Großbettlingen
Schock nach Ausschreibung in Großbettlingen
Kaum ein Unternehmen möchte die Abbrucharbeiten für die Ganztagsbetreuung übernehmen. Was die Gemeinde jetzt vorhat.
GROSSBETTLINGEN. Gleich mehrfach beschäftigten sich die Großbettlinger Gemeinderäte bei ihrer jüngsten Sitzung mit Themen der Kinderbetreuung, die Beschlüsse fielen jeweils einstimmig. So werden die Gebühren für die Kindertagesstätten steigen, stabil bleiben indes die Entgelte für die Ganztagsbetreuung. Über eine Erhöhung soll nach dem Umzug in die neuen Räume im ehemaligen Fachklassentrakt der Grundschule nachgedacht werden. Der Umbau verzögert sich jedoch, gestartet wird nach neustem Stand erst in den Herbstferien.
Großbettlingen hatte sich frühzeitig auf den Weg gemacht, die Ganztagsbetreuung in neuen Räumlichkeiten zu ermöglichen. Seit 30. Juni liegt die Baugenehmigung durch den Landkreis Esslingen für den Umbau nun vor, darauf habe man laut Bürgermeister Christopher Ott lange gewartet. Am Freitag folgte laut Ott ein Schockmoment: 19 Unternehmen waren für das Gewerk Abbruch-, Rückbau- und Gründungsarbeiten angeschrieben worden, nur zwei hatten ihre Angebote eingereicht.
63 Prozent über der Kostenberechnung
Die des günstigsten Bauunternehmens lagen 63 Prozent über der Kostenberechnung von 96.000 Euro. „Das ist eine gewaltige Hausnummer, wir können den Auftrag so nicht vergeben“, meinte Ott. Einer Aufhebung des Ausschreibungsergebnisses stimmten die Räte zu, auch wenn sich dadurch der Start der Bauarbeiten von den Sommerferien in die Herbstferien verzögert. Ob eine Neuausschreibung auch eine deutliche Verringerung der Kosten mit sich bringt, könne laut Ott nicht garantiert werden. Aber: „Wir können dann sagen, dass wir es versucht haben.“
Über die Gründe für das mangelnde Interesse am Auftrag könne nur spekuliert werden. Der Zeitraum in den Sommerferien sei wohl ungünstig, wie Ott ausführte. Das sah auch Grünen-Gemeinderat Mahir Sezer so, das habe wohl auch die Kosten in die Höhe getrieben. Die Vorkalkulation war seiner Ansicht nach sehr gut, eine solch hohe Differenz überrasche auch ihn als Fachmann: „Das ist heftig, das gab’s noch nie.“ Im September soll der Gemeinderat nun über die Vergabe aller Gewerke abstimmen, die Verzögerung des Umbaus bedeutet laut Ott keinen Nachteil für die Ganztagsbetreuung: Die läuft in den bisherigen Räumen weiter. Ab dem kommenden Schuljahr ist die Ganztagsbetreuung der Erstklässler verpflichtend, die anderen Klassenstufen folgen sukzessive Jahr um Jahr.
Eltern schätzen die Kinderbetreuung
In Großbettlingen müssen lediglich die Betreuungszeiten den gesetzlichen Vorgaben angepasst werden, künftig werden die Kinder auch freitags bis 16 Uhr betreut. Somit werde an allen Schultagen eine durchgehende Betreuung von neun Stunden gewährleistet: „Der Rechtsanspruch ist bereits bei acht Stunden erfüllt“, klärte Hauptamtsleiterin Natalie Röcker die Gemeinderäte auf, man wolle das Angebot nicht zurückfahren. Verpflichtend ist auch eine Ferienbetreuung, die wird in Großbettlingen bis 15 Uhr angeboten. Dafür wird ein Tagessatz statt einer Durchschnittskalkulation eingeführt.
In Bezug auf die Festlegung der Gebühren für die Betreuung in den Kindertagesstätten folgt die Gemeinde Großbettlingen in Absprache mit dem Kindergartenausschuss den Empfehlungen der Kirchen und kommunalen Landesverbände, die vorgeschlagene Erhöhung liegt bei 4,5 Prozent. Ziel für die Kommunen müsse laut Fachverbänden ein Kostendeckungsgrad von 20 Prozent durch Elternbeiträge sein. Der lag in Großbettlingen laut Röcker im vergangenen Jahr bei nur 11,5 Prozent. Der Zuschussbedarf der Gemeinde für die kommunalen Kindergärten beträgt im Haushaltsjahr 2026 rund 2,7 Millionen Euro. Selbst durch die Erhöhung werde voraussichtlich keine Verbesserung des Kostendeckungsgrades erreicht, wie Bürgermeister Ott erklärte: Die Erhöhungen im Tarifvertrag werde bei weitem nicht abgedeckt. „Niemand freut sich über die Erhöhung der Kosten für die Kinderbetreuung“, meinte Natalie Röcker. Sie werde von den Eltern aber mitgetragen, da sie die gute und verlässliche Betreuung schätzen würden. Von einer hohen qualitativen Betreuung sprach denn auch Gemeinderat Ralf Pfann von der CDU, er beobachte eine hohe Zufriedenheit der Eltern. Das sah auch Stephan Meier (FW) so, im Vergleich zu anderen Gemeinden stehe Großbettlingen hervorragend da. „Wir haben eine Betreuung auf Topniveau“, unterstrich denn auch Bürgermeister Ott.
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