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„Zahlenland“ im Kindergarten Linsenhofen: Wie Zahlen zu Freunden werden

Wie kann mathematische Frühbildung aussehen? Der 2017 verstorbene Professor Gerhard Preiß hat dafür eine ganzheitliche Methode entwickelt. „Die Genialität liegt in der Einfachheit“, sagt die frühere Kindergartenleiterin Gabriele Winter.

Beim Projekt „Zahlenland“ geht es darum, die Zahlen mit allen Sinnen zu erfassen. Diese werden auch schon mal erhüpft. Foto: Kai Müller
Schnell noch die Zahlen geordnet. Foto: Kai Müller
Wie heißt die nächste Zahl? Foto: Kai Müller
Die frühere Kindergartenleiterin Gabriele Winter schult Erzieherinnen im Umgang mit dem „Zahlenland“. Das eingesetzte Material ist vielfältig. Foto: Kai Müller

FRICKENHAUSEN-LINSENHOFEN. Greta verwandelt sich blitzschnell in die „liebe Eins“. Die Zahl steht auch auf dem Klettstirnband, das ihr Erzieherin Sabine Kocher anlegt. Das Mädchen nimmt sich nun einen Hula-Hoop-Reifen, legt diesen auf den Boden der Turnhalle in Linsenhofen und setzt sich hinein. Weitere Kinder folgen ihrem Beispiel, natürlich immer mit einer anderen Zahl und einem eigenen Reifen.

Gabriele Winter beobachtet das Geschehen. Seit 1976 arbeitet sie mit Kindern. Viele Jahre lang hatte sie den Kindergarten „In den Krautgärten“ in Frickenhausen geleitet, seit 2022 ist sie im Ruhestand, hilft aber immer noch als Vertretungskraft. Das Programm „Zahlenland“ hat es ihr in den vergangenen Jahren besonders angetan. Sie hat es in „ihren“ Kindergärten auch immer wieder erprobt. „Die Genialität liegt in der Einfachheit“, sagt die 66-Jährige. „Zahlenland“ heißt das Programm. Gerhard Preiß, Professor für Mathematikdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg, hat es entwickelt. Das Ziel: Eine ganzheitliche und erlebnisorientierte mathematische Bildung in Kindergarten und Schule zu ermöglichen. Zusammen mit seiner Tochter Gabi Preiß hat er im Februar 2004 das Unternehmen Zahlenland Prof. Preiß gegründet. Nach seinem Tod wird es von Gabi Preiß fortgeführt.

Die Sätze werden immer wieder wiederholt

„Es ist ein wunderbares Programm zur mathematischen Früherziehung“, sagt Gabriele Winter. Die frühere Kindergartenleiterin will als Referentin die Methode bekannter machen und sie in mehr Einrichtungen bringen. „In anderen Bundesländern wird das häufiger praktiziert. Auch in den Grundschulen“, ergänzt Winter. Die Erzieherinnen in Linsenhofen hat die Zahlenland-Expertin schon geschult. Svenja Buschmann zieht ein positives Fazit: „Das hat sich auf jeden Fall gelohnt.“ Die Anleitung sei verständlich und die Kinder seien aktiv und mit Spaß bei der Sache dabei.

Das zeigt sich auch in der Turnhalle. Die Jungen und Mädchen sind sehr aufmerksam und die Zahlen haben mittlerweile in ihre „Häuser“ ganz unterschiedliche Dinge gebracht. Natürlich dürfen im Dreier-Haus jeweils nur drei Kastanien, drei Muscheln oder drei Filzkugeln liegen. Dann kommt der „Hausmeister“ und fragt die Zahlen, was sie denn in ihren Häusern liegen haben. „Es sind einfache und vollständige Sätze, die wiederholt werden“, sagt Winter. Heute werde ja häufig nur noch in Satzfragmenten gesprochen. Gerade auch für Kinder, welche die deutsche Sprache gerade erst lernen, sei dies der perfekte und einfache Einstieg. „Es gibt auch keine Korrektur“, sagt Winter. Die Kinder sollen vielmehr den Satz noch einmal sprechen. Ganz wichtig zudem: „Es ist kein Unterricht.“ Die Kinder sollen spielerisch die Zahlen entdecken und dabei diese lernen. „Die Zahlen sind gut zu mir“, nennt Winter ein Credo des verstorbenen Professors. Doch auch zu den Erzieherinnen sind die Zahlen freundlich. „Es ist ein einfacher Einstieg möglich. Man muss kein Mathegenie sein“, sagt Buschmann.

Der Zahlenteufel schlägt zu

Die Erzieherin hat sich den Zahlenteufel, eine Handpuppe, geschnappt und der bringt ordentlich Unordnung in die Häuser. Doch die Jungen und Mädchen haben schnell wieder aufgeräumt. Zum Schluss wird noch mal durch die Halle geflitzt:. „Es werden auch immer Bewegungsspiele eingebaut“, erklärt Winter. Die Kinder sind voll dabei: „Sie sind sehr aufmerksam, die wollen auch richtig“, sagt Winter am Rand des Geschehens. Danach werden die Zahlenmatten auf den Boden gelegt. Einzeln oder zu zweit werden die Zahlen quasi erhüpft. Lena und Jona müssen zum Beispiel zur 1,5 und 10. Das klappt tadellos. Weiter geht es mit der Mitmach-Vorlesegeschichte. Heut steht die Zahl 3 im Mittelpunkt, also wird auch immer wieder dreimal in die Hände geklatscht.

Vor dem „Zahlenland“ gibt es mit dem „Entenland“ noch eine Vorstufe. Dabei gilt bei allen Programmen: Es dürfen Fehler gemacht werden. „Das ist nichts Schlechtes“, sagt Winter. Ganz fasziniert ist sie auch von der „Zauberhaften Geometrie“: „Da kommen wunderbare Ergebnisse heraus.“ Das Material sind lediglich Holzstäbe, die mit Schlauchstücken verbunden werden.

„Zahlenland“ ist für die Vorschulkinder

„Zahlenland“ ist für das letzte Jahr im Kindergarten gedacht. Eine Einheit sind zehn bis zwölf Lektionen: „Die Dauer bestimmt jede Einrichtung selbst“, sagt die frühere Kindergartenleiterin. Winter rechnet für die Materialien mit einmaligen Anschaffungskosten in Höhe von rund 600 Euro. „Das Material können sich aber auch die Kindergärten einer Kommune teilen“, sagt Winter. Zumindest eine eintägige Schulung sei zudem sinnvoll.

Winter jedenfalls wird weiter für das Programm im Landkreis Esslingen und ein wenig darüber hinaus werben und hofft, dass sich weitere Referenten und Referentinnen finden. Derzeit ist die erfahrene Pädagogin Einzelkämpferin. Zum Schluss erzählt sie noch lächelnd eine Geschichte von einem Steppke, der dem Zahlenland sehr skeptisch gegenüberstand und das Geschehen am Rand verfolgte. Gezwungen zum Mitmachen wird niemand, doch das war in diesem Fall auch gar nicht nötig. „Irgendwann stand er neben mir und hat gesagt: ,Ich möchte auch eine Zahl sein‘“, erzählt Winter.

Wer Interesse an dem Projekt „Zahlenland“ oder anderen Programmen hat, kann sich bei Gabriele Winter unter der E-Mail-Adresse wintergabriele@t-online.de melden.

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