Neuffen
Kommentar: Wenn Mieter zum Spielball werden
Der Fall in Neuffen zeigt, wie schnell gewisse Menschengruppen auf der Strecke bleiben, sobald es ums Geld geht, findet der stellvertretende Ressortleiter Matthäus Klemke. Lesen Sie auch den Artikel „Mieter in Neuffen seit fast vier Wochen ohne Warmwasser“.
NEUFFEN. Dass Menschen mit geringem Einkommen oder ohne große Lobby bei finanziellen Streitigkeiten oft den Kürzeren ziehen, ist keine neue Erkenntnis. Selten zeigt sich jedoch so deutlich wie im aktuellen Fall in Neuffen, wie schnell Menschen zur Verhandlungsmasse werden können.
Seit vier Wochen leben rund 30 Menschen ohne Warmwasser. Nicht, weil die Reparatur technisch unmöglich wäre. Sondern weil zunächst geklärt werden soll, wer die Kosten übernimmt. Während Versicherung, Hausverwaltung und Eigentümer ihre Zuständigkeiten prüfen, müssen die Mieter improvisieren. Sie erhitzen Wasser auf dem Herd, duschen im Freibad oder bei Freunden. Für sie ist das keine abstrakte Kostenfrage, sondern gelebter Alltag.
Natürlich müssen Versicherungen Schäden prüfen. Natürlich haben Eigentümer Anspruch darauf, dass ein Schaden ordnungsgemäß reguliert wird. Daran ist nichts auszusetzen. Doch wenn Menschen wochenlang auf eine Selbstverständlichkeit wie warmes Wasser verzichten müssen, läuft etwas gewaltig schief. Dann müssen alle Beteiligten alles daransetzen, diese Situation schnellstmöglich zu beenden.
Und was ist in Neuffen passiert? Den Bewohnern wurde geraten, im Freibad zu duschen. Eine Mietminderung wurde den Mietern, mit denen wir gesprochen haben, dagegen nicht angeboten. Dabei hätten sie nach Einschätzung des Mieterbundes möglicherweise Anspruch darauf. Viele Betroffene in diesem Haus wissen vermutlich nicht einmal, dass sie diese Situation nicht einfach hinnehmen müssen und ihnen gewisse Rechte zustehen.
Doch stattdessen schweigen die meisten. Wer befürchtet, seine Wohnung zu verlieren, erhebt nur selten seine Stimme. Gerade deshalb braucht es eine Öffentlichkeit, die hinschaut, und Verantwortliche – egal ob Eigentümer, Hausverwaltung oder Versicherung –, die neben Zuständigkeiten auch die Menschen im Blick behalten.
Der Fall Neuffen ist mehr als ein Streit über fehlendes Warmwasser. Er zeigt, was passiert, wenn wirtschaftliche Interessen wichtiger werden als die Lebensrealität der Menschen. Warmes Wasser ist kein Luxus, sondern eine Selbstverständlichkeit. Dass Menschen wochenlang darauf verzichten müssen, weil über Kosten gestritten wird, sollte niemand als normalen Kollateralschaden akzeptieren.
Neuffen | 01.07.2026 - 20:00
Mieter in Neuffen seit fast vier Wochen ohne Warmwasser
Seit Wochen leben rund 30 Menschen in der Neuffener Stadtmitte ohne warmes Wasser – nicht weil die Reparatur technisch unmöglich wäre, sondern weil zunächst die Kostenfrage geklärt werden soll. Lesen Sie auch den Kommentar „Wenn Mieter zum Spielball werden“.