Aichtal
So Recknagel aus Aichtal will Frauen in Kambodscha unterstützen
Die 18-Jährige absolviert in dem südostasiatischen Staat ihren Freiwilligendienst in einem Medienzentrum, das sich für die Rechte von Frauen und benachteiligten Gruppen einsetzt. Wie sie dazu kam, steht hier.
AICHTAL. Wie geht es nach dem Abitur weiter? Diese Frage stellen sich viele Abiturientinnen und Abiturienten. So Recknagel aus Aichtal hat sich dazu sehr viele Gedanken gemacht. Am 22. August geht es nun mit dem Flieger nach Kambodscha. Dort wird sie sich bei der Nichtregierungsorganisation Women’s Media Centre Cambodia (WMC) engagieren. Das Medienzentrum ist verantwortlich für verschiedene Aufklärungs- und Informationsprogramme, die über unterschiedliche Medienkanäle öffentlich gemacht werden. Heute gilt das WMC als eine der wenigen unabhängigen Medienorganisationen im Land, welche sich konsequent für die Rechte von Frauen und benachteiligten Gruppen einsetzt.
Mit dem südostasiatischen Land hatte die 18-Jährige bislang nichts am Hut. Wie kam es dann dazu? „Ich wollte gern nach dem Abi ins Ausland“, sagt die Absolventin des Elisabeth-Selbert-Gymnasiums in Filderstadt. Work and Travel sei ihr aber nach Corona zu unsicher gewesen. So sei sie schließlich auf den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst Weltwärts gestoßen. Das Programm wurde 2008 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufen. Doch wohin sollte es genau gehen? Afrika sei schnell ausgeschieden: „Zu viel Missionierung, zu hohe Anforderungen“, sagt So Recknagel. Südamerika ebenfalls: „Ich kann kein Spanisch.“ So ging ihr Blick schließlich Richtung Südostasien. Zumal Recknagel gern etwas machen wollte, das mit Medien und der Förderung der Zivilgesellschaft zu tun hat. Einer der größten Trägerorganisationen des Weltwärts-Programms ist „Brot für die Welt“. Pro Jahr entsendet die Hilfsorganisation 18 Freiwillige nach Costa Rica, Sambia und eben Kambodscha. „Die Arbeit im WMC ist für mich die perfekte Kombination“, sagt Recknagel. Im Februar hatte sie von der Organisation eine Liste erhalten, was im Vorfeld zu tun ist: „Das musste man sich eigenständig erarbeiten.“ Verschiedene Onlineseminare galt es zu absolvieren und eine Tropentauglichkeitsuntersuchung musste die Abiturientin ebenfalls hinter sich bringen.
Eine Mentorin unterstützt bei der Eingewöhnung
In einem Ausreise-Kurs sind die Freiwilligen zudem noch besonders gebrieft worden. „Wir haben uns mit dem politischen System des Landes, den religiösen Ansichten, aber auch den Themen Kolonialismus, Macht und Privilegien auseinandergesetzt“, erzählt Recknagel. Vier Freiwillige fliegen dieses Jahr nach Kambodscha. „Die ersten Monate werden wir in einer WG in der Hauptstadt Phnom Penh zusammen wohnen“, sagt die Aichtalerin. Damit soll das Ankommen erleichtert werden. Eine Landesmentorin unterstütze vor Ort bei der Eingewöhnung. Danach werde man bei Gastfamilien unterkommen. Drei Freiwillige bleiben anschließend in der Hauptstadt, darunter auch So Recknagel. Wie ist das Gefühl so kurz vor dem Abflug? Seit dem Ausreiseseminar sei sie deutlich beruhigter: „Wir hatten da konkrete Einblicke. Jetzt überwiegt eindeutig die Vorfreude“, sagt sie. Auch wenn es nicht einfach sei, die Freunde zurückzulassen: „Aber ich gewinne dadurch eine neue Freiheit.“ Sie sei sich bewusst, dass ihr Job auch Fingerspitzengefühl erfordert, gilt doch Kambodscha als ein autoritäres Regime. Die Kambodschanische Volkspartei (CPP) regiert seit 1979. Die Opposition hat es schwer. So wurde die wichtigste Oppositionspartei, die Kerzenlicht-Partei (CLP), im Jahr 2023 nicht zur Wahl zugelassen. Auf der Brot-für-die-Welt-Seite hat So Recknagel eine eigene Spendenseite gestaltet. Denn um die Kosten des Freiwilligendienstes komplett zu decken, werden Spendengelder benötigt.