Oberboihingen
Schreiner Lukas Kretzschmar erhält für sein Gesellenstück eine Belobigung
Der Mitarbeiter der Oberboihinger Schreinerei Geissler gehört zu den 22 angehenden Schreinern im Landkreis Esslingen, die dieses Jahr geprüft wurden. Sein Chef Rainer Geissler bescheinigt ihm „unheimliches handwerkliches Geschick“.
OBERBOIHINGEN. Seinen ersten Akkuschrauber hatte sich Lukas Kretzschmar mit elf oder zwölf Jahren zum Geburtstag gewünscht. Kein Spielzeug, sondern richtiges Werkzeug. „Den habe ich immer noch.“ Auch während der Schulzeit hat der Oberboihinger in seiner eigenen kleinen Werkstatt fleißig gebastelt. Nach dem Abitur ging es für sechs Monate nach Schwedisch Lappland: Bei einem deutschen Auswanderer baute Lukas Kretzschmar an Blockhäusern, Schlitten, Hundehütten und einem Hausboot.
Handwerk und Holz waren für ihn also gesetzt, so blieb die Frage: Zimmermann oder Schreiner? „Der Schreiner arbeitet kreativer und feiner, habe ich mir damals gedacht.“ Ein Nachbar, der bei der Bau- und Möbelschreinerei Geissler in Oberboihingen gelernt hatte, empfahl ihm die Firma. „Ich habe mich dort vorgestellt und ein oder zwei Wochen später als Hilfskraft angefangen, ein halbes Jahr später begann meine Ausbildung.“
„Er hat ein unheimliches handwerkliches Geschick, das ist bestechend“, sagt Schreinermeister Rainer Geissler, Inhaber der Firma mit insgesamt zehn Beschäftigten. „Er hat alles gewusst, wir mussten ihm gar nicht viel sagen.“ Der Schwerpunkt der Firma sind Möbelbau und Türen. „Wir machen auch Küchen, Balkonbrüstungen, legen Böden und verkleiden Wände und Decken“, sagt Lukas Kretzschmar. Er war schon viel auf Baustellen dabei und hat selbst kleine Möbelstücke gefertigt.
Eine Garderobe aus massivem Birkenholz
Bei seinem Gesellenstück hat er sich für eine Garderobe aus massivem Birkenholz entschieden. Von einem Forstwirt bekam er einen Birkenstamm mit 60 Zentimeter Durchmesser, diesen hat er selbst gesägt. „Ich habe ein eigenes Blockbandsägewerk auf der Wiese.“ Zur Trocknung auf acht bis zwölf Prozent Restfeuchtigkeit durfte er in der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen den technischen Holztrockner nutzen. Weil sein Korpus aus einem einzigen Stamm gefertigt ist, läuft die Struktur durchgehend um die Ecken, das Holz hat er mehrfach geölt.
Die Front der Schublade und der Drehtür erhalten zum optischen Kontrast einen HPL-Schichtstoff in Tannengrün. Die Schublade und Tür sind einschlagend, so bleibt rundherum ein leicht hervorstehender Rand. „Das ist schwieriger zu fertigen, sieht aber besser aus“, sagt Lukas Kretzschmar. Die Metallhaken zum Aufhängen der Kleidung hat ihm der deutsche Auswanderer in Lappland handgeschmiedet, der Form eines Birkenblatts nachempfunden, auch die Ziernägel zur Befestigung sind handgefertigt.
Nach der Ausbildung geht es nach Lappland
„Ich wollte ein sehr individuelles, persönliches Möbelstück. Bei dem jeder, der es sieht, sagt, das passt zum Lukas.“ Zwei Wochen hatten die angehenden Schreiner Zeit, ihr Gesellenstück an der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule abzuliefern. Dass er das nicht schaffen würde, darüber machte sich Lukas Kretzschmar keine Sorgen. Eine Belobigung war der Lohn aller Mühen. Nach Ende seiner Ausbildung zieht es ihn zuerst einmal für einen Monat nach Schwedisch Lappland zurück. Was danach kommt, ist noch nicht ganz sicher, aber es wird auf jeden Fall weiterhin der Holzweg sein: „Ich überlege mir, Forstwirtschaft zu studieren oder mich selbstständig zu machen.“
Alle Gesellenstücke sind unter www.schreiner-es-nt.de und www.instagram.com/schreiner_es_nt zu sehen.
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