der DB-Sprecher versicherte zwar, dass man mit Hochdruck daran arbeite, die Schäden auch an den Stromabnehmern zu beheben. Dass diese jedoch reihenweise kaputtgehen, kommt in der Regel nicht vor. Und so leerten sich die Lager in den Werkstätten der DB und es mussten Ersatzteile beim Hersteller bestellt werden.

An die Züge, die noch im Einsatz sind, einfach zwei drei Waggons anzuhängen, um die Situation für die Fahrgäste zu entspannen, sei keine Option. Denn von den Schäden am Stromabnehmer seien schlicht zu viele Waggons betroffen. „Die Situation wird jedoch nun für die Fahrgäste von Tag zu Tag besser“, versicherte der Bahnsprecher. Man wisse, dass Pendler derzeit viele Unannehmlichkeiten ertragen müssten, räumte er ein und dankte den Menschen, die auf der Strecke Tübingen-Stuttgart unterwegs sind, für ihre Geduld.

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