Aichtal
Kommentar zum Aichum-Projekt in Aichtal: Wie eine Vision stirbt
Der 50-Millionen-Euro-Traum von Karl Schlecht wird nach dessen Tod zusammengestutzt. Damit darf sich die Stadt Aichtal nicht zufriedengeben, findet der stellvertretende Ressortleiter Matthäus Klemke. Lesen Sie auch den Artikel „Das Aichum gerät ins Wanken“.
AICHTAL. Man wird das Gefühl nicht los, dass die Stadt Aichtal am Ende über den Tisch gezogen werden könnte. Der Stadt war 2023 eine Lösung für einige ihrer drängendsten Probleme in Aussicht gestellt worden: fehlende Kita-Plätze, eine drohende hausärztliche Unterversorgung und die Frage nach einer besseren Versorgung der Schulen mit Essen. Die Lösung hieß Aichum – ein Projekt, das so verlockend klang, dass die Stadt bereit war, dafür der Stiftung weit entgegenzukommen. Vergabekriterien wurden angepasst, planungsrechtliche Voraussetzungen geschaffen und zwei begehrte Grundstücke an die Karl-Schlecht-Stiftung vergeben.
Das Aichum sollte ein 50-Millionen-Euro-Projekt werden, das man eher in Frankfurt als in Aichtal vermuten würde. Ein riesiger Glaskomplex mit einem markanten Turm, dazu Kita, Gesundheitszentrum und Großküche. Es schien fast zu schön, um wahr zu sein. Bürgermeister Sebastian Kurz konnte sein Glück kaum fassen. Andere Menschen in Karl Schlechts Umfeld schienen hingegen jedes Mal zusammenzuzucken, wenn der Unternehmer teure Versprechungen in Richtung Stadtverwaltung machte.
Vermutlich hätte man sich damals schon fragen müssen, ob die Menschen um den damals 90-jährigen Unternehmer herum wirklich genauso fest hinter den großen Plänen stehen. Tatsächlich wird nun so getan, als wäre das alles damals nicht ganz so ernst gemeint gewesen. Karl Schlecht wollte Aichtal und den Menschen in der Region etwas zurückgeben. Das war zumindest die Botschaft, die von diesem Projekt ausging. Aus seinem Vermächtnis könnten nun ein Stiftungssitz und eine Menge ungenutztes Bauland werden.
Das muss die Stadt unbedingt verhindern. Verwaltung und Gemeinderat haben Flächen und politische Unterstützung für ein Vorhaben bereitgestellt, das weit über einen normalen Bürostandort hinausging. Mit einer Mini-Version des Aichum darf man sich nicht zufriedengeben, wenn die Grundstücke auf Grundlage eines deutlich größeren Konzepts vergeben wurden.
Karl Schlecht ist tot. Seine Vision darf deshalb aber nicht einfach sterben.
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