Neuffen
Bergpreis Neuffen 2026: Klassentreffen mit Benzingeruch
Auf dem Hof der Firma Schall in Neuffen wird der Bergpreis schon am Samstag zum Treffpunkt der Rennsportfamilie: Zwischen seltenen Rennwagen gibt es viele Geschichten zu erzählen. Und der eine oder andere erhält auch ein ganz besonderes Geschenk.
NEUFFEN. Ein Spaghettieis für Leopold Prinz von Bayern? Kein Problem. Das Bergpreis-Organisationsteam erfüllt auch kleine Wünsche gern. Wahrscheinlich ist es auch dieser Wohlfühlcharakter, der einstige Rennstars zum Bergpreis ins beschauliche Neuffen lockt. Und so sitzt dann der einstige Rennsport-Star genüsslich einen Eisbecher aus dem Eiscafé Tonin in Neuffen löffelnd auf dem Hof der Firma Schall in Neuffen. Neben ihm hat Klaus Ludwig, Deutschlands erfolgreichster Tourenwagenfahrer, am Samstagnachmittag Platz genommen. Die beiden scheinen sich sichtlich wohlzufühlen und beobachten, wie unter großem Hallo immer neue Laster und Fahrzeuge mit Anhängern auf den Platz rollen und nach und nach immer mehr historische Rennwagen ausgeladen werden.
Es ist beinahe ein kleines Volksfest, was da am Ortsausgang in Neuffen am Samstagnachmittag stattfindet. Manfred Nord ist zum dritten Mal dabei und sprüht vor guter Laune. Mit seinem bunten Hemd und der Kappe in den Farben einer Zielflagge ist er kaum zu übersehen. „Ich habe meinen Frosch dabei“, sagt er und meint natürlich seinen Austin-Healey. Neuffen ist für ihn immer eine Reise wert. „Das ist wie in alten Zeiten“, sagt Nord, der in Speyer wohnt, wenn er nicht gerade auf irgendwelchen Rennstrecken unterwegs ist. Vor Neuffen weilte er am Red Bull Ring, davor war er am Salzburgring. Besonders stolz ist er auf seinen Crossle 15 F, den er aber dieses Mal zu Hause gelassen hat. „Den gibt es in Europa nur einmal“, sagt Nord.
Schweizer Fahrer nur im Dreierpack
Zum ersten Mal dabei sind die drei Schweizer Martin Jucker, Alfonso Vitelli und Hans-Ulrich Häubi. Die drei sind gern im Konvoi unterwegs und haben auch drei ganz besondere Autos zu bieten.
„Es war ein Zwangskauf“, sagt Häubi über seinen Matra Djet V lachend. Und wer mag es ihm verdenken, hatte er bei dem Auto doch schon in seiner Lehrzeit die Kotflügel verbreitert. Später sei das Auto dann verkauft worden. Und stand danach 26 Jahre in einer Garage herum. Als er gefragt worden sei, ob er die kaputte Frontscheibe eines Matras reparieren könne, staunte Häbi nicht schlecht, dass es sich um das Auto aus seiner Lehrzeit handelte. „Seit 2017 fahre ich ihn in der Schweiz zu bestimmten Anlässen, allerdings nur bei Bergrennen ohne Wertung“, sagt Häubi.
T.I. steht nicht für Einspritzer
Bei der Teilnahme am Jochpass-Oldtimer-Memorial 2025 habe ihn jemand vom Bergpreis-Team angesprochen und gefragt, ob er nicht in Neuffen starten wolle. Aber nur, wenn er auch Martin Jucker und Alfonso Vitelli mitbringen dürfe. „Uns gibt es nur im Dreierpack“, sagt Jucker lachend. Das war am Ende kein Problem, weil alle drei sehr besondere Rennwagen haben. Jucker hat sich einen schwarzen AC 3000ME zugelegt und den gibt es nur noch 104-Mal, mit dem Lenkrad auf der linken Seite sogar nur fünfmal. Und ein solches Fahrzeug besitzt Jucker. Wenn neue Teile gebraucht werden, müssten die teilweise eigens dafür angefertigt werden. „Die ersten drei bis vier Jahre war das Auto Frust pur“, erzählt Jucker. Sechs Jahre brauchte es, bis er zufrieden war. „Ich kenne jede Schraube an dem Auto“, sagt der Eigentümer lachend. Für Rennen benutzt er heute andere Fahrzeuge. „Es ist ein Auto zum Genießen“, sagt Jucker über seinen schwarzen AC.
Das dritte Auto im Schweizer Bund ist eine Alfa Romeo Giulietta T.I. „Ich habe sie als Straßenauto in Rom gefunden“, erzählt Alfonso Vitelli. Er hat das Auto für die Rennstrecke wieder aufgebaut. Das sei schon eine Seltenheit. Der stolze Eigentümer räumt gleich damit auf, dass das T.I. im Namen Einspritzer bedeutet. „Das steht für Turismo Internazionale“, sagt er. Bei einer Veranstaltung hatte der Rennsprecher diesen Fauxpas begangen und das ist heute unter den Dreien immer noch für einen Lacher gut. „Das ist sehr stimmungsvoll hier“, sagt Vitelli über das Treffen der Fahrer am Samstagabend. Vom Bergpreis habe er schon sehr viel gehört. Er sei sehr gespannt auf den Sonntag.
Kennen wir uns nicht?
Das Fahrerlager ist eine richtige Fundgrube an Geschichten. So stand der ehemalige Porsche-Testingenieur Dieter Röscheisen („Der Bergpreis ist ein Hit.“) plötzlich einem Mann gegenüber: „Er hat mich gefragt, ob ich ihn noch kenne.“ Hinterher stellte sich heraus, dass beide ihren Grundwehrdienst 1973 bei der Bundeswehr absolviert hatten. Lokalmatador Helmut Henzler, selbst einst beim Bergpreis erfolgreich, hat gar ein ganz besonderes Geschenk bekommen und sich sehr darüber gefreut. Erhard Greif hat ihm ein Modellauto geschenkt. Es zeigt den BMW, mit dem er im Juni 1981 in Wunstorf bei der Deutschen Rennsport-Meisterschaft gefahren ist. Dort hatte er in einem Regenrennen gewonnen. Aber ein solches Auto fehlte in seiner Sammlung. Doch Bastler Greif arbeitete einfach einen anderen BMW um und versah ihn mit der Nummer und dem Namen Henzlers. „Eine Woche habe ich dafür gebraucht“, sagt Grief, der begeisterter Motorsportler ist und wie er sagt „Benzin im Blut hat“.
Viele Promis haben auch schon beim Fahrertreffen am Samstag vorbeigeschaut. Auch der fünfmalige DTM‑Meister Bernd Schneider ist 2026 wieder gern nach Neuffen gekommen. „Es ist toll, wie viele Menschen hier Spaß an solchen Autos haben“, sagt er. Sportmoderator Oliver Sittler geht es ähnlich: „Es ist eine großartige Veranstaltung mit einem großartigen Orga-Team.“ Er kenne nichts Vergleichbares.