NTZ+ Logo Region

Im neuen Baugebiet in Beuren reicht der Platz für 340 zusätzliche Einwohner

Im neuen Baugebiet Hagnach/Brühl in Beuren sind 154 Wohneinheiten vorgesehen – Gemeinderat hat noch einige Ideen

Links der Owener Straße soll das neue Baugebiet in Beuren entstehen. In diesem Zuge wird auch das Ortsschild nach hinten verschoben. Foto: Selle

Knapp drei Stunden lang hat sich der Gemeinderat in Beuren am Montagabend mit den Rahmenbedingungen für das geplante Baugebiet Hagnach/Brühl beschäftigt. Dort sollen laut dem städtebaulichen Entwurf auf einer 4,75 Hektar großen Fläche 154 Wohneinheiten für 340 Einwohner entstehen.

BEUREN. Rainer Metzger vom Nürtinger Planungsbüro Melber & Metzger hat im Gemeinderat über den Stand der Planungen informiert und Position zu den seit der Aufstellung des Bebauungsplans im Jahr 2015 eingegangenen Anregungen und Stellungnahmen bezogen. Bürgermeister Daniel Gluiber betonte, dass alle Punkte in den Planungen für die Ausgestaltung des Baugebiets berücksichtigt worden seien. „Die Bürger haben mehrfach ihre Meinungen geäußert. Nun müssen wir Entscheidungen treffen, wie wir damit umgehen.“

Ziel sei es, ein Grundkonzept für das Baugebiet festzulegen, damit das Verfahren fortgesetzt werden könne, erklärte Metzger. Dass der Bedarf für das Baugebiet in Beuren bestehe, steht für ihn nach der vom Büro Reschel vorgelegten Bevölkerungsprognose außer Frage. „Die Gemeinde hat zuletzt immer auf Innen- vor Außenentwicklung gesetzt. Nun sind keine Baulücken mehr verfügbar. Es gibt nur noch Enkelgrundstücke, auf die die Gemeinde keinen Einfluss hat.“ Cornelia Jathe (CDU) stimmte zu: „Wir haben keinen anderen Ausweg, als das Baugebiet zu realisieren.“

Zwischen Silcherstraße, Brühlstraße und Owener Straße plant Metzger 34 freistehende Einzelhäuser, sieben Häuser in Grenzbauweise, zehn Doppelhaushälften, zwölf Reihenhäuser und neun Mehrfamilienhäuser. Zudem ist am südlichen Ende des Baugebiets an der Owener Straße gegenüber des Beginns der Alten Steige ein Kindergarten-Neubau vorgesehen. Im neuen Baugebiet rechnet Metzger mit durchschnittlich 72 Einwohnern pro Hektar Gelände. Einzige Alternative für das geplante Areal sei Wohnbau auf dem Balzholzer Feld. Dieses sehe der Flächennutzungsplan jedoch für die Kurentwicklung vor.

Bei den Stellungnahmen habe es eine „große Bandbreite an Äußerungen“ gegeben und bei kaum einem Thema ein „ganz klares Meinungsbild“. So beklagten die einen, die bauliche Dichte sei zu hoch, während andere meinten, die Grundstücke seien zu groß und somit zu teuer. Wesentliche Änderungspunkte habe das Nürtinger Ingenierbüro jedoch in den aktuellen städtebaulichen Entwurf eingearbeitet. Die Pläne sehen eine „Durchmischung verschiedener Gebäudetypen“ vor. „Wir wollen punktuell auch Mehrfamilienhäuser zulassen.“

Daniel Schäfer (Freie Wähler) wünschte sich, dass der Raum noch effektiver genutzt wird. „Manche Grundstücke sind zu groß. Man könnte noch dichter bebauen.“ Bernhard Klaß (CDU) erwartet keine Nachfrage für Mehrfamilienhäuser. „Beim Bebauungsplan Heiratsäcker in Balzholz haben wir auch Mehrfamilienhäuser geplant und kein Käufer wollte eins.“ Er hätte sich zudem „versetzte Bauplätze“ vorstellen können. Rainer Metzger antwortete, dass die Struktur bewusst nach Süden ausgelegt sei, um die Sonnenenergie nutzen zu können. „Aber wir hätten noch die Flexibilität und können noch reagieren.“ Das gelte auch für die möglichen Dachformen und die Parkierung. Bei den Dächern schlägt er eine Mischung aus Satteldächern, Flachdächern und Pultdächern vor. „Die Vielfalt lockert das Ortsbild auf.“

Der Planer sieht entlang der Brühlstraße und Silcherstraße eingeschossige Bebauung mit Satteldächern vor. Innerhalb des Neubaugebiets plant er Zweigeschossigkeit, bei Mehrfamilienhäusern drei Geschosse und Flachdach.

Dr. Regina Birner stellte den Antrag, dass entlang der Owener Straße, die für das Ortsbild entscheidend sei, nur Satteldächer erlaubt werden. „Flachdächer passen nicht zu einem Dorf und einem Kurort“, meint sie. Die SPD-Rätin war dann aber die Einzige, die für ihren Antrag stimmte. Bei einer Enthaltung des Bürgermeisters gab es ansonsten nur Gegenstimmen vom Gemeinderat.

Diskussionen gab es auch um das Verkehrskonzept. So erschien einigen Bürgern die geplante Breite der Hagnachstraße mit sechs Metern Fahrbahn und 1,5 Metern Fußweg zu üppig. Eine Straßenbreite von vier Metern sei ausreichend. Dem widersprach Metzger.

Der Fußweg der Hagnachstraße wird auf zwei Meter Breite erweitert

Es sei bereits eine Fahrbahnbreite von 5,50 Metern nötig, damit der Platz für Müllfahrzeug, Streufahrzeug, Feuerwehrfahrzeug oder Rettungswagen und Auto ausreicht. „Ein Müllfahrzeug muss an einem parkenden Auto vorbeikommen. Eine Breite von vier Metern ist nur bei Stichstraßen möglich.“ Er schlage für die Hagnachstraße 5,50 Meter für die Fahrbahn und 1,5 Meter für den Gehweg vor. Das Trottoir würde Daniel Schäfer gerne zwei Meter breit sehen. „Die Hagnachstraße wird mal die beste Verbindung für Fußgänger zum Freilichtmuseum.“ Sein Antrag ging bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung durch.

In der Owener Straße soll das Ortsschild nach außen verschoben werden und Tempo 30 gelten. Dennoch fürchten einige Gemeinderäte, dass zu schnell gefahren wird und regten Verschwenkungen der Fahrbahn an. Die Owener Straße soll zudem einen Parkstreifen erhalten. Insgesamt sieht der Planer für das gesamte Gebiet 231 private Parkplätze – und damit 1,5 pro Wohneinheit – sowie weitere 80 öffentliche Stellplätze für Besucher vor, vorrangig im Bereich des neuen Kindergartens. Gemeinderat Daniel Schäfer wünscht sich dagegen zwei private Parkplätze pro Wohneinheit.

Eine zentrale Wärmeversorgung für das gesamte Baugebiet scheidet nach den Berechnungen eines spezialisierten Büros aus, da sich das wirtschaftlich nicht rechnet. Nur für die Mehrfamilienhäuser biete sich eine zentrale Wärmeversorgung an. Daniel Schäfer regte die Bildung einer Fotovoltaik-Genossenschaft für mehrere Häuser an.

Auch mit den Themen Artenschutz und Naturschutz hat sich das Planungsbüro Melber & Metzger befasst. Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sollen umgesetzt werden. Es werde noch genau untersucht, welche Tierarten in welchen Bäumen leben, kündigte Bürgermeister Gluiber an. Auch die Verlegung der Landeswasserversorgungs-Leitung ist im Plan berücksichtigt. Metzger verwies darauf, dass die Bevölkerung noch einmal die Chance erhalte, zum Entwurf Stellung zu nehmen, „wenn wir in den Bebauungsplan einsteigen“.

Zur Startseite