Das Innere der Unterensinger Michaelskirche wurde renoviert und umgestaltet Am Sonntag zieht die Gemeinde wieder ein
UNTERENSINGEN. Die evangelische Michaelskirche erstrahlt in neuem Glanz. Nach knapp acht Monaten Renovierungszeit und Gottesdiensten in der katholischen Kirche und im Gemeindehaus zieht die Gemeinde pünktlich zum ersten Advent wieder in ihr eigenes Gotteshaus ein.
Die augenfälligste Veränderung im Kirchenraum ist die neue Farbe. Nicht nur die Wände strahlen wieder weiß, auch alle Holzteile, Bänke, Empore und Kanzel, haben einen Anstrich bekommen. Statt dunklem Holz prägt nun helles Grau den Raum und lässt ihn lichter und ruhiger wirken als zuvor. Durchbrochen werden die großen, hellen Flächen nur durch rote Zierstreifen. Das entspricht am ehesten der einstigen barocken Ausgestaltung des Innenraums, berichtet der Vorsitzende des Bauausschusses und stellvertretende Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Günter Maier. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war Holz immer angestrichen, ergänzt Pfarrer Thomas Thiel.
Nicht minder augenfällig ist die neue Position des barocken Kruzifix, das vom Altar an die Wand zwischen den beiden bunten Glasfenstern gewandert ist. Laut Thiel war es auch nie für den Altar bestimmt. Seine ursprüngliche Position lasse sich nicht mehr ermitteln. Irgendwann sei es über der Kanzel gewesen, doch dabei ragte der Querbalken in den Chor hinein.
Grundlage für die Renovierung war ein Bericht der Innenarchitektin Sylvia Grupp an den Oberkirchenrat. Auf der Basis dieses Berichtes entwarf der Bauausschuss, bestehend aus drei Kirchengemeinderäten und drei weiteren gewählten Gemeindegliedern, ein Konzept, um den Raum für derzeitige und künftige Bedürfnisse umzugestalten. Die Bauleitung hatte der Unterensinger Architekt Ulrich Sigler, mit der Restauration war Rüdiger Widmann betraut, der bereits 2001 an der Renovierung der Außenfassade beteiligt war.
Die Gesamtkosten des Umbaus belaufen sich auf rund 285000 Euro, von denen die Kirchengemeinde rund 170000 Euro selbst aufbringen muss. Größere Zuschüsse gab es von der bürgerlichen Gemeinde, vom Oberkirchenrat und vom Kirchenbezirk.
Nicht nur frische Farbe und Verputz waren nötig, auch die komplette Elektrik wurde erneuert. Dabei wurden gleich die Lampen ausgetauscht und den beiden Mesnerinnen Inge Maier und Ella Schnell steht nun in einer hinteren Bankreihe ein komplettes Mischpult zur Verfügung, mit dem das Raumlicht passend zur jeweiligen Situation, ob Abendandacht oder Hochzeit, gesteuert werden kann. Nun ist auch das Abspielen von CDs und die Steuerung einer Gesangsanlage leichter möglich. Heizung und das Geläut können damit ebenfalls geregelt werden. Ausgetauscht wurde auch die komplette Heizungsanlage; jetzt wird die Kirche mit Gas beheizt.
Im Kirchenschiff fielen etwa 30 Sitzplätze weg, doch nun sind die Bankreihen von beiden Seiten her zugänglich und es ist möglich, an der Wand entlang Bilder auszustellen oder eine Wandelprozession rund um die Bankreihen zu veranstalten. Auch sind es weniger Bänke als zuvor, was unter anderem ermöglicht, einen Sarg in die Kirche zu bringen und dort aufzubahren. Falls die Sitzplätze nicht ausreichen sollten, gibt es an den Seiten Auszüge, auf denen auch noch Platz ist. Der Altar ist um einen halben Meter nach vorn gerückt. Nun kann Thiel hinter dem Altar stehen und das Abendmahl an die versammelte Gemeinde austeilen, ganz wie Martin Luther das wollte. Außerdem gewinnt der Chor an Raum. Chöre haben mehr Platz und kleine Andachten können dort stattfinden.
Alle Pläne wurden im November 2006 einer Gemeindeversammlung vorgestellt und mit ihr diskutiert. Vor allem der Holzanstrich und der neue Ort für das Kruzifix sorgten für Diskussionsstoff. Ein gewichtiges Wort mitzureden hatte auch das Landesdenkmalamt. Zwar hat jede Generation im Lauf der Jahrhunderte den Sakralbau ihren Bedürfnissen angepasst, doch es sei darauf geachtet worden, dass größere Einheiten erhalten blieben. So sei die Erweiterung des Jugendstil-Windfangs nach denkmalschützerischen Gesichtspunkten erfolgt.
Was nun noch fehlt, ist eine künstlerische Ausgestaltung der Einrichtung. Ein Künstler soll mit der Schaffung neuer Altartücher, sogenannter Paramente, beauftragt werden. Er soll auch ein neues Kreuz ohne Corpus, etwa 40 bis 50 Zentimeter hoch, für den Altar schaffen. Mit dem Kruzifix und dem leeren Kreuz seien damit Tod und Auferstehung im Raum vereinigt. Auch der Kanzelaufsatz, die Liedtafeln und ein Ambo genanntes Stehpult sollen vom selben Künstler gefertigt werden.
Der Festgottesdienst zur Einweihung beginnt am Sonntag, 2. Dezember, um 10 Uhr. Mitwirken werden der Kirchenchor, Instrumentalisten und der Posaunenchor. An der Orgel: Bezirkskantorin Angelika Rau-ulo. Nach dem Gottesdienst gibt es Grußworte, einen Ständerling und Erläuterungen zum Bau von Restaurator Rüdiger Widmann, Tübingen.
Hell, ruhig und größer wirkt der Innenraum der Michaelskirche nach der Renovierung. Foto: bg