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Ein Airbus 320 wartet in einem Altdorfer Keller auf den nächsten Start

Andreas Greiner pflegt ein besonderes Hobby. Er hat sich ein Flugzeug-Cockpit gebaut und simuliert damit Flüge – und das kommt ziemlich nah an die Realität heran.

Unterwegs nach Mallorca: Andreas Greiner in seinem selbstgebauten Cockpit im heimischen Keller. Foto: Michael Zaiser
Täuschend echtes Flugerlebnis. Foto: Michael Zaiser
Das könnte fast das Cockpit eines richtigen Flugzeuges sein. Foto: Michael Zaiser
Auf dem Tablet ist die Flugroute zu sehen. Foto: Michael Zaiser
Andreas Greiner weiß genau, welchen Knopf er drücken muss. Foto: Michael Zaiser
Der imaginäre Flug, der sich so echt anfühlt, beginnt am Stuttgarter Flughafen. Foto: Michael Zaiser

ALTDORF. Wohin es gehen soll? Gute Frage. Der Airbus A320 steht zweifelsfrei am Stuttgarter Flughafen. „Wir können aber auch von Mailand abfliegen“, sagt Andreas Greiner. Nein, der Heimatflughafen ist natürlich erste Wahl. „Ich fliege auch gern von Stuttgart“, sagt der 45-Jährige, der den Airport neben der Landesmesse als Homebase bezeichnet. Und wohin soll er den Flieger steuern? Warum nicht nach Palma de Mallorca? Gesagt, getan. Andreas Greiner beginnt mit den Abflugvorbereitungen und verwendet dabei die Original-Checkliste. Er kennt natürlich die gängigen Abkürzungen für viele Flughäfen. Der Code für Stuttgart lautet EDDS, der für Palma de Mallorca LEPA. Also, los geht es von EDDS nach LEPA.

Den Pilotenschein hat er nie gemacht

Natürlich ist es ein imaginärer Flug. Das Cockpit, das Greiner selbst zusammengebaut hat, steht im Keller seines Wohnhauses in Altdorf. Doch Greiner ist ein Perfektionist, und wer neben ihm Platz nimmt, hat später wirklich das Gefühl, über den Wolken zu schweben. Der Flugsimulator kommt ziemlich nah an die Wirklichkeit heran. „Zu 95 bis 98 Prozent ist das deckungsgleich“, sagt Greiner.

Die Begeisterung fürs Fliegen begleitet ihn schon seit vielen Jahren. „Den Pilotenschein habe ich aber nie gemacht“, sagt Greiner, und dabei soll es auch bleiben. Sein Faible für Flugsimulatoren habe er um die Jahrtausendwende entwickelt. Im Jahr 2007 sei er erstmals mit kompletten und frei verfügbaren Simulationen den Airbus A320 geflogen. Doch irgendwann war das Spielen am Computer nicht mehr genug, und da Greiner handwerklich geschickt ist, baute er sich einen eigenen Flugsimulator. Eine Herkulesaufgabe. „Die Bauzeit betrug fünf Jahre“, erzählt Greiner. Die Bauteile stammen aus der ganzen Welt. Die Bildschirme hat er für einen Euro ergattert, die Pilotensitze stammten von einem 3er-BMW.

Ein Kilometer Kabel verarbeitet

Greiner hat das Cockpit selbst konstruiert und sich auch einen 3-D-Drucker zugelegt. Würde man ein solches Cockpit komplett kaufen, wäre das eine riesige Investition. „Zwischen 36.000 und 80.000 Euro müsste man investieren“, schätzt der Altdorfer. Er habe für sein Cockpit damals zwischen 4000 und 5000 Euro ausgegeben. Ein Kilometer Kabel hat der Metabo-Mitarbeiter, benutzt. „Das waren Tausende von Verlötungen“, ergänzt Greiner. Damit das Flugerlebnis möglichst realistisch ist, greifen 18 bis 25 Programme ineinander. Wenn es da Updates gibt, dann hat das Auswirkungen: „Da funktioniert dann das eine oder andere Programm nicht.“ Und Greiner muss etwas Zeit investieren, damit alles wieder läuft. Vor der Arbeit am frühen Morgen oder abends sitzt Greiner an seinem Herzensprojekt. Natürlich sind die Flugsimulatoren-Fans, die auf diesem Niveau unterwegs sind, untereinander gut vernetzt. „800 bis 1000 sind es in Deutschland“, sagt Greiner. Er spielt aktuell mit einer Modifikation auf dem Microsoft Flight Simulator 2020. Am Anfang seien fünf PCs im Einsatz gewesen, heute seien es zwei. Der Airbus A320 hat es ihm angetan. „Eine Boeing könnte ich nicht fliegen“, sagt Greiner. Eine 737 sei ein sportlicheres Flugzeug: „Da muss man viel mehr arbeiten.“

Kommunikation mit einer KI

Greiner hat sich in die Materie vertieft, und wenn er wie beim Besuch die Original-Kontrollliste abarbeitet und dann schließlich den imaginären Airbus A320 auf die Startposition am Stuttgarter Flughafen lenkt und immer wieder mit dem Tower kommuniziert, ist die Illusion perfekt. Wenn er will, kann er sich sogar am Flugfunk mit realen Menschen beteiligen, die demselben Hobby frönen. „Da muss man dann aber auf jeden Fall dabei bleiben und kann nicht einfach aussteigen“, sagt Greiner. Doch auch dafür gibt es heute eine Lösung. Beyond ATC heißt das Zauberwort. ATC steht für Air Traffic Control, also Flugverkehrskontrolle. Doch bei Beyond ATC spricht er dann eben mit einer KI und kann dann mal Pause machen, wenn zum Beispiel die Familie seine Hilfe braucht.

Greiner hat sich jede Menge Flugwissen angeeignet und auch ein sogenanntes Online-Type-Rating hinter sich, bei dem eine Flugausbildung für eine bestimmte Maschine digital absolviert wird. „In den vergangenen Jahren sind insgesamt rund 1000 Flugstunden zusammengekommen“, sagt Greiner. Auch wenn er keinen Pilotenschein hat, eine Maschine könnte er wohl fliegen. Er kenne aber die Flugdynamik nicht. „Die Landung wäre wohl härter als bei einem Piloten“, sagt Greiner.

Warum funktioniert der Autopilot nicht?

Der Start am Flughafen ist geglückt. Doch bis es so weit ist und alle Parameter gecheckt sind, hat Greiner einiges zu tun. Entspannt einen Joystick in die Hand zu nehmen und ein bisschen durch die Gegend zu fliegen, ist es nicht. Dafür ist diese Simulation zu nah an der Realität. „Es ist Arbeit“, sagt Greiner. Der Airbus erreicht schnell die Flughöhe. Greiner will den Autopiloten einschalten, doch das funktioniert nicht. Greiner ist aber routiniert in der Fehlersuche. Die Lösung des Rätsels: Der Berichterstatter, der den Co-Piloten-Sitz eingenommen hat, hat unabsichtlich die Pedale zur Rudersteuerung verstellt. Der Fehler ist schnell behoben, der Autopilot übernimmt die Arbeit.

Greiner drückt auf einen weiteren Knopf. Die Passagiere könnten jetzt ihre Gurte lösen, und imaginär gibt er auch den Stewardessen und Stewards das Okay, Kaffee zu verteilen. „Ich vergesse da oft, dass ich nicht in einem richtigen Flugzeug sitze“, sagt Greiner lachend. Doch hier im Keller bringt eben niemand einen Kaffee. Im Winter fliege er häufiger als im Sommer, sagt Greiner. Aktuell gebe er häufiger dem realen Leben draußen den Vorzug. Doch Übung macht eben den Meister, und so nutzt Greiner die Randstunden des Tages immer mal wieder zu einem Ausflug ins Untergeschoss seines Wohnhauses.

Sechs Minuten zu früh in Mallorca gelandet

Der Flug nach Palma de Mallorca verläuft entspannt. Der Himmel ist blau und nur leicht bewölkt. Die Wetterdaten kann sich Greiner in seinem Cockpit ausdrucken, wie in einem echten Flugzeug eben auch. Greiner hat schon den ein oder anderen Bekannten in seinen Keller eingeladen, um ihm ein wenig die Flugangst zu nehmen. „Da kann man zeigen, was eigentlich während des Fluges passiert“, sagt der Altdorfer. Vor Turbulenzen müsse man sich keine Sorgen machen: „Ein Flugzeug hält sehr viel aus.“

Rund zwei Stunden dauert der Flug von Stuttgart nach Palma de Mallorca. Der Vorteil eines Flugsimulators: Man kann als Berichterstatter auch über das Mittelmeer aussteigen. Das gilt natürlich nicht für den Piloten Andreas Greiner. Der 45-Jährige meldet später per WhatsApp, dass der Flieger sechs Minuten früher auf der Baleareninsel angekommen ist als geplant: „Die Landung war kurz und knapp, da mir der erste Highspeed-Exit angewiesen wurde.“ Dabei handelt es sich um sogenannte Schnellabrollwege. Ziel ist es, dass dadurch die Landebahn wieder schneller frei wird. Greiner habe mit der manuellen Fußbremse nachhelfen müssen, erzählt er und ergänzt: „Sonst rollt man vorbei.“ Wohin ihn wohl seine nächste Flugreise führt?

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