Kohlberg
So haben sich die Bürgermeisterkandidaten in Kohlberg präsentiert
Rund 300 Bürger kamen, um sich ein Bild des Trios zu machen. Die Bewerber wollen am 3. Dezember den Chefsessel des Rathauses erobern.
KOHLBERG. In der Jusihalle mussten am Donnerstag zusätzlich Stühle aufgestellt werden, weil etwa 300 Besucher zur Kandidatenvorstellung kamen, um die drei Bewerber für das Bürgermeisteramt, Herwart Stribel, Marcus Holder und Thomas Franz, näher kennenzulernen vor der Wahl am Sonntag, 3. Dezember.
Den größten und längsten Beifall gab es für Stefan Ade, erster stellvertretender Bürgermeister. Ihm dankte der zweite stellvertretende Bürgermeister, Dr. Joachim Bloehs, für seinen großen Einsatz im letzten Jahr und besonders in der Zeit ohne Bürgermeister nach dem vorzeitigen Ausscheiden von Rainer S. Taigel. „Das Schiff Kohlberg braucht einen neuen Kapitän. Wir haben einen Lotsen an Bord, der es in stürmischer See am Laufen gehalten hat“, beschrieb Bloehs die derzeitige Situation, in der Ade momentan die Teamleitung hat bis zum Amtsantritt eines neuen Bürgermeisters.
Alle drei Kandidaten präsentierten sich bei der offiziellen Vorstellung fair im Umgang miteinander. Sie hatten jeweils 20 Minuten Redezeit – ohne Anwesenheit der Mitbewerber im Saal – und stellten sich anschließend den Fragen der Zuhörer und Bürger, die vorab ihre Fragen schriftlich gestellt hatten. Hinzu kamen die Fragen, die Moderator Kai Müller, Redaktionsleiter der Nürtinger Zeitung stellte.
Die erste Frage galt dem wichtigsten Problem, das die Bewerber ausgemacht haben. Herwart Stribel (64) aus Nürtingen, der seinen Betrieb in Kohlberg hat, sieht vor allem in der Wasserversorgung „riesengroße Probleme“, wie er auch schon in seiner Vorstellung gesagt hatte. „Ich bin der Meinung, wir müssen der Ertüchtigung der Wasserversorgung, auch der Abwasserbeseitigung und dem Hangwasserschutz, die nächsten Jahre nahezu alles andere unterordnen. Das heißt allerdings nicht, dass andere Dinge gänzlich unmöglich sind.“
Marcus Holder (50) gibt Renovierungsarbeiten Priorität, „dass Kohlberg wieder liebenswert wird“, die Ortsmitte gestaltet werde, „im Brunnen dort wieder Wasser fließt und der Blumenschmuck im Ort wieder schöner wird“.
Thomas Franz (55) setzt bei den Finanzen an, denn wichtig sei vor allem, entsprechende Zuschüsse zu generieren für die verschiedenen Maßnahmen. Im Hinblick auf einen erkennbaren Investitionsstau bei der Infrastruktur sei das besonders wichtig. Dazu müssen ein Investitionsplan auf Basis des Ist-Zustandes erstellt und Zuschüsse sehr früh beantragt werden, um diese auch zu erhalten.
In der Fragerunde wurden viele Themen angesprochen
Die Vielfalt der Themen in der Fragerunde reichte von Lkw-Durchfahrtverbot für Nicht-Anlieger und Geschwindigkeitskontrollen bis zur Nahversorgung und zum Tourismus. Eine Frage dabei war, wie sich die Kandidaten die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat vorstellen.
Dazu Franz: „Der Bürgermeister hat nur eine Stimme, der Gemeinderat entscheidet. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit ist wichtig. Der Gemeinderat braucht Informationen.“ Bevor mit dem Gremium zusammen entschieden werde, müsse gemeinsam diskutiert werden, um „das Beste für Kohlberg zu erreichen“. Stribel meinte auf die Frage: „Gut, ganz einfach, man muss sich verständigen um Dinge ein Stück besser zu machen, die bisher nicht so gut gelaufen sind.“ Und Holder sagte dazu: „Frühzeitige Information, transparent“: Der Bürgermeister müsse für den Gemeinderat einschätzbar sein. Und: „Beschlüsse zügig umsetzen.“
Die Kandidaten wurden jeweils abwechselnd in der Reihenfolge befragt. Außerdem gab es Direktfragen an Kandidaten. Zum Beispiel an Holder, ob er nach 2016, als er schon einmal in Kohlberg kandidiert hatte, noch andernorts antrat. Es sei seine „schöne Liebeserklärung“ an Kohlberg, dass er seitdem nirgends mehr kandidiert habe, antwortete er.
Franz wurde gefragt, ob er ein „Notkandidat“ sei. Er erklärte, warum er das klar verneinen könne, damit, dass er Zeit zum Nachdenken im Urlaub genutzt habe um sich „mit Inhalten auseinanderzusetzen“. Die Idee zur Bewerbung kam von Trainern in einer Führungsakademie, die meinten, dass er als Bürgermeister geeignet wäre. Er habe sich das sehr gut überlegt. Stribel wurde gefragt, warum er sich das in seinem Alter noch antue und machte deutlich, dass er sich richtig fit fühle.
Zum Mitmachen bei Veranstaltungen oder ähnlichem sind alle drei Kandidaten bereit. Franz hat das sogar schon tatkräftig bewiesen beim Arbeitseinsatz bei der Sanierung des Brennhäusles, Stribel ist bisher „sowieso da“ und Holder würde bei Festen „auch hinter der Theke stehen“.
Schlussfrage an alle war, was sie bisher am meisten an Kohlberg überrascht habe. Franz antwortete darauf: „Die Herzlichkeit und Ehrlichkeit bei den Begegnungen.“ Stribel meinte: „Gar nichts. Es ist wie es ist, jeden Tag schön.“ Und
Holder antwortete: „Dass ab 2016 Kohlberg so im Stich gelassen worden ist.“