Oberensingen

Kommentar zum Zustand der Rasenplätze: Es müssen Lösungen her

Fußball-Verbandsliga: Mehrere Vereine in Nürtingen klagen über verbrannte Sportstätten. Eine reine Kapitulation vor dem Klimawandel ist unzureichend. Auf Dauer braucht es neue Ideen und eine bessere Kommunikation, findet Sportredakteur Julian Kaiser. Lesen Sie auch den Artikel „‘Einfach nur peinlich‘: TSV Oberensingen übt scharfe Kritik an der Stadt Nürtingen“.

Die TSV Oberensingen bestreitet seine Heimspiele derzeit auf einem verbrannten Naturrasen. Foto: Nico Bauhof

Die Rasenplätze im Nürtinger Stadtgebiet geben dieser Tage ein gleichmäßiges, aber ebenso irritierendes Bild ab: Ob bei der SPV 05 Nürtingen, beim FV 09 oder der TSV Oberensingen, es diktiert das Braun. Dass die Stadt Nürtingen darauf verweist, man müsse sich angesichts des Klimawandels an diesen Anblick gewöhnen, klingt wie die Kapitulation vor einer Entwicklung, die absehbar war. Fraglos ist es wichtiger, genügend Wasser zum Trinken oder zum Duschen zur Verfügung zu stellen, als Sportplätze auf einem guten Niveau zu halten. Die Frage nach langfristigen Lösungen muss dennoch erlaubt sein. Sich schlichtweg auf (hoffentlich) bald wieder einsetzenden Regen und steigende Pegelstände zu verlassen, ist zu wenig. Regenzisternen, wie sie beispielsweise in Großbettlingen gebaut wurden, sind eine Option. Auch der Dialog mit Nachbarorten, die mit der Problematik offenbar deutlich besser umgehen, ist ein gangbarer Weg.

Kommunikation ist in der derzeitigen Situation ohnehin ein zentrales Mittel. Gegenseitige Schuldzuweisungen und Diskussionen werden die Plätze nicht plötzlich wieder in einem saftigen Grün erstrahlen lassen. Die Vereine mit ihren ehrenamtlichen Helfern, die ihr Sportgelände und die Bedürfnisse wie ihre eigene Westentasche kennen, stärker einzubinden und abzuholen, erscheint dringend geboten und erforderlich. In der Bringschuld befindet sich aber fraglos die Stadt.

Ruf eilt der TSV Oberensingen voraus

Mit der TSVO gibt es ein fußballerisches Aushängeschild, immerhin in der sechsthöchsten deutschen Spielklasse beheimatet, das die Stadt auch nach außen repräsentiert, Gegner aus ganz Württemberg empfängt. Den Ruf, auf einem der schlechtesten Plätze der Liga zu spielen, haben die „Sandhasen“ schon länger inne. Mit den direkten Auswirkungen hat zudem in erster Linie der Verein zu kämpfen, nicht die Stadt. Die Freude bei Calcio Leinfelden-Echterdingen etwa, mit denen man das Heimrecht für das Pokalspiel getauscht hatte, dürfte sich, angesichts des nur noch entfernt als Fußballrasen zu bezeichnenden Spielfelds, enorm in Grenzen gehalten haben.

Dass die Stadt nun gegensteuern möchte, ist die richtige Entscheidung. Ob diese nicht ein bis zwei Wochen zu spät kommt, steht auf einem anderen Blatt. Sich einfach an das Bild brauner Sportplätze im Sommer zu gewöhnen, darf nicht die Lösung sein. Diese würde wohl nicht nur das Ansehen der Vereine, sondern auch das Verhältnis zwischen Klubs und Stadt weiter belasten.

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