Neckartenzlingen
Kommentar zum Wegfall von Schwimmunterricht: Das Land ist gefordert
Das Aussetzen von Schwimmunterricht muss die Alarmglocken schrillen lassen, findet Redakteurin Anke Kirsammer.
NECKARTENZLINGEN. Jetzt also das Schulschwimmen. Wenn eine Gemeinde wie Neckartenzlingen beginnt, Unterricht im Hallenbad nicht mehr zu finanzieren, müssen alle Alarmglocken schrillen. Eine Kommune, die sich über Gebühr für Kinder und Jugendliche stark macht, eine vorbildliche Jugendarbeit unterhält und den letzten Euro in den Erhalt oder Bau von Schulen und Kindergärten steckt. Es wäre zu kurz gesprungen, mit dem Finger auf die Gemeindeverwaltung oder den Gemeinderat zu zeigen. Ja, es hat etwas verwundert, dass der Beschluss, den Schwimmunterricht in der Unterstufe des Gymnasiums zu streichen, am Dienstag ohne größere Debatte gefällt wurde. Doch das mag womöglich daran gelegen haben, dass da bereits eine fast dreistündige Sitzung hinter den Räten lag.
Die DLRG Aichtal hatte in der Diskussion um die Schließung des Hallenbads in Neuenhaus immer wieder davor gewarnt, dass damit der gesetzlich vorgeschriebene Schwimmunterricht an zahlreichen Schulen in der Region in Gefahr sei. Schwimmen zu können, sei eben auch eine Frage der Sicherheit. Es ist bitter: Nun wird der Unterricht in Neckartenzlingen für einige Klassen gekippt. Und das, obwohl das Hallenbad noch existiert.
Ohne Erfolg hatte Aichtal bei den Nachbarkommunen wegen einer finanziellen Unterstützung des Hallenbads angeklopft, genauso wenig steigen die Nachbarkommunen auf eine Mitfinanzierung des sanierungsbedürftigen Schulzentrums in Neckartenzlingen ein. Nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil es auch ihnen schlicht an Geld fehlt. Im Juni hatten Städte und Gemeinden unter dem Motto „Kommunen am Limit“ bundesweit auf ihre Finanzmisere aufmerksam gemacht. Es ist höchste Zeit, dass sie sich freischwimmen können. Doch dafür braucht es Geld von Land und Bund. Wie sich im Fall des Schwimmunterrichts zeigt, geht es dabei um ganz konkrete Belange der Bevölkerung. Oder wie im Fall des Schulschwimmens um die Zukunft von Kindern und Jugendlichen. Die knapp 1,4 Millionen Euro, die Aichtal nun vom Bund aus der „Sportmilliarde“ bekommt, wie am Mittwoch bekannt wurde, sind immerhin ein Anfang.